Naturfilmer Kurt Mündl ist tot. Der vielfach ausgezeichnete Naturfilmer und Kirchstettner Kurt Mündl ist verstorben, das wurde am Freitag bekannt. "Er war ein großer Niederösterreicher mit einer tiefen Verbundenheit mit unserem Land", zeigte sich auch Landeshauptfrau Mikl-Leitner bestürzt.

Von NÖN Redaktion. Update am 07. Dezember 2019 (12:53)
Naturfilmer Kurt Mündl mit seiner 4K-Digital-Kamera bei einem seiner letzten, großen Filmprojekte „Halali“ im Jahr 2017.
Power of Earth

Seine beeindruckenden Bilder über Kreuzottern, die durch das Dickicht kriechen, Hummeln und Libellen, die durch die Lüfte schweben, oder unbeschreiblich schöne Landschaften im Pielachtal oder Carnuntum zogen die Zuseher in den Bann. 

Österreichs bekanntester Naturfilmer Kurt Mündl (60) hat es immer wieder geschafft, besondere Augenblicke mit der Kamera einzufangen, unter anderem für die Universum-Reihe des ORF.

Filmemacher mit dem Blick fürs Detail

Am Freitag kam die traurige Nachricht: Kurt Mündl ist verstorben, er wurde leblos in seinem Haus in Kirchstetten gefunden. Die Landespolizeidirektion Niederösterreich bestätigt sein Ableben. Fremdverschulden wird ausgeschlossen. 

Die Stubenfliege, den Ötztal-Mann oder die Gottesanbeterin hat der Kirchstettner vor seine (Spezial-)Kamera geholt. Aber auch das Waldviertel, den Österreichischen Staatsvertrag oder, vor zwei Jahren, die Zunft der Jäger – Kurt Mündl war der Filmemacher mit dem Blick fürs Detail und dem Sinn fürs Ganze. Bekannt wurde der 1959 in St. Pölten geborene Publizist, Kameramann und Produzent vor allem durch seine Naturfilme.

Produktionen für den ORF, ZDF, NDR und französischen Canal+

38 Folgen der ORF-Naturfilmreihe „Universum“ hat er gedreht, von 1979 bis 1989 aber auch Biologe Konrad Lorenz wissenschaftsjournalistisch begleitet. Mit seiner in St.Pölten ansässigen Filmfirma Power of Earth hat Kurt Mündl nicht nur für den ORF, sondern auch für ZDF, NDR oder den französischen Canal+ produziert.

Sein Film über die Stubenfliege war die erste ORF-Produktion, die von der britischen BBC gekauft und ausgestrahlt wurde. Gefilmt hat Mündl, selbst Besitzer eines mit der „Natur im Garten“-Plakette ausgezeichneten Naturgartens, aber auch das Leben in den Weingärten der Winzer Krems oder den Flug der Hummeln.

Außerdem begab er sich mit seinem Projekt „Time Flashes in blue-yellow“auf eine fantastische Zeitreise durch 25.000 Jahre Kultur- und Naturgeschichte Niederösterreichs.

Der filmische Ausflug ins „Reich der Kreuzottern“ hat dem weltweit mit den meisten Preisen ausgezeichneten Dokumentarfilmer den 78. Internationalen Award in seiner Karriere gebracht.

Mikl-Leitner: "Niederösterreich im Auge gehabt und im Herzen getragen"

„Kurt Mündls Arbeit hat national und international große Anerkennung gefunden, weit über die Grenzen unseres Landes hinaus. Dabei hat er Niederösterreich stets im Auge gehabt und im Herzen getragen“, betont Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner.

„Kurt Mündl hat sich durch eine unglaubliche Sach- und Fachkenntnis, aber auch durch viel Hingabe und Liebe zum Detail ausgezeichnet. Er war ein großer Niederösterreicher mit einer tiefen Verbundenheit mit unserem Land, das in seiner Arbeit immer einen besonderen Stellenwert einnahm. Unsere Anteilnahme gehört nun seinen Angehörigen und Freunden“, so die Landeshauptfrau.

Mit Mündl verliere der ORF "einen seiner bekanntesten und erfolgreichsten Naturfilmer", wurde Generaldirektor Alexander Wrabetz in einer Aussendung zitiert. "Mit seinen innovativen Zugängen, vor allem im Makrobereich, beim Versuch, die kleinsten Lebewesen ganz groß darzustellen, hat er von Beginn zum Erfolg der Doku-Reihe 'Universum' beigetragen. Sein plötzlicher Tod hat uns sehr betroffen, unser Mitgefühl gilt seiner Familie."

Von ORF-Programmdirektorin Kathrin Zechner wurde Mündl posthum als "einer von Österreichs profiliertesten und erfahrensten Naturfilm-Könnern" bezeichnet. "Seine Pionierleistungen haben maßgeblich zum Aufbau und zum Renommee der weltweit geschätzten ORF-Marke 'Universum' beigetragen."

Karin Renner (SPÖ), die Dritte Präsidentin des niederösterreichischen Landtags, sprach von Mündl als einen Mann, der sich "mit aller filmischer Kraft Zeit seines Lebens sowohl für geschichtliche, als auch für naturwissenschaftliche Aufklärung und Bildung eingesetzt" habe.

ORF ändert sein Programm

Nach dem Tod Mündls hat der ORF sein Programm geändert. In memoriam zeigt ORF 2 am morgigen Sonntag zwei "Universum"-Dokumentationen, in ORF III gibt es am Donnerstag ein Wiedersehen mit "Das Jahr des Igels". 

Ab 15.25 Uhr ist am Sonntag in ORF 2 die Dokumentation "Universum: Hummeln - Bienen im Pelz" zu sehen. Ab 16.10 Uhr wird "Universum: Libellen - Die Himmelsjäger" über die Bildschirme laufen. "Das Jahr des Igels" wird am Donnerstag um 20.15 Uhr in ORF III ausgestrahlt.