Vierter Lockdown: Leere Innenstädte und volle Schulen

Handel und Gastro trifft Schließung in umsatzstärkster Zeit. Wirte zweifeln an nahem Ende. Schülern fehlen klare Regeln.

Erstellt am 23. November 2021 | 08:31
Rathausplatz St. Pölten
Keine Punsch-Stände und keine Menschenmassen, die eilig ihre Weihnachtseinkäufe erledigen: Innenstädte und Einkaufsstraßen präsentieren sich im vierten Lockdown wieder menschenleer – wie der St. Pöltner
Rathausplatz (am Bild). Geschäfte, Gastronomie und Kulturbetriebe müssen erneut geschlossen bleiben.
Foto: Nadja Straubinger

Die Vorweihnachtszeit wird in Niederösterreich zum zweiten Mal in Folge tatsächlich zur stillen Zeit. Das ganze Land befindet sich – trotz wochenlanger politischer Verneinungen – wieder im Lockdown. Zusätzlich soll ab Februar eine Impfpflicht gelten. Als Grund dafür nannte die Bundesregierung die schlimme Situation in den Spitälern und die hohen Infektionszahlen.

In NÖ ist die 7-Tage-Inzidenz mit 980 Fällen auf 100.000 Einwohner niedriger als im Bundesschnitt mit 1.110. Bei der Auslastung der Intensivstationen liegt das Land mit 28 Prozent etwas über dem Bundesschnitt von 25 Prozent.

In den Einkaufsstraßen und -zentren, wo eigentlich gerade das Weihnachtsgeschäft anlaufen sollte, herrscht nun wieder Leere. Dem Handel bricht damit das stärkste Geschäft das Jahres weg. Das konnte auch der Samstag vor dem Lockdown mit einem durchschnittlichen Plus von 15 Prozent nicht kompensieren, heißt es aus der Wirtschaftskammer.

Es werde schwierig, das Ergebnis von 2020 zu erreichen – obwohl das sechs Prozent unter dem von 2019 lag. Der Wirtschaftsbund appelliert an die „Fairness“ der Unternehmen, die weiter offen haben. „Das betrifft die Einhaltung der Sortimentbeschränkungen im Lebensmittelhandel“, sagt WBNÖ-Direktor Harald Servus.

Situation für NÖ Gastronomie „eine Katastrophe“

„Eine Katastrophe“ ist die Situation auch für Gastronomen, weiß WKO-Wirtesprecher Mario Pulker. Durch Gansl-Essen und Weihnachtsfeiern generieren auch von ihnen viele im November und Dezember den Hauptumsatz. Bereits bestellte Waren konnten sie nicht mehr verkaufen. Vor dem Lockdown haben zahlreiche Wirte zwar zum Restl-Essen und -Trinken geladen. „Vieles musste natürlich trotzdem eingefroren, verschenkt, aber auch weggeworfen werden“, berichtet Pulker, der gleichzeitig die Wichtigkeit der Wirtschaftshilfen und der Kurzarbeit betont.

An ein Ende des Lockdowns am 12. Dezember glauben viele Wirte nicht, berichtet er. Sie haben das Szenario des Vorjahres im Kopf: Damals wurde im November der „Lockdown light“ angekündigt. Geschlossen blieben die Lokale schließlich für über drei Monate. „Viele haben Angst, dass der Lockdown wieder verlängert und verlängert wird“, sagt Pulker. Er selbst denkt, dass das Datum der Öffnung am 12. Dezember hält – für Geimpfte. Der Gastro-Sprecher hofft, dass das bis dahin mehr Menschen sein werden. Aktuell sind 65 Prozent der NÖ-Bevölkerung doppelt geimpft.

80 Prozent der Kinder kommen in die Schule

Wenig zu spüren ist von der Stille hingegen in den Schulen. Im Gegensatz zu den bisherigen Lockdowns wurden die Bildungsstätten diesmal nicht geschlossen. Der Unterricht läuft weiter nach Stundenplan. Von der Politik gab es nur den Appell, wenn möglich zuhause zu bleiben. Lehrer sollen die Schüler zuhause etwa online in den Unterricht „zuschalten“ oder Lernpakete für sie schnüren. Genutzt wird das wenig: Am ersten Lockdown-Tag lernten 80 Prozent der Kinder und Jugendlichen in den Klassen.

Ein Grund dafür dürfte bei den Älteren wohl auch die Unsicherheit über die Regeln sein: „Viele Schülerinnen und Schüler wissen nicht, was von ihnen erwartet wird, und haben Angst, negativ aufzufallen, wenn sie zuhause bleiben“, berichtet Jana Czachay von der Landesschülervertretung, die sich Einheitlichkeit und klare Kommunikation wünscht.

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