„Lästigen“ Mieter mit Beil attackiert. Wohnrecht | Bewährungsstrafe hielt 71-Jährigen nicht davon ab, erneut gegen Mieter seines früheren Wohnhauses vorzugehen.

Erstellt am 01. April 2013 (20:25)
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Von Jutta Hahslinger

Mit dem Einzug in ein Wohnhaus im Bezirk Gänserndorf halste sich der 45-jährige Mieter ein ungeahntes Problem auf: Der Vermieter hatte ihm verschwiegen, dass seinem Vater (71) ein Wohnrecht im Haus zusteht.
Probleme stellten sich alsbald ein, denn der rüstige Rentner wollte den ungeliebten Mieter mit allen Mitteln aus dem Haus vertreiben. Auch eine Bewährungsstrafe von zehn Monaten wegen Hausfriedensbruch und Drohungen gegen den Mieter hielt den 71-Jährigen nicht davon ab, erneut gegen den Unerwünschten vorzugehen.

Am 3. Dezember vergangenen Jahres forderte der Pensionist wieder einmal den Auszug des Mieters: „Schau, dass du ausziehst, sonst bring’ ich dich um!“ Dann stach er mehrmals mit einem Messer auf den Oberkörper des 45-Jährigen ein. Zum Glück erfolgten die Stiche nicht mit großer Intensität, und das Opfer war noch in der Lage, Abwehrhandlungen zu setzen. Da griff der Rentner zu einem 40 Zentimeter langen Handbeil und schlug es dem Mieter gegen die Stirn. Benommen und blutend gelang dem schwer verletzten Opfer die Flucht vor dem Angreifer.

Vor Gericht zeigte sich der Pensionist einsichtig und versicherte dem Richter: „Ich verspreche, ich tue es nicht mehr!“

Der 71-Jährige wurde von Richter Manfred Hohenecker wegen der Verbrechen der Nötigung und absichtlich schweren Körperverletzung zu einer Zusatzstrafe von 30 Monaten, davon zehn Monate unbedingt, verurteilt.
Damit kam der Rentner noch glimpflich davon, denn die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft waren zunächst in Richtung Mordversuch gegangen. Dazu ist es nicht gekommen, weil der 71-Jährige sowohl die Messerstiche als auch den Schlag mit dem Beil laut Gutachter nur mit mäßiger Energie ausgeführt hatte. Hätte er mit voller Kraft zugestoßen/zugeschlagen, wäre der Mieter sicher nicht mehr am Leben.