Manipulation von Novomatic-Geräten - Schweizer Behörden ermitteln

Erstellt am 16. April 2011 | 07:42
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Glückspielautomaten Spielsucht
Foto: NOEN, BilderBox.com (www.BilderBox.com)
Eine russische Betrügerbande hat sich vor einigen Monaten über Glücksspielautomaten in verschiedenen Schweizer Casinos hergemacht. Die Männer versuchten offenbar, mit Hilfe externer Gerätschaften den Spielausgang vorherzusagen.
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Betroffen waren Geräte des niederösterreichischen Glücksspielkonzerns Novomatic. Dieser betrachtet die Vorfälle als abgeschlossen. Nicht so die Schweizer Behörden. "Die Ermittlungen laufen", hieß es von der Eidgenössischen Spielbankenkommission (ESBK).

Die Plünderungen in der Schweiz wurden Ende März bekannt. Bereits im Jänner war ein Verdächtiger vorübergehend festgenommen worden. Die ESBK schlug dann Anfang Februar Alarm und forderte die Casinos auf, entsprechende Sicherheitsvorkehrungen - etwa Software-Updates - zu treffen. Wie genau die Manipulationen vonstattengingen, ist noch nicht vollends aufgeklärt, die Ermittler sind gerade dabei, beschlagnahmtes Gerät auszuwerten.

Novomatic dürfte jedenfalls Feuer am Dach gesehen haben, denn potenziell betroffen sind offenbar Geräte mit "diversen Coolfire-Programmversionen" - also ein großer Teil der einarmigen Banditen, die der niederösterreichische Konzern in die ganze Welt ausliefert.

Die Novomatic-Tochter Austrian Gaming Industries (AGI) hat ihre Kunden mehrfach eindringlich auf die Vorfälle hingewiesen. In einem "Technical Bulletin" vom 22. Februar, das im Zuge der Ermittlungen aufgetaucht ist, heißt es, es könne "allgemein nicht ausgeschlossen werden, dass etwaige Auszahlungen von statistisch gesehen zu hohen Gewinnen aufgrund einer grundsätzlich möglichen und bewussten Anwendung unzulässiger technischer Hilfsmittel erfolgten".

Diese Geräte könnten etwa dazu gedient haben, die jeweiligen Spielausgänge vorauszuberechnen, heißt es.

Novomatic empfahl den Casinos bzw. Automatenbetreibern, ihre Sicherheitsstandards zu erhöhen, also zum Beispiel darauf zu achten, ob Kunden irgendwelche technischen Hilfsmittel verwenden. Auch sollten die notwendigen Updates durchgeführt werden.

Gleich zu Beginn des Schreibens weist Novomatic seine Kunden übrigens "ausdrücklich" darauf hin, "dass der Betrieb von Geräten, insbesondere ohne die entsprechenden Updates, ausschließlich in der Verantwortung der Betreiber liegt." Bei den "uns bekannten Vorkommnissen" hätten keine Eingriffe in die Spielesoftware bzw. in den Spielablauf festgestellt werden können. Es lägen keine Softwarefehler vor, heißt es weiter.

Für sämtliche Automaten, die auf der Plattform "Coolfire" basieren, Updates bereitzustellen, dürfte einiges an organisatorischem Aufwand erfordern. Denn das Betriebssystem existiert in verschiedenen Variationen, muss jeweils an länderspezifische gesetzliche Bestimmungen angepasst werden.

Wieviele "Coolfire"-Geräte genau im Umlauf sind, wollte das Unternehmen nicht preisgeben. Aus den Produktinformationen auf der Novomatic-Homepage ist ersichtlich, dass die meisten klassischen Spielgeräte mit diesem System ausgestattet sind.

Der vom Industriellen Johann Graf gegründete Konzern mit Sitz in Gumpoldskirchen exportiert in mehr als 60 Staaten, allein im Rekordjahr 2008 wurden laut Angaben auf der Website über 100.000 Spielgeräte und Multiplayer-Anlagen ausgeliefert. In eigenen Spielstätten betreibt Novomatic mehr als 140.000 Geräte.

Auf die Frage, ob die Vorfälle den Konzern wirtschaftlich bedrohten, hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme: "Diese vereinzelten und für uns abgeschlossenen Vorfälle stellen selbstverständlich keine wirtschaftliche Bedrohung für den Novomatic-Konzern dar." Man habe "zeitgerecht" und "zur Zufriedenheit der Kunden" reagiert, es sei "selbstverständlich" kein einziger Kunde abgesprungen. Wieviele Updates bereits vorgenommen wurden, wurde nicht bekanntgegeben.