Match gegen die Delta-Variante. Weitere Maßnahmen fallen. Gleichzeitig grassiert Mutation. NÖ Virologe Norbert Nowotny erklärt, wann die zur Gefahr werden kann.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 23. Juni 2021 (05:48)
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Sogar Discos dürfen wieder aufsperren – nach eineinhalb Jahren kann ab 1. Juli wieder gefeiert werden – fast wie vor Corona im St. Pöltner Warehouse (im Bild).
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Im Sommer darf wieder gefeiert werden. Bis in die Morgenstunden und mit wenig Einschränkungen. Das ist Teil der neuen Lockerung der Covid-Maßnahmen ab 1. Juli: So kann die Nachtgastro wieder öffnen, die Sperrstunde fällt, ebenso wie Besuchergrenzen bei Veranstaltungen und Kontaktbeschränkungen. Auch die Maskenregeln werden lockerer: In der Gastro fällt die Maskenpflicht komplett, in Öffis, an geschlossenen öffentlichen Orten, in Geschäften und Museen darf anstelle der FFP2-Maske Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Nur in Pflegeheimen und Krankenhäusern bleibt die FFP2 notwendiger Begleiter.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) meinte, man werde das Versprechen, bis zum Sommer Schritt für Schritt zur Normalität zurückzukehren, einhalten können. Begründet wurde das mit den niedrigen Fallzahlen: Die 7-Tage-Inzidenz liegt in Niederösterreich aktuell bei 10,5 (österreichweit: 11,9). Zum Vergleich: Zum Höchststand im Herbst erreichte sie über 500.

Getrübt wurden die Jubelmeldungen über neue Freiheiten, weniger Patienten in Spitälern und niedrigere Infektionszahlen jedoch von Berichten über die neue Delta-Virusvariante – ursprünglich bekannt als indische Mutation. In NÖ wurden von dieser Virusvariante, die noch ansteckender sein soll als die ohnehin schon ansteckendere britische Mutation, bisher rund 25 Fälle nachgewiesen.

Saisonale Komponente hilft gegen „Delta“

Die Freude auf entspannte Sommermonate ist laut NÖ-Virologen Norbert Nowotny jedoch trotz der Mutation berechtigt. Selbst bei Riesen-Events wie dem Frequency Festival sieht er aktuell keinen Grund zur Sorge. Allerdings erschwere die neue Mutation die Situation.

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Virologe Norbert Nowotny: „Es steht 1:1 im Match mit der Delta-Variante.“
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„Momentan steht es 1:0 für die Delta-Variante, aufgrund der höheren Ansteckbarkeit. Der saisonale Effekt bringt uns aber noch ein 1:1“, zieht Nowotny im EM-Fieber einen Fußball-Vergleich. Um das Match zu gewinnen, müsse die Durchimpfungsrate erhöht werden. Insgesamt wisse man aus den – noch wenigen – Daten, dass die Impfung mit beiden Dosen gut gegen die Variante wirke, die sich eher wie ein grippaler Infekt äußert. Eine Teilimpfung ist, laut Nowotny, bei der Delta-Variante noch kein ausreichender Schutz. Tatsächlich geschützt ist damit nach aktuellem Stand aber erst ein Viertel der Österreicher.

Gleichzeitig appelliert Nowotny, weiter regelmäßig zu testen – auch auf die Delta-Variante. Sollten sich Cluster bilden, müsse man regionale Maßnahmen setzen. Denn dass die Variante, die in Großbritannien grassiert, sich weiter ausbreiten wird, glaubt der NÖ-Virologe: „Die Briten werden am Mittelmeer Urlaub machen. Die Österreicher auch. Der ein oder andere wird sie also mit dem Urlaubsgepäck mit nach Hause nehmen.“

Neue Welle im Herbst nicht ausgeschlossen

Im Herbst besteht, laut Nowotny, die Gefahr, dass der saisonale Effekt schwindet. Eine neuerliche Welle kann er nicht ausschließen. Die Regierung zeigt sich jedoch zuversichtlich: Am 22. Juli soll es wiederum neue Lockerungen geben. Dann werden, wie Kurz ankündigte, auch die letzten Einschränkungen fallen. Der Virologe meint: „Mein Tipp ist es, den Sommer zu genießen, zu testen und nicht zu ausgelassen zu feiern.“