Hilfswerk NÖ: „Suchen Pfleger, nicht Helden“. Das Hilfswerk NÖ sucht mittels Online-Kampagne 200 mobile Pflegerinnen. Auch andere Träger suchen Mitarbeiter.

Von Eva Hinterer. Erstellt am 02. Februar 2021 (07:37)
Franz Gleiß

Am vergangenen Wochenende ist die Recruiting-Kampagne gestartet, „repräsentativ werden wir in etwa zwei Wochen sagen können, wie es läuft“, sagt Clara Fink. Gezielt gesucht werden sowohl Quer- als auch Wiedereinsteiger.

Clara Fink, Kommunikations-Leiterin beim Hilfswerk NÖ.
Hilfswerk

„Die mobile Pflege ist für alle offen, auch für Leute ohne Ausbildung, die wir gerne unterstützen“, informiert Hilfswerk-Pflegedienstleiterin Gaby Goll. Besonders großen Bedarf gibt es im Speckgürtel um Wien und im Südbahngebiet: von Mödling über Baden bis Gloggnitz. „Und auch im Zentralraum, wir suchen Leute in Klosterneuburg, St. Pölten, Krems, Tulln und im Wienerwald.“

Helden wollen wir nicht, so etwas erzeugt massiv Druck auf die Mitarbeiter. Gaby Goll, Pflegedirektorin beim Hilfswerk NÖ

Voraussetzungen? Da wäre einmal der B-Führerschein. „Man sollte gerne Autofahren, sonst macht mobile Pflege keinen Sinn“, weiß Gaby Goll. Auch sollen Bewerber gerne kommunizieren, „alte Menschen brauchen Ansprache und Empathie, es reicht nicht, nur die Pflege abarbeiten zu wollen“, unterstreicht Goll.

Auch brauche es den Willen, professionell und qualitativ gut zu arbeiten, sowie Flexibilität.

Umworben werden auch Fachkräfte, die bereits auf Pflegestationen tätig waren, aber keine 12-Stunden-Dienste oder Nachtdienste mehr machen wollen. Letztere gibt es in der mobilen Pflege gar nicht. Die Zeiteinteilung ist flexibel, zwischen 15 Stunden und Vollzeit ist alles möglich. „Und Wochenend-Dienste gibt es bei uns maximal zwei innerhalb von sechs Wochen“, informiert Goll. Qualität und Professionalität sind wesentliche Faktoren, sagt die Pflegedirektorin. „Helden wollen wir aber nicht“, repliziert sie auf die Lobeshymnen für diverse Berufsgruppen, besonders während des ersten Lockdowns im vergangenen März. Ein herbeigeredeter Helden-Status erzeuge „massiv Druck auf die Mitarbeiter.“

Gaby Goll, Pflegedirektorin beim Hilfswerk NÖ.
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Ein „Zuckerl“ sei die Möglichkeit, sich innerhalb des Hilfswerks weiterzubilden. „Wenn jemand Ambitionen hat, dann unterstützen wir das“, sagt Goll. So gebe es die Möglichkeiten, sich etwa im Wundmanagement, Palliative Care oder auch für Führungspositionen zu qualifizieren.

Warum die Mitarbeitersuche derzeit intensiviert wird, hat auch demografische Gründe: Die Generation der „Babyboomer“, seit 20 bis 25 Jahren im Unternehmen, wird sich in den kommenden Jahren in die Pension verabschieden – Mitarbeiter, die nachbesetzt werden müssen.

Einen Pluspunkt am Pflegeberuf hebt Goll besonders hervor: Er ist krisensicher. „Das hat sich jetzt während Corona gezeigt - Pflegekräfte werden immer gesucht. Es es nur nicht jeder geeignet.“ Womit wir wieder bei den Voraussetzungen wären.