Nazi- und Pazifisten-Text in Krypta gefunden. Jahrzehntelang hat das Gerücht kursiert, dass vom Bildhauer Wilhelm Frass 1935 im Denkmal des "toten Soldaten" in der Krypta am Wiener Burgtor ein nationalsozialistisches Huldigungsschreiben versteckt wurde.

Erstellt am 19. Juli 2012 (15:15)

Nun wurde das Gerücht bestätigt. Allerdings: In einer unter dem Denkmal gefundenen Metallkapsel steckte noch ein zweites Schriftstück mit konträrem Inhalt, nämlich einem Aufruf zum Pazifismus.

Bewahrheitet habe sich das "hochverräterische Schriftstück", das der Bildhauer Frass bereits 1938 in einem Brief an den Kunsthistoriker Karl Hareiter selbst als solches bezeichnet hatte, stellte Historikerin Heidemarie Uhl von der Militärhistorischen Denkmalkommission fest. Konkret ist in dem Manifest von der "ewigen Kraft des deutschen Volkes" die Rede: "Möge der Herrgott, nach all dem Furchtbaren, nach aller Demütigung, den unsagbar traurigen Bruderzwist beenden und unser herrliches Volk einig im Zeichen des Sonnenrades, dem Höchsten zuführen! Dann, Kameraden, seid Ihr nicht umsonst gefallen."

Die "Sensation" sei aber das andere Schreiben, unterzeichnet vom Bildhauer Alfons Riedel. Es vermittle eine "ganz andere Botschaft", das habe niemand erwartet, gab sich die Historikerin erstaunt. Riedel sei möglicherweise der Bildhauergehilfe von Frass gewesen, bisher habe man von ihm aber gar nichts gewusst.

Riedel schrieb: "Ich wünsche, daß künftige Generationen unseres unsterblichen Volkes nicht mehr in die Notwendigkeit versetzt werden, Denkmäler für Gefallene aus gewaltsamen Auseinandersetzungen von Nation zu Nation errichten zu müssen." Die beiden Schriftstücke, deren Authentizität bereits bestätigte wurde, werden nun weiterer wissenschaftlicher Untersuchungen unterzogen und dann voraussichtlich dem Heeresgeschichtlichen Museum übergeben.

Nach dem Fund der Schriftstücke betonten mehrere Seiten ausdrücklich die Notwendigkeit der - ohnehin geplanten - Neugestaltung der Krypta. Die Israelische Kultusgemeinde forderte gleich den gesamten Heldenplatz umzugestalten, die Grünen wollen ein "internationales Gremium" für die Planung. Mit der Neugestaltung des Burgtors solle auch "das Bemühen um ein würdiges Gedenken an den Tag der Befreiung von Auschwitz sowie das Ende des Zweiten Weltkriegs und damit die Befreiung Europas vom Nationalsozialismus einhergehen", forderte der Wiener Kulturstadtrat Mailath-Pokorny.