371 Orte des NS-Terrors in Niederösterreich. Denkmalamt erfasste Kriegsgefangenen- und Arbeitslager. So sollen sie – und vor allem ihre Opfer – in Erinnerung bleiben.

Von Lisa Röhrer und Michaela Fleck. Erstellt am 23. Juni 2021 (05:43)
NS-Lager in NÖ
Quelle: Bundesdenkmalamt; Karte: ARGE Kartographie
Foto: Amguy/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Hammerl

Mauthausen ist das bekannteste Beispiel. Das größte Konzentrationslager Österreichs ist aber nur einer von vielen Orten, an denen die Nationalsozialisten Menschen zu Zwangsarbeit verpflichteten, folterten und ermordeten. In Österreich gab es zur Zeit des Zweiten Weltkriegs ein dichtes Netz an KZs, KZ-Außenstellen, Zwangsarbeits- und Kriegsgefangenenlagern. Das Bundesdenkmalamt arbeitete in den vergangenen Jahren an einer Liste dieser Orte – damit sie nicht in Vergessenheit geraten.

Über 2.100 Lager haben die Historiker und Archäologen durch Recherche und Hinweise von Menschen vor Ort erfasst. 371 sind es alleine in Niederösterreich. Die Liste wird nach Einschätzung der Wissenschaftler bestimmt noch länger.

Angesiedelt waren die Lager meist dort, wo es Industrie gab: in NÖ um Wien oder im Zentralraum, zudem entlang der heutigen Westautobahn. „Die wurde von Zwangsarbeitern errichtet“, sagt Projektleiterin Eva Steigberger. Sichtbare Reste der NS-Opferorte wie Mauern gibt es heute nur noch in seltenen Fällen. Während sie sich in der Bundeshauptstadt oftmals auch in heute wieder bewohnten Häusern befanden, wurden die Lager in NÖ extra errichtet. Hinweise auf den genauen Standort und die Grausamkeiten, die sich dort abspielten, könnten Ausgrabungen bringen. „Manchmal findet man Fundamente oder Leitungen“, so Steigberger. In einigen Teilen NÖs sind bereits weitere Forschungen geplant.

In einem nächsten Schritt des Projektes soll geprüft werden, welche Orte Denkmalschutz bekommen. Damit wird ihnen besondere Bedeutung für die Geschichte oder Kulturlandschaft zugesprochen. „Denkmalschutz hat nichts mit einem Denkmal im Sinne von einer Statue zu tun. Bedeutend können schöne, aber eben auch unschöne Orte sein.“ Die Lager-Geschichte zu erhalten ist aus Steigbergers Sicht nötig: „Die Opfer dürfen nicht vergessen werden. Und Dinge bleiben dauerhaft, auch wenn Zeitzeugen sterben.“

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