NÖ Feuerwehren im Einsatz in Belgien

Erstellt am 16. Juli 2021 | 15:58
Lesezeit: 3 Min
Gestern Nachmittag brachen die ersten Einsatzkräfte aus Niederösterreich auf, um bei der Hochwasserkatastrophe im belgischen Lüttich zu helfen. Ein erster Lagebericht zeichnet ein Bild der Verwüstung.
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Die Bilder und Berichte aus dem Katastrophengebiet im Nordwesten Deutschlands und in Belgien halten Europa außer Atem. Seit heute Morgen sind auch rund 120 Feuerwehrmitglieder aus Niederösterreich im Gebiet um die belgische Stadt Lüttich im Einsatz.

Bereits am 14. Juli suchte Belgien bei der EU Kommission um Unterstützung der Mitgliedsstaaten zur Bewältigung der Naturkatastrophe an, weil die nationalen Kräfte für dieses Einsatzgeschehen nicht mehr reichten. Neben Frankreich und Italien sagte auch Österreich umgehend Unterstützung im Rahmen des EU Civil Protection Mechanism (EU Zivilschutz Mechanismus) zu.

Mobilisierung innerhalb weniger Stunden

Das Bundesinnenministerium wandte sich mit dem Ansuchen umgehend an Niederösterreich. Im Absprache mit dem Land mobilisierte der Landesfeuerwehrverband innerhalb weniger Stunden dutzende Feuerwehrmitglieder. Die ersten Kräfte setzen sich nach nur sechs Stunden nach dem Hilfegesuch in Marsch. Der Hauptteil der rund 120 Feuerwehrmitglieder brach gestern Abend von Tulln aus in die Region rund um Lüttich auf. Nach zwölfstündiger Fahrt traf der Konvoi im Katastrophengebiet ein.

Haupteinsatzort der niederösterreichischen Freiwilligen ist die 12.000-Einwohner-Stadt Theux. Dort trat der Bach Hoegner über die Ufer und setzte die belgische Stadt bis zu zweieinhalb Meter unter Wasser. „Die Verwüstungen sind riesengroß“, berichtet Franz Resperger, Pressesprecher des NÖ Landesfeuerwehrverbandes. Autos wurden weggeschwemmt, Häuser schwer beschädigt und viele Personen vermisst.

Erster Einsatztag

In den ersten Einsatzstunden durchsuchten die niederösterreichischen Kräfte in Dreier-Trupps Häuser und Autowracks nach Überlebenden. Denn die lokale Einsatzleitung befürchtete, dass noch immer Menschen eingeschlossen waren.

Mit im Gepäck hat das niederösterreichische Kontingent sieben Flachwasserboote, 19 Feuerwehrrettungsboote und zahlreiche Feuerwehrzillen. Diese ermöglichen durch ihre Leichtbauweise und ihren geringen Tiefgang Einsätze vor allem in überschwemmten Gebieten. Besonders Zillen und Flachwasserboote bieten dank großer Belastbarkeit und Robustheit große Vorteile im Hochwassereinsatz. Dabei bleiben sie auch an Einsatzorten manövrierfähig, wo Motorboote nicht eingesetzt werden können.

Aufgrund dieser Anforderungen mobilisierten die niederösterreichischen Feuerwehren besonders Zillenfahrer und Feuerwehrschiffsführer. Diese bringen umfassende Erfahrungen aus dem Wasserdienst mit.

Spezialgebiet Hochwasserschutz

Im EU Zivilschutz Mechanismus sind die niederösterreichischen Feuerwehren mit ihren Großstromgeneratoren, Großpumpen und Booten eingemeldet. „Wenn Szenarien auftreten, wo diese gebraucht werden, dann kann Niederösterreich aktiv werden“, betont Resperger.

Ihre Schlagkraft stellten niederösterreichischen Wehren bei internationalen Einsätzen, wie in Bosnien oder Slowenien 2014, bereits unter Beweis. So konnten die Feuerwehren in Bosnien bei einem 22-tätigen Einsatz 225 Personen aus dem Überschwemmungsgebiet retten. Auch damals waren die Freiwilligen mit Pumpen, Generatoren und Booten vor Ort. „Das sind unsere Spezialitäten, wo wir viel Erfahrung haben“, stellt Resperger klar.

Wie lange der Einsatz in Belgien dauern wird, ist momentan noch unklar. Bis dato wurde er mit 72 Stunden anberaumt. Eine mögliche Ablösung könnte sonntags erfolgen.