„Die Schlepper werden mehr“. Illegal Ermittler bemerken neue Routen. Polizei reagiert mit gezielten Schwerpunktaktionen.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 06. September 2016 (06:29)
NOEN, Gila Wohlmann
Die Polizei kon-trolliert genau Fahrzeuge, um Illegale zu finden. Oft werden diese unter unmenschlichen Bedingungen ohne ausreichend Luft, mit kaum Nahrung und ohne Wasser transportiert.

„Seit einigen Wochen merken wir einen deutlichen Anstieg“, stellt Wolfgang Kunter, Leiter des Bereichs Menschenhandel im Landeskriminalamt NÖ fest.

Erst in der letzten Woche gab es im Bereich illegaler Migration gleich mehrere maßgebliche Aufgriffe, so auch im Bezirk Bruck/Leitha. Worauf diese Zunahme zurückzuführen ist, weiß der Ermittler: „Seit Ungarn die Grenze zugemacht hat, verlagern sich die Routen der Schlepper. Sie kommen vermehrt über die Slowakei oder auch Tschechien.“

Auch Wärmebildkameras im Einsatz

Erst vor einigen Tagen hat die Polizei Illegale aus Indien und Sri Lanka in Suttenbrunn (Bezirk Hollabrunn) aufgreifen können. „Wir agieren sofort mit Schwerpunktaktionen und picken uns gezielt verdächtige Fahrzeuge wie Kastenwägen oder auch Fahrzeuge mit verdunkelten Scheiben heraus. Bei Bedarf kommen Wärmebildkameras zum Einsatz“, erklärt er.

Manchmal werden versteckte Personen durch Zufall entdeckt, wenn Scangeräte des Bundesministeriums für Finanz bei der Suche nach Schmuggelwaren eingesetzt werden. „Aufgrund der Röntgenstrahlen dürfen diese aber nicht speziell für die Personensuche eingesetzt werden“, erläutert Gerald Tatzgern, Leiter des Bereichs Menschenhandel im Bundeskriminalamt, mit dem die NÖ-Ermittler sich stets koordinieren. Aus der massiven Migrationswelle im Vorjahr hat man kriminaltaktische Erkenntnisse gewonnen.

Kennzeichen oft gestohlen oder falsch

„Wir wissen jetzt viel besser, wie die Schlepper agieren und Fahrzeuge präpariert sind“, so Kunter. Nicht selten sind diese mit Vorausfahrzeug unterwegs, die Lenker kommen aus verschiedenen Herkunftsländern, die Fahrzeuge und Kennzeichen sind oft gestohlen oder falsch angemeldet. Schwierig gestalten sich die Einvernahmen. „Mehrere Dolmetscher sind von Nöten, die Fahrer oft nicht geständig, da sie unter immensem Druck der Schlepperorganisationen stehen“, weiß der Kriminalist.

Alleine in Serbien und der Türkei seien 900.000 Menschen in Warteposition. Derzeit kämen in erster Linie afghanische junge Männer. In Nordafrika hoffen unzählige Menschen aus Marokko, Tunesien und Algerien auf ein „Ticket“ nach Europa. Die wirtschaftlichen Anreize sind gegeben. Das wissen die Schlepper zu nutzen. Ein Millionengeschäft.

„Mit Menschenhandel und Schlepperei wird mehr verdient als mit Drogenhandel“, weiß er. Die internationale polizeiliche Zusammenarbeit wächst. „Polizeiarbeit endet nicht an der Landesgrenze “, betont Kunter.