Kwizda: Vorsatz war nicht nachzuweisen. Nach vorbildlicherv; Sanierung ziehen Verantwortliche des Korneuburger Unternehmens Kwizda ihren Kopf aus der Schlinge.

Von Jutta Hahslinger. Erstellt am 01. Dezember 2014 (11:12)
Kwizda in Korneuburg: Pestizide im Abwasser.Markus Glück
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Das Thema „Sicherheit“ sei immer sehr wichtig gewesen, beteuert die sechsköpfige Beschuldigtenriege, vom kleinen Angestellten bis hinauf in die Chefetage des Korneuburger Pflanzenschutzmittelherstellers „Kwizda Agro GesmbH“, einhellig. So sei das Qualitätsmanagement immer wieder modifiziert worden, erzählt ein technischer Angestellter, räumt dann aber ein, das Abwassersystem sei zu wenig „beachtet“ worden.

„Faustgroße Löcher“ in den Rohrleitungen des Abwassersystems

Mitunter „faustgroße Löcher“ in den Rohrleitungen des Abwassersystems, wie im Gutachten angeführt wird, haben dann dazu geführt, dass am 13. August 2010 mit Pestiziden kontaminiertes Abwasser aus der Produktion ins Erdreich sickerte und das Grundwasser im Großraum Korneuburg verunreinigte. Eine Verunreinigung, die aber für die Gesundheit der Menschen keine Beeinträchtigung darstellte, so die Experten.

Die Beschuldigten zeigen vor Gericht Einsicht und räumen zum Teil Fehler ein. Sie sind zum Vorwurf der fahrlässigen Beeinträchtigung der Umwelt auch geständig, von einer vorsätzlichen Beeinträchtigung wollen sie aber nichts wissen. Alle bedauerten den Vorfall und Kwizda-Chef Andreas Stöckl betont von Prozessbeginn an, wie hart man an Schadensbehebung gearbeitet habe: „Wir haben alles daran gesetzt, die Fakten zu ermitteln und Maßnahmen getroffen, um Schäden zu vermeiden.“ Bislang seien 11,3 Millionen in die Sanierung geflossen informiert S. und beteuert: „Ich war persönlich zutiefst betroffen.“

Informationspflicht wurde "vernachlässigt"

Weniger Ambitionen zeigt der Kwizda-Chef mit 30-jähriger Unternehmenserfahrung bei der Informationspflicht. Zwei Jahre ließ er die Bezirkshauptmannschaft Korneuburg über das wahre Ausmaß des Schadens im Unklaren. Aber nicht, wie Stöckl betont, aus reinem Gewinnstreben oder um eine drohende Werksschließung, wie die Anklagebehörde mutmaßte, zu verhindern. Man habe Ursachenforschung betrieben.

Nach einem umfangreichen Beweisverfahren stellt Richter Rainer Klebermaß klar: „Kwizda hat nicht rücksichtslos weiter produziert und den Mammon über die Umwelt gestellt. Der Vorwurf der vorsätzlichen Beeinträchtigung hält nicht.“ Staatsanwältin Birgit Sporn gesteht zu: „Nach den Zeugenaussagen und Gutachten ist der Vorwurf nicht mehr haltbar, zweifelsfrei nicht nachweisbar.“ Damit blieb nur mehr fahrlässiges Handeln übrig und die Anklägerin ist mit einer diversionellen Erledigung der Causa, (Zahlung einer Geldbuße) wie vom Richter vorgeschlagen, einverstanden.

"Kwizda hat nicht rücksichtslos weiterproduziert und den Mammon über die Umwelt gestellt." Richter Rainer Klebermaß

Damit bleiben alle Beschuldigten ohne Vorstrafe. Sie müssen nur tief in die Tasche greifen. „Je höher die Verantwortung, umso höher die Geldbuße. Am höchsten trifft es den Chef“, erläutert der Richter.

Zwischen 3.000 und 6.000 Euro beträgt die Geldbuße für die kleinen Verantwortungsträger. 17.000 Euro muss ein Werksleiter berappen und über den Kwizda-Chef wird eine Geldbuße von 38.000 Euro verhängt.

Überdies muss Kwizda bis zum Abschluss der Sanierung alle Kosten tragen.

Dem Kwizda-Verband wird eine Diversion in Form einer Schadensgutmachung in der Höhe von 250.000 Euro angeboten. Mit dem Höchstmaß von 50 Tagessätzen greift Richter Klebermaß in die Vollen: „Aus generalpräventiven Gründen. Es soll sich bei Unternehmen herumsprechen, dass es wirklich teuer wird, wenn man schlampig bei seinen Pflichten ist.“