Cyber-Gewalt gegen Frauen: Studie und neue Initiative. Immer mehr Frauen werden im Netz diffamiert. Jetzt gibt es spezielle Schulungen für Mitarbeiter von Beratungsstellen.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 04. März 2021 (08:26)
Gewaltschutzzentrum-St. Pölten-Geschäftsführerin Michaela Egger, Frauenministerin Susanne Raab und Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister (v. l.) wiesen auf die Beratungsangebote für von Cybergewalt betroffene Frauen hin.
Gila Wohlmann

Facebook, Instagram, Whatsapp und Co: Die Nutzung sozialer Medien bestimmt immer mehr den Alltag - auch Beziehungen, jedoch zunehmend in negativer Form. Frauen werden von (Ex)-Partnern virtuell misshandelt. Der emotionale Leidensdruck Betroffener ist enorm.

Daher startet Frauenministerin Susanne Raab (ÖVP) zum Weltfrauentag am 8. März eine Initiative im Kampf gegen diese neue Form psychischer Unterdrückung.

Startschuss für neues Schulungsprogramm

Im Gewaltschutzzentrum St. Pölten stellte Raab die laufende Studie „(K)ein Raum – Cybergewalt gegen Frauen in (Ex-)Beziehungen“ von Magdalena Habringer vom Kompetenzzentrum für soziale Arbeit und Sandra Messner vom Zentrum für Sozialforschung und Wissenschaftsdidaktik in Kooperation mit Fachstellen wie den Gewaltschutzzentren vor.

Magdalena Habringer und Sandra Messner präsentierten Frauenministerin Susanne Raab und Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister (v. r.) die ersten Studienergebnisse zum Thema "Cybergewalt in (Ex)-Partnerschaften".
Gila Wohlmann

Zeitgleich setzte sie den Startschuss für das neue Schulungsprogramm für Mitarbeiter von Frauen- und Mädchenberatungsstellen. „Jeder Fall von Gewalt gegen Frauen und Kinder ist einer zu viel“, betonte dazu die Ministerin.

Cybergewalt gegen Frauen hat viele Formen. Das beginnt bei der Androhung oder des realen Veröffentlichen von intimen Fotos auf sozialen Plattformen, reicht über die Verbreitung von Lügen bis hin zum Stalking. „Es werden auch Fake-Profile erstellt oder Betroffene mittels Spy-Software überwacht“, erklärt Studienleiterin Habringer.

Neues Phänomen: „Smart homes“ als Druckmittel

Der Leidensdruck dieser Frauen ist enorm, da sie sich ständig verfolgt fühlen und Angst haben, irgendwo „auf Sendung“ zu gehen. „Wir merken ein erhöhtes Beratungsaufkommen in diesem Bereich“, stellt die Geschäftsführerin des Gewaltschutzzentrums St. Pölten, Michaela Egger, fest.

Ein neues Phänomen tritt dabei besonders hervor: So genannte „Smart homes“, digitalisierte Wohnbereiche, werden als psychisches Druckmittel eingesetzt. Frauen werden überwacht, mitunter auch nackt oder in intimen Situationen heimlich gefilmt.

Die Beratungsstellen sind somit mit neuen Formen der Kommunikation und Gewalt konfrontiert; bei den Beratern müssen zusätzliche Kompetenzen geschaffen werden, um Hilfesuchenden adäquate Unterstützung bieten zu können. Genau dies soll durch die neuen Mitarbeiter-Schulungen erfolgen.

Vermittelt wird in den zweitägigen Ausbildungseinheiten, wie Berater diese Formen der Gewalt erkennen und mit welchen Strategien sie Frauen und Mädchen bestmöglich helfen können.

So werden aktuelle Auswirkungen von Cybergewalt in Beziehungen ebenso thematisiert wie rechtliche Möglichkeiten, sich dagegen zu wehren. Außerdem soll gezeigt werden, welche technischen Maßnahmen es gibt, um sich vor Cybergewalt zu schützen.

Mehr Cybergewalt durch Corona

Corona zeigt auch hier seine Auswirkungen. Die Menschen sind mehr zu Hause. Spannungen in Beziehungen werden mehr. Die bundesweite Zahl der Annäherungs-/Betretungsverbote ist zu Beginn der Corona-Krise leicht auf rund 1.000 Fälle pro Monat gestiegen. Dieser Wert ist seither konstant. In Niederösterreich wurden im Februar dieses Jahres 150, im Jänner 184 Betretungsverbote verhängt.

„Wir haben von Beginn der Corona-Krise den Kampf gegen häusliche Gewalt sehr ernst genommen. Daher war es mir besonders wichtig, hier rasch gegenzusteuern“, manifestierte Ministerin Raab.

Zur Kick-Off-Veranstaltung stellte sich auch Sozial- und Bildungslandesrätin Christiane Teschl-Hofmeister (ÖVP) ein. Bei ihr setzt Prävention gegen Cybergewalt schon in der Schule an: „Kinder müssen lernen, Konflikte gewaltfrei zu lösen, um selbstbewusste Menschen zu werden.“

Dass Beratungen betroffener Frauen mehr werden, sieht sie nicht zwingend nur negativ: „Das zeigt auch, dass die Bereitschaft, sich Hilfe zu suchen, steigt.“ Vom Bund werden übrigens zwölf Prozent mehr finanzielle Mittel für die Frauenberatung bereitgestellt, das Land hat seine bislang jährliche Förderperiode auf drei Jahre verlängert.