Stalking: Angeklagter ist selber Opfer. Stalkingvorwürfe der Nachbarin bescherten 49-Jährigem 30-Meter-Abstandsverfügung, die ihn vom eigenen Haus aussperrte.

Von Jutta Hahslinger. Erstellt am 29. September 2014 (10:31)
NOEN, Foto: Hahslinger
Richter Manfred Hohenecker empfahl dem Beschuldigten eine Gegenoffensive: »Erstatten Sie ebenfalls Anzeige!«
„Ich bin schon verurteilt worden. Mir glaubt keiner“, erklärt ein 49-jähriger Weinviertler aus dem Bezirk Mistelbach sichtlich resigniert zu den erneuten Stalking-Vorwürfen vor Gericht. „Ja“, gibt er zu, er habe seine Nachbarin fotografiert. Aber sie ihn auch. Wenn sich jemand im Garten aufgehalten habe, sei die Frau aufgetaucht und habe jegliche Tätigkeit auf Film gebannt und dokumentiert, beteuert der Angeklagte seine Unschuld.

Die Nachbarin, eine 39-jährige Pädagogin, bleibt aber dabei. Der Nachbar habe die einstweilige Verfügung des Bezirksgerichtes Mistelbach, sich mindestens 30 Meter von ihr fernzuhalten, nicht eingehalten und sie weiterhin beobachtet, verfolgt und im Vorbeigehen angestarrt.

„Wer schaut net hin, wenn a Frau pudelnackert im Garten ist?",
Vater des Angeklagten vor Gericht

Zu dem Vorwurf, sein Sohnemann werfe Blicke über die Gartenmauer und starre die Nachbarin an, erklärt der Vater (73) des Beschuldigten aufgebracht: „Wer schaut net hin, wenn a Frau pudelnackert im Garten ist? Jetzt tut sie es nicht mehr. Die benachbarten Eheleute hören was, und schon rennen sie raus. Der Nachbar steigt sogar aufs Dach und fotografiert uns, wenn wir Gartenarbeit verrichten.“ Zu der einstweiligen Verfügung schüttelt der 73-Jährige den Kopf: „Die aneinandergrenzenden Grundstücke sind nur an die zehn Meter breit, wie soll mein Sohn da 30 Meter Abstand halten? Er war gezwungen, um Problemen aus dem Weg zu gehen, seinem eigenen Grundstück fernzubleiben.“

Nach einem umfangreichen Beweisverfahren fällt Richter Manfred Hohenecker einen Freispruch über den 49-jährigen Weinviertler und findet deutliche Worte in der Urteilsbegründung: „Das ist ein klarer Freispruch. Ich bin überzeugt, Sie haben das Delikt nicht begangen. Ich habe den Eindruck gewonnen, Sie sind Opfer einer beharrlichen Verfolgung. Ich rate Ihnen, sich das nicht bieten zu lassen und ebenfalls Anzeige zu erstatten.“