„Ein Blackout ist immer möglich“. Beinahe hat es am 8. Jänner einen Blackout gegeben. Was dagegen getan werden kann.

Von Eva Hinterer. Erstellt am 20. Januar 2021 (05:35)
Unter dem Namen „Helios“ fand im Mai 2019 eine Übung zu einem fiktiven Blackout unter Leitung des Innenministeriums statt. Im Bild eine Hochspannungsleitung in Zillingtal im Burgenland.
APA/Robert Jaeger

„Frequenzabsenkung“ in einem osteuropäischen Kraftwerk, so lautete eine Nachricht am 8. Jänner. Was dabei drohte, war nicht weniger als ein Blackout, ein großflächiger Stromausfall. Seit Jahren warnen Experten, von Energieanbietern über Feuerwehr, Bundesheer bis Zivilschutzverband, davor.

Stefan Zach, Pressesprecher des NÖ Energieanbieters EVN, erklärt, was am 8. Jänner passiert ist: „Strom hat Spannung und Frequenz, die Spannung ist die Transportebene, die den Strom dorthin bringt, wo er gebraucht wird. Die Frequenz ist der Takt, den der Strom braucht, um fließen zu können.“ Diese Frequenz liegt für Industrie, Haushalte und Gewerbe bei 50 Hertz; eine Schwankung zwischen 49,8 und 50,2 Hertz verkraftet das Stromnetz, größere Schwankungen aber – also unter 49,8 oder über 50,2 Hertz – produzieren folgendes Problem: „Maschinen, etwa in der Papierindustrie, sind frequenzsensibel und schalten sich dann automatisch ab.“ Das führt zu Folgeeffekten: Immer mehr Verbraucher schalten sich weg. Das sei, sagt Zach, wie bei einem Stau auf der Autobahn: Irgendwann sind auch die Ausweichrouten verstopft. Das Stromnetz wird unsteuerbar, eine Stabilisierung ist schwierig.

Was Zach befremdlich findet: dass bis heute die genaue Ursache des Ausfalls vom 8. Jänner nicht geklärt ist. Klar ist, dass durch den Leistungsabfall im Stromnetz weniger Energie zur Verfügung stand, als die Abnehmer (Kunden) gebraucht haben. Und von den Energieanbietern massiv eingegriffen werden musste. Das passiert etwa, indem weitere Kraftwerke zugeschaltet werden.

„Wahrscheinlichkeit ist statistisch gestiegen“

„Früher mussten Energieanbieter ein paar Mal pro Jahr eingreifen, mittlerweile sind es ein paar hundert Mal pro Jahr, daher ist die statistische Wahrscheinlichkeit eines Blackouts auch gestiegen“, erklärt Zach. Ein Tag Blackout verursacht laut Berechnungen einen Schaden von rund einer Milliarde Euro – allein in Österreich.

Das Problem ist, sagt Zach, dass die erneuerbaren Energien wie Wind und Sonne einen solchen Leistungsabfall im Stromnetz nicht abfangen können. Dafür brauche es Begleitmaßnahmen. „Wir bräuchten für das Abfangen der Schwankungen riesige Batteriespeicher, die gibt es derzeit nicht.“ Und auch die politischen Rahmenbedingungen, solche Speicher zu errichten, gebe es nicht.

Daher wünschen sich die Energieanbieter einen Runden Tisch: „Bundespolitik, Regulierungsbehörde, E-Unternehmen und Einsatzorganisationen müssten sich zusammensetzen, um hier ein Maßnahmenbündel zu beschließen.“ Die erneuerbaren Energien, „die gut und richtig sind“, würden mit einer Milliarde Euro pro Jahr gefördert, sagt Zach. Für die angesprochene Speicherung sei aber leider nichts vorgesehen. Und auch nicht dafür, beim Ausfall einzelner Kraftwerke neue zuzuschalten.

Das Kohlekraftwerk Dürnrohr, das vor zwei Jahren stillgelegt wurde, wäre so ein Ersatz gewesen. Oder das Kraftwerk Theiß im Bezirk Krems, das man für den Fall eines Blackouts in Bereitschaft halten könnte. Wofür aber, sagt Zach, die gesetzlichen Rahmenbedingungen fehlen.