Mithäftling wie ein „Haustier gehalten“. Emotionslos / Einfalt eines Zellengefährten nutzten Sonnberg-Insassen aus: Sie ließen Opfer in Kasten schmoren, zwangen es, Urin zu trinken.

Erstellt am 08. Juli 2013 (12:00)
Von Jutta Hahslinger

Unbeteiligt, als würden sie die unschönen Vorfälle in der Haftzelle in Sonnberg überhaupt nichts angehen, präsentieren sich die beiden Häftlinge, ein 20-Jähriger aus Stein in der Wachau und ein 19-Jähriger aus dem Bezirk Hollabrunn, vor Gericht. Emotionslos beteuern beide ihre Unschuld.

Angesichts der zur Schau gestellten Coolness der Beschuldigten und deren leugnender Verantwortung bricht es sichtlich ungehalten aus Richter Rainer Klebermaß: „Da kommt ein geistig zurückgebliebener Mithäftling in Ihren Haftraum und gerät an Figuren wie Sie, die sein Handicap schamlos ausnützen. Sie beide haben ihn gehalten wie ein Haustier.“

Das Duo terrorisierte und quälte den einfältigen Mithäftling. Spurte dieser nicht beim Zellenputzen oder widersetzte sich Befehlen, wurden ihm Schläge angedroht, er wurde zum Urintrinken gezwungen oder 20 bis 30 Minuten in einen Kasten gesperrt.

Davon will das Duo aber nichts wissen, obwohl andere Häftlinge die Schreie des Opfers gehört haben und dessen Verletzungen bestätigen.

„Grotesk und unglaubwürdig“, meint der Richter zu der Verantwortung der beiden Beschuldigten und befindet sie der Körperverletzung, Freiheitsentziehung, Nötigung und versuchten Körperverletzung für schuldig. Es setzt weitere zehn Monate hinter Gittern für das Duo. Teilnahmslos nehmen der Wachauer und der Weinviertler das Urteil zur Kenntnis und nehmen es an.