Erste Hilfe für die Seele

Seit 20 Jahren gibt es beim Roten Kreuz Kriseninterventions-Teams. „Wir sind die, die in der Katastrophe Zeit haben“, umreißt es Cornel Binder-Krieglstein, Chefpsycholge des Roten Kreuzes NÖ.

Eva Hinterer
Eva Hinterer Erstellt am 14. Oktober 2021 | 04:22
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Cornel Binder-Kriegl-stein ist Chefpsychologe beim Roten Kreuz NÖ.
Foto: RK NÖ / Hechenberger

Eine Unwetter-Katastrophe, ein plötzlicher Todesfall oder ein anderes Ereignis, dessen Tragweite die Psyche von Menschen überfordert. Wenn das eintritt, sind die Helfer der Krisenintervention (KI) vom Roten Kreuz zur Stelle.

Gegründet wurde die KI nach der Lawinenkatastrophe von Galtür. „Wir haben intern einen Kurs für diese Form der psychosozialen Betreuung ausgeschrieben“, sagt Binder-Krieglstein zu den Anfängen. Und das Interesse war groß – 380 Freiwillige sind heute in NÖ im Einsatz, um Menschen nach traumatischen Ereignissen zu unterstützen.

Neun Tage dauert die Ausbildung; besonders willkommen sind Bewerber, die im psychosozialen Bereich arbeiten. „Eine gute Basis sind auch Bauchgefühl und Hausverstand“, umreißt der Chefpsychologe das Anforderungsprofil. Die KI-Teams rücken immer zu zweit aus. „Wenn man eine Todesnachricht überbringt, dann treffen Familienmitglieder oft hintereinander ein, das kann einen Helfer überfordern“. In der Situation selbst gilt es, das Zeitfenster zwischen Ereignis und professioneller Nachbetreuung zu schließen. Kurz: Betroffene mit ihrem Trauma nicht alleine zu lassen.

Die KI-Teams sind nur für die Akutphase zuständig, „wir kommen nur einmal“, sagt Binder-Krieglstein. Für weitergehende Betreuung oder bei schweren Fällen wie Suizid oder plötzlichem Kindestod wird das Akutteam NÖ dazugeholt – professionelle Psychologen, die auch nachgehende Betreuung leisten. „Wir sind ein psychologischer Hilfsdienst“, sagt Binder-Krieglstein zur KI. Ein Dienst, der im Notfall binnen 20 Minuten vor Ort ist.