Leichte Öffnung trotz hoher Zahlen. Schüler kehren in Klassen zurück, Geschäfte sperren wieder auf. 7-Tage-Inzidenz ist in Bezirken sehr unterschiedlich.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 02. Februar 2021 (07:54)
Quelle: AGES Dashboard COVID19, Stand: 30.01.2020
Illustration & NÖN-Grafik: Hammerl

Die Corona-Ampel steht auch nach dem dritten Lockdown in ganz Österreich auf Rot. Obwohl die Infektionskurve nach unten geht, gibt es heruntergebrochen auf 1.000 Einwohner noch immer über 100 Neuinfektionen innerhalb von sieben Tagen. Die 7-Tage-Inzidenz liegt bundesweit betrachtet bei 105,8. In NÖ hat man mit 99 knapp die 100er-Marke unterschritten.

Das Ziel von 50, das die Regierung als Voraussetzung für Öffnungsschritte ausgegeben hat, ist dennoch weit entfernt. Trotzdem verkündete die Bundesregierung am Montag erste Lockerungsschritte: Ab 8. Februar sollen Schüler im Schichtbetrieb wieder in den Klassen unterrichtet werden. Auch der Handel öffnet seine Pforten, genauso wie einige Dienstleister.

"Lockdown ist unsere einzige Möglichkeit, Infektionszahlen zu senken" Virologe Norbert Nowotny

Was das strikte Herunterfahren des öffentlichen Lebens seit Ende Dezember angesichts der noch immer hohen Infektionslage gebracht hat, wollte die NÖN von dem in Fels am Wagram (Bezirk Tulln) aufgewachsenen Virologen Norbert Nowotny wissen. „Der Lockdown ist leider unsere einzige Möglichkeit, Infektionszahlen zu senken. Er hat auch dieses Mal ein bisschen was gebracht“, resümiert er.

Norbert Nowotny: „Lockdown hat ein bisschen was gebracht.“
privat

Positiv beurteilt Nowotny die jetzt gesetzten Begleitmaßnahmen wie das Tragen von FFP2-Masken und regelmäßiges Testen. Der Forscher betont aber auch, dass der Lockdown von Mal zu Mal weniger bringe. Vor allem, weil die Maßnahmen von der Bevölkerung nicht mehr mitgetragen werden. Die Corona-Müdigkeit ist mittlerweile zu groß. Dass immer weniger Menschen die restriktiven Maßnahmen mittragen, zeigen etwa die anonymen Bewegungsdaten der Mobilfunk-Anbieter (siehe unten).

Geht es nach Nowotny, sollte man wieder auf die Corona-Ampel als regionales Maßnahmen- und Bewertungsinstrument setzen. Ein Blick auf die 7-Tages-Inzidenz einzelner Bezirke unterstreicht seine Forderung: Krems-Stadt liegt mit 39,9 Neuinfektionen pro 1.000 Einwohner unter der angestrebten Zahl von 50, ebenso Waidhofen/Thaya (46,7). Die Landeshauptstadt kommt auf 59,4. Zum Vergleich: Tamsweg in Salzburg hält bei einer Inzidenz von 395,0, der Kärntner Bezirk Spital an der Drau bei 267,6.

Britische Variante ist viel ansteckender

Dass viele Bezirke bald auf das Niveau der „Corona-Musterschüler“ kommen werden, glaubt Nowotny nicht. Grund dafür ist die britische Mutation des Coronavirus. Die ist wesentlich ansteckender als die herkömmliche Variante. Er erklärt das anhand eines Beispiels: Zehn mit dem bisher zirkulierenden Coronavirus infizierte Personen stecken im Schnitt neun weitere an. Zehn mit der britischen Variante Infizierte stecken jedoch 14 bis 15 Personen an.

„Impfstoff ist leicht zu adaptieren“

Neben der britischen Variante wurden eine südamerikanische und eine südafrikanische Mutation nachgewiesen. Laut dem Virologen müsse man damit rechnen, dass weitere hinkommen. Eine Gefahr für die Pandemie-Bekämpfung sieht Nowotny darin aber nicht. Die drei aktuell zugelassenen Impfstoffe wirken auch gegen die britische Mutation. Sollte ein Virusstamm auftauchen, gegen den die Wirkstoffe nicht helfen, könne man gerade die mRNA-Impfstoffe, also jene von BioNTech/Pfizer und Moderna, leicht adaptieren.

Insgesamt sieht Novotny die Impfung als „absolut alternativlos“. Der Hoffnung auf einen normalen Sommer erteilt er aber einen Dämpfer: „Ich rechne damit, dass wir im Spätsommer oder Frühherbst zur Normalität zurückkehren können.“ Vorausgesetzt, die Impfstoff-Hersteller halten ihre Lieferpläne ein.

Zahlen: Stand Montag 18 Uhr