Nitsch im Visier der Finanz. Finanz-Razzia / Künstler Nitsch und Gattin Rita stehen im Verdacht der Steuerhinterziehung.

Erstellt am 23. März 2014 (23:59)
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Hermann Nitsch (Foto: APA)
Von E. Wessely und E. Hinterer

Am Dienstag vergangener Woche durchsuchte die Finanzpolizei das Schloss des Künstlers Hermann Nitsch in Prinzersdorf (Bezirk Gänserndorf). Anlass der Aktion: Schwarzgeldverdacht. Der wiederum begründet sich darin, dass vor einem Jahr in der ersten Märzwoche im Schloss des Künstlers eingebrochen worden war. 400.000 Euro verschwanden aus dem Tresor. Sie waren zur Finanzierung einer Kunstaktion bestimmt gewesen. Die Finanzpolizei hegt jetzt den Verdacht, dass damals wesentlich mehr Geld im Tresor war. Darauf hat sie der Privatdetektiv Dietmar Guggenbichler gebracht, den das Ehepaar Hermann und Rita Nitsch eigentlich zur Aufklärung des Einbruchs vor einem Jahr engagiert hatte.

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„Die beiden sind an mich herangetreten, um den Diebstahl aufzuklären. Am 13. März 2013 wurde der Vertrag unterzeichnet, Rita Nitsch hat mir auch eine Liste mit Namen gegeben, die ich überprüfen sollte“, sagt Guggenbichler.

Anzeige hat er erstattet, weil er hinters Licht geführt worden sei: „Rita Nitsch hat bei der Polizei falsche Angaben gemacht. Nicht 400.000 Euro lagen im Tresor, sondern 1,3 Millionen. Das hat sie mir zwei Mal gesagt, und ich habe diese Aussagen auf Video- und Tonband. Deshalb erstattete ich am 24. Oktober 2013 Anzeige. Mich zu engagieren war eine Alibi-Aktion, die gründlich in die Hose gegangen ist.“

„Es gibt ein laufendes Ermittlungsverfahren nach dem Finanzstrafgesetz“, erklärt Karl Schober, Sprecher der Staatsanwaltschaft Korneuburg. Im Visier der Finanz stehen sowohl Rita als auch Hermann Nitsch. Schober: „Der Verdacht auf Steuerhinterziehung im größeren Rahmen steht im Raum.“ Es handle sich dabei um eine Summe von einigen 100.000 Euro, es gilt die Unschuldsvermutung.
NOEN, Pfabigan
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Rita Nitsch meldete sich bei der NÖN via E-Mail: „Wir sind derzeit anlässlich einer Ausstellungseröffnung im Ausland, auch konnte unser Anwalt noch keine Akteneinsicht nehmen. Sobald wir mehr wissen (als die Medien scheinbar wissen) werden wir Ihnen gerne für ein Gespräch zur Verfügung stehen.“

Was die Aufklärung des Diebstahls 2013 betrifft, hat die Polizei eine DNA-Spur gesichert. „Wenn der Täter noch einmal etwas anstellt, dann haben wir ihn“, heißt es.
 

Die Bedeutung des Künstlers

Hermann Nitsch, geboren 1938 in Wien, gehört zu den wichtigsten Künstlern Österreichs. Trotz seiner unbestrittenen Bedeutung auch international steht er aber immer noch im Kreuzfeuer der Kritik.

Nicht seiner Schüttbilder wegen, wohl aber wegen des Orgien-Mysterien-Theaters, dem Versuch eines Gesamtkunstwerkes im Sinne von Richard Wagner. Unter Einbeziehung von Malerei, Architektur,
Musik, Opferritual und Messliturgie werden Mitwirkende und Zuschauer mit Elementen von Leben und Tod (Blut, Eingeweide) konfrontiert. Das nächste und wohl auch letzte 6-Tagesspiel des OM-Theaters soll wieder in Schloss Prinzendorf stattfinden.