Familienprobleme: Hilfe bei aggressiven Kindern. 14-Jähriger ermordete Mutter. Bei Familienproblemen können Stellen wie die Kinder- und Jugendanwaltschaft deeskalieren.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 30. Juli 2019 (02:30)
Thomas Lenger
In diesem Mehrparteienhaus in Kirchschlag in der Buckligen Welt hat der 14-Jährige seine Mutter erstochen. Streitigkeiten zwischen Mutter und Sohn soll es bereits öfters gegeben haben. Zur Behörde pflegte die Mutter nur losen Kontakt wegen finanzieller, aber nicht familienproblematischer Belange.

Ein Herzstich. Das war laut Obduktionsergebnis die Todesursache einer 55-Jährigen aus Kirchschlag. Wunden an Nacken und Hinterkopf zeugen von massiver Gewaltanwendung. Mutmaßlicher Mörder: ihr 14-jähriger Sohn. Der Jugendliche bestreitet den Mordvorsatz und spricht über den Tatzeitpunkt von einem „Traumzustand“. Sein Verteidiger beschreibt den Gewalttäter als „schüchtern und folgsam“.

Das „brave“ Kind als skrupelloser Muttermörder – ein tragischer Einzelfall? Laut Auskunft des Justizministeriums befindet sich derzeit kein wegen Mordes verurteilter Jugendlicher in Niederösterreich in Haft. 2018 wurde, so die Kriminalstatistik des Bundeskriminalamtes, nur ein Jugendlicher in Niederösterreich wegen Mordversuchs verurteilt.

"Kinder, die Probleme haben, machen auch Probleme“

Aggressives Verhalten von Kindern gegenüber Familienmitgliedern kommt aber immer wieder vor. Die Kinder- und Jugendhilfe des Landes bietet Unterstützung. Hauptanliegen ist die Stärkung der Erziehungsfähigkeit der Erziehungsberechtigten.

Doch das gelingt nicht immer. „Kinder, die Probleme haben, machen auch Probleme“, weiß die Leiterin der Kinder- und Jugendanwaltschaft (Kija) Gabriela Peterschofsky-Orange. Aufgabe ihrer Ombudsstelle ist es indes zu überprüfen, dass Kinderrechte eingehalten werden und ein Helfernetzwerk zu schaffen, wenn in Familien Probleme auftreten. Leitspruch der Kija: „Was du nicht willst, das man dir antut, füge auch keinem anderen zu.“ Dramatische Vorfälle wie in Kirchschlag erschüttern, dennoch ist ihr wichtig zu betonen: „Man darf nie die Seite des Kindes oder Jugendlichen vergessen, denn kein Kind wird als Mörder geboren!“

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