Fahrafellner: "12.000 Feuerwehr-Mitglieder im Einsatz". Mehrere Sattelschlepper voll mit Tests, Handschuhen, Masken und Desinfektionsmittel erwartet die Feuerwehr in den nächsten Tagen. Der erste Teil der Riesen-Mengen an Material, die für die Corona-Massentestungen am 12. und 13. Dezember benötigt werden, soll morgen ins Katastrophenschutzzentrum Tulln geliefert werden. Dort stellen die Einsatzkräfte Pakete für jeden der 1.000 Test-Standorte in Niederösterreich zusammen. Wie die Vorbereitungen laufen, erzählt Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner der NÖN.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 03. Dezember 2020 (18:51)
Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner sprach mit der NÖN über die laufenden Vorbereitungen für die Massentestungen in Niederösterreich.
Straubinger

NÖN: Es wird insgesamt 1.000 Corona-Teststationen am 12. und 13. Dezember in Niederösterreich geben. Wie wird im Vorfeld dafür gesorgt, dass am Test-Wochenende überall Materialien vorhanden sind?  
Dietmar Fahrafellner:
Das Bundesheer liefert die Materialien in das Katastrophenschutz-Lager nach Tulln. Das kann man sich vorstellen wie ein Lebensmittel-Großlager. Die Feuerwehren bekommen von jeder Gemeinde Listen, wie viele Tests und Materialien sie benötigen. Nach diesem Plan werden wir dann vorbereiten: Masken, Handschuhe, Desinfektionsmittel und natürlich die Tests. Das werden einige Sattelschlepper voll mit Ausrüstung. Die wird paketiert und an jede einzelne Gemeinde geliefert. Der Landesführungsstab organisiert das. Morgen, Freitag, kommt die erste Lieferung nach Tulln.

Ist es mit der logistischen Arbeit im Vorfeld für die Feuerwehren erledigt?
Fahrafellner: Nein, wir werden auch vor Ort mithelfen. Dort übernehmen wir Verwaltungsaufgaben bis zur Kommunikation. An jedem Test-Ort wird ein Feuerwehr-Mann oder eine Feuerwehr-Frau stehen. Wenn es zu Problemen kommt, also, wenn zum Beispiel ein Computer abstürzt, sind wir sehr schnell handlungsfähig. Wir haben einerseits die ganze Logistik über und andererseits die Vor-Ort-Abwicklung.

Mit wie vielen Mitgliedern stehen Sie im Einsatz?
Fahrafellner: Wir werden pro Tag 6.000 Mitglieder mobilisieren, insgesamt an diesem Wochenende also 12.000 Mitglieder. Pro Tag sind das mehr, als beim Hochwasser 2013 im Einsatz standen. Das war der größte Einsatz, den ich als Landesfeuerwehrkommandant bisher erlebt habe. Ich glaube, deshalb ist die Landesregierung auch an unser herangetreten, mitzuhelfen. Wir sind die einzigen mit dieser gewaltigen Kraft, mit so vielen freiwilligen Mitgliedern. Wir sind gut aufgestellt. Alle Bezirkskommandanten sind schon informiert, auch alle Bereitschaftskommandanten der Katastrophenhilfsbereitschaften. Morgen richten wir auch den Landesführungsstab ein, ähnlich wie bei einer Katastrophe. Der ist von 8 bis 20 Uhr bereit, falls ein Problem auftaucht.

Wir werden pro Tag 6.000 Mitglieder mobilisieren, insgesamt an diesem Wochenende also 12.000 Mitglieder

12.000 Mitglieder sind also mit den Tests beschäftigt. Ist die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr trotzdem überall gegeben, wenn es zu Bränden, Unfällen oder ähnlichem kommt?
Fahrafellner: 
Das ist überhaupt kein Problem. Wir haben 99.000 Mitglieder, 6.000 davon brauchen wir für die Tests. Wir haben das Zehnfache noch zuhause. Das ist unsere große Stärke.

Was sind die größten Herausforderungen?
Fahrafellner: Logistik und Kommunikation sind das Schwierige. Es müssen alle Zahlen über die erforderlichen Materialien rechtzeitig eintreffen. Die müssen auch stimmen und im Vorfeld richtig kalkuliert sein. Das brauchen wir, um einen reibungslosen Ablauf gewähren zu können.

Zum Abschluss noch zur allgemeinen Situation. Die Coronakrise hat Auswirkungen in allen Bereichen. Wie geht’s den Feuerwehren damit?
Fahrafellner: Für uns war das Wichtigste, dass wir den Einsatzbetrieb aufrechterhalten können. Wir haben bei keiner einzigen Feuerwehr einen Totalausfall gehabt bis jetzt. Darauf bin ich stolz. Aber wir leiden schon darunter, dass es keine Übungen, Schulungen und Veranstaltungen gibt.

Für uns war das Wichtigste, dass wir den Einsatzbetrieb aufrechterhalten können

Die Feste sind auch wichtige Einnahmequellen. Die fallen heuer fast ganz weg. Wie sieht die finanzielle Situation der Feuerwehren aus?
Fahrafellner: Wir haben das Glück gehabt, dass wir durch den Katastrophenhilfsfonds der Bundesregierung Geld bekommen haben. Wir hoffen, dass wir auch für das letzte Quartal noch was bekommen. Aber natürlich, Feste machen wir nicht aus Jux und Tollerei. Mit diesen Geldern finanzieren wir den Großteil unserer Anschaffungen. Die brauchen wir. Ich hoffe also, dass es im nächsten Jahr wieder Fest gibt. Ohne fehlt auch der Kontakt der Bürger. Die Feuerwehren sind Kultur-Träger, wir bringen die Leute zusammen.

Wie wird die Einsatzstatistik der Feuerwehren im Corona-Jahr ausfallen?
Fahrafellner: Es gab heuer weniger Einsätze, weil es weniger Verkehr gab und bei Unternehmen weniger zu tun war. Ich habe noch keine genauen Zahlen, aber ich rechne mit 20 Prozent weniger als sonst.