„Nasenbohrer“ als Eintrittstest. Land NÖ befürchtet Sanitäter-Engpass und will „Nasenbohrer-Tests“ als Eintrittstest.

Von Norbert Oberndorfer. Erstellt am 24. Februar 2021 (05:00)
Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP), Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) sowie Vertreter der Gemeinden, Städte und Einsatzorganisationen analysierten die aktuelle Corona-Lage.
NLK/Filzwieser

Niederösterreich ist beim Testen Bundesmeister, zumindest in absoluten Zahlen. Allein vom 14. bis 21. Februar wurden 56.680 PCR- und 267.619 Antigen-Tests beim NÖ-Sanitätsstab von über 300 Gemeinde-Teststraßen eingemeldet.

Dazu kommen pro Woche rund 240.000 Tests in den Schulen, 1.000 in den fünf Teststraßen der Sozialpartner (WKNÖ, AKNÖ) und Tests in über hundert Apotheken und rund 185 Betrieben in Niederösterreich. In Summe werden in NÖ pro Woche rund 600.000 Tests durchgeführt. Österreich lag sogar kürzlich weltweit laut der Plattform „Our World in Data“ mit 112,2 Tests auf 1.000 Einwohner an dritter Stelle bei den Testungen, nach der Slowakei und Zypern.

Trotz des enormen Ausbaus der Testmöglichkeiten und der künftigen Perspektive der „Wohnzimmer-Tests“, die ab 1. März in Apotheken ausgegeben werden sollen, könnte es bald zu einem Kapazitäts-Engpass kommen. Der Grund: Nur medizinisches Fachpersonal darf in den Teststraßen die Proben entnehmen, die dann auch als Eintrittstest gelten.

Test-Engpass als Flaschenhals für weitere Öffnungsschritte

„Wir werden auf Sicht das Personal nicht stellen können“, sagt Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig. Deshalb macht sie, gemeinsam mit Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP), Druck auf den Bund, die sogenannten „Nasenbohrer-Tests“, die bereits in Schulen zum Einsatz kommen, auch als generelle Eintrittstests zuzulassen. „Es ist nicht zu akzeptieren, dass diese nicht anerkannt werden“, betont auch Gemeindebund-Präsident Alfred Riedl.

Ein solcher Test-Engpass könnte zum Flaschenhals für weitere Öffnungsschritte werden. Erst am Freitag legten Gastronomie-Vertreter bei einem „Gastro-Gipfel“ in Wien Bundeskanzler Sebastian Kurz ein Sicherheitskonzept rund um mögliche Eintrittstests in Wirtshäusern und Restaurants vor. Das Testergebnis soll am Eingang oder am Tisch von den Wirten kontrolliert werden, heißt es von Mario Pulker, Gastronomie-Obmann der WKÖ. Ob eine kolportierte Gastro-Öffnung Mitte März zustande kommt, wird von den Corona-Infektionszahlen abhängig sein. Am 1. März wollen jedenfalls Regierung und Experten weitere Öffnungsschritte diskutieren und konkretisieren.

Wirtschaftsbund für Corona-Ampel neu

Auch der Wirtschaftsbund fordert die Anerkennung der „Nasenbohrer-Tests“ für Wirtshaus-, Hotel- und Friseurbesuche. Zusätzlich soll die „fast vergessene Corona-Ampel“ mit „größerem Spielraum durch Testungen und Impfungen“ reaktiviert und das Contact-Tracing ausgebaut werden, sagt NÖ-Wirtschaftsbund-Direktor Harald Servus. „NÖ ist beim Contact Tracing sehr gut unterwegs, einige Bundesländer haben aber größeren Nachholbedarf“, kritisiert Servus.