NÖ-Arzt ist Höhlen-Profi. Der Arzt Martin Göksu aus Stockerau erreichte den in Bayern verletzten Höhlenforscher am 11. Juni.

Von Veronika Löwenstein und Eva Hinterer. Erstellt am 16. Juni 2014 (06:56)
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Seit Pfingstsonntag läuft in den Berchtesgadener Alpen eine beispiellose Rettungsaktion für den 52-jährigen Höhlenforscher Johann Westhauser aus Stuttgart. Ein Steinschlag in der tiefsten Höhle Deutschlands hatte den Forscher schwer verletzt. Am 11. Juni erreichte der Stockerauer Arzt Martin Göksu, selbst ein begeisterter Höhlenkletterer, den Verletzten.

In der Weinviertel-Metropole fiebern Freunde und Handballkollegen einem baldigen Wiedersehen mit Göksu entgegen. „Als ich gehört habe, dass ein Arzt aus Niederösterreich in der Höhle unterwegs ist, war mir gleich klar, dass das der Martin ist“, erzählt Ernst Hanke, der selbst schon mit Göksu in einer Höhle unterwegs war. „Er macht das schon jahrelang und ist äußert professionell“, beschreibt Hanke seinen Handballkollegen.

"Ich habe mir sofort gedacht, es kann nur einen geben, der das macht, den Martin" sagt ein Freund aus gemeinsamen Handballer-Tagen.

Ob Göksu lang überlegt hat, diesen Einsatz zu machen? „Garantiert nicht“, ist Joachim Westermeier sicher. Der Korneuburger Arzt kennt Göksu seit Kindergartenzeiten. „Er ist wahnsinnig zäh, was Ausdauersport betrifft“, beschreibt Westermeier seinen Freund, „ich habe mir sofort gedacht, es kann nur einen geben, der das macht.“

Wenn der Rettungseinsatz weiterhin planmäßig verläuft, sollte Westhauser in wenigen Tagen wieder das Tageslicht sehen können. Aber wer sind die Leute, die Menschen aus Höhlen retten? Ernst Fischer aus Weißenbach an der Triesting ist Landesleiter der NÖ Höhlenretter, rund 60 davon sind im Bundesland aktiv. „Unser Einsatzspektrum reicht von einfachen Suchaktionen bis hin zu Bergung von Schwerverletzten aus komplizierten oder unbekannten Schachthöhlen“, erläutert Fischer.

Intensive Ausbildung dauert mehrere Jahre

In Niederösterreich gibt es drei Einsatzstellen: Neunkirchen, NÖ West und Wien. Wer Höhlenretter werden will, muss mindestens zwei Jahre Mitglied in einem höhlenkundlichen Verein sein und hier forschend gearbeitet haben. „Nur wer um die Gegebenheiten und Gefahren von Höhlensystemen weiß, kann sich in einer Höhle richtig verhalten. Eine Höhle verzeiht keine Fehler“, weiß Fischer. Körperliche Eignung sei ebenso Voraussetzung, wie die einjährige Probemitgliedschaft und laufende Fortbildungen und Übungen. Seilbahnzüge aufbauen, Schachtrettungen durchführen und der richtige Einsatz der Trage sollten Usus sein.

In Niederösterreich birgt der Ötscher tolle Höhlensysteme wie das Geldloch oder Taubenloch. Vor einigen Jahren hatte die Höhlenrettung hier eine sehr aufwendige Bergung. „Das Gefährlichste ist, alleine in eine Höhle zu gehen“, warnt Fischer, „denn unter der Erde geht kein Handy, es ist finster und niemand hört Schreie.“

Enge Vernetzung mit den Bergrettern

Das Einsatzgebiet der NÖ Höhlenretter endet nicht an Landesgrenzen, die Zusammenarbeit mit den anderen Verbänden sowie mit Einsatzorganisationen wie der Bergrettung ist eng. „Wir bringen die Vermissten von unten hinauf und die Bergretter bringen sie von oben wieder ins Tal“, erklärt er.

Die meisten Geretteten seien natürlich dankbar, sagt Fischer. Bis auf jenen Extremsportler, der kein erfahrener Höhlenkletterer war und aus einer gefährlichen Notlage befreit werden musste. „An der Erdoberfläche meinte er großspurig, er hätte das auch alleine geschafft“, ärgert sich Fischer noch heute.