Minderjährige missbraucht: Haft und Einweisung. Weil er sich an zahlreichen minderjährigen männlichen Personen vergangen haben soll, ist ein 27-Jähriger am Donnerstag in St. Pölten zu zehn Jahren Haft verurteilt worden.

Von APA / NÖN.at. Erstellt am 28. Januar 2021 (13:13)
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APA (Symbolbild)

Der Niederösterreicher wird außerdem in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen. Ein Komplize (22), der gemeinsam mit dem Mostviertler einen psychisch beeinträchtigten Mann gequält haben soll, muss fünf Jahre in Haft. Die Entscheidungen sind Gerichtsangaben zufolge nicht rechtskräftig.

Während nach Abschluss des Ermittlungsverfahrens 52 Opfern angeführt worden waren, wurde im Prozess von etwa 25 ausgegangen. Die Schöffenverhandlung wurde am Donnerstag großteils unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt.

Der Hauptbeschuldigte, ein österreichischer Staatsbürger, hatte die Kontakte zu den späteren Opfern von 2014 an meist über Messenger-Dienste hergestellt. Mit Zahlungs-Angeboten oder anderen Versprechen soll er die Minderjährigen zu einschlägigen Videoaufnahmen oder persönlichen Treffen verleitet haben. Die sexuellen Übergriffe soll der 27-Jährige dann in seiner Wohnung, seinem Pkw, aber auch in abgelegenen Waldstücken verübt haben. Bei den Opfern handelt es sich um Personen im Alter von elf bis 17 Jahren. Alle Betroffenen gaben an, dass es nie zu Drohungen oder zur Anwendung von Gewalt gekommen war.

Im Mai 2020 flog der Mostviertler auf, nachdem er Kontakt zu einem Zwölfjährigen aufgenommen hatte - wie üblich via Messenger-Dienst. Von einem geplanten Treffen erfuhr die Staatsanwaltschaft St. Pölten, am 13. Mai wurde der Beschuldigte in seiner Wohnung festgenommen.

Bei den folgenden Ermittlungen kam auch ans Licht, dass der 27-Jährige gemeinsam mit seinem Komplizen - einem türkischen Staatsbürger aus dem Bezirk Amstetten - über längere Zeit einen psychisch beeinträchtigten Mann regelrecht gequält hatte. Das Duo soll u.a. Zigaretten auf dem Körper des 23-Jährigen ausgedämpft haben. Nicht zuletzt soll der 27-jährige Hauptbeschuldigte auch geschlechtliche Handlungen an der Person vorgenommen haben. Für den 22-jährigen Türken klickten am 18. September die Handschellen.

Im Fall des Erstangeklagten wurden neben dem Ausspruch der Freiheitsstrafe und der Einweisung nach Paragraf 21 Absatz 2 Strafgesetzbuch auch bedingte Nachsichten zweier Vorstrafen im Gesamtausmaß von 21 Monaten widerrufen. Zudem wurden die Handys des Mannes konfisziert. Auch beim Komplizen erfolgte eine bedingte Nachsicht einer Vorstrafe, hier im Ausmaß von drei Monaten.

Der Verteidiger des 27-Jährigen erbat Bedenkzeit, die Staatsanwaltschaft gab zu den Schuldsprüchen keine Erklärung ab, teilte das Landesgericht St. Pölten mit. Der Zweitangeklagte nahm das Urteil an. Beide Beschuldigten müssen einem der Opfer außerdem 6.700 Euro bezahlen.