Attacke auf Bürgermeister: Bedingte Einweisung. Ein 41-Jähriger aus dem NÖ Bezirk Melk ist nach einer bewaffneten Attacke auf einen oö. Bürgermeister und dessen Amtsleiter am Mittwoch vom Landesgericht Linz bedingt in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen worden.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 21. Februar 2018 (16:26)
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Symbolbild

Der Mann ist laut Gutachten wegen eines Wahns weder zurechnungs- noch schuldfähig. Die Entscheidung ist rechtskräftig.

Weil er sich eingebildet hat, der Mühlviertler Bürgermeister verunglimpfe ihn, hat ihn der 41-Jährige am 6. September im Gemeindeamt mit Reizgas attackiert, ihm eine halbgeladenen Gaspistole auf die Brust gesetzt und ihn mit einem Messer bedroht.

Der Amtsleiter kam seinem Chef zu Hilfe und wurde im Zuge des folgenden Gerangels mit dem Messer verletzt. Laut Gerichtsmediziner erlitt er u.a. eine acht Zentimeter lange Stichwunde am Arm. Auch ein Lehrmädchen bekam Pfefferspray ab. Nach dem Vorfall flüchtete der 41-Jährige und stellte sich wenig später bei der Polizei in Niederösterreich. In seinem Rucksack habe er laut Staatsanwaltschaft auch Werkzeug und eine Hacke dabei gehabt.

Am Mittwoch schilderte der Amtsleiter den Vorfall aus seiner Sicht: Er habe mitbekommen, dass ein Mann beim Bürgermeister gewesen sei und ihn angeschrien habe: "Du hast mi in d'Zeitung 'tan." Er habe eine Pistole in der Hand gehabt und den Lauf gegen des Kopf des Ortschefs gehalten. "Ich habe geglaubt, ich bin im falschen Film", so der Amtsleiter. Er habe den Angreifer an der Jacke gepackt und aus dem Zimmer gezogen. Dann sei der Mann plötzlich auf ihm gesessen und er habe Blut spritzen gesehen. "Ich habe gedacht, dass ich sterbe", so der Beamte.

Die psychiatrische Sachverständige Adelheid Kastner attestierte dem Betroffenen einen "umfassenden Wahn mit dem Bürgermeister im Zentrum". Nach einem nur knapp überlebten Verkehrsunfall vor einigen Jahren, "war er nicht mehr der Selbe wie vorher". Er habe immer wieder Jobs und Wohnungen verloren, seine Finanzen nicht mehr im Griff gehabt. Zumindest seit 2009 sei er überzeugt gewesen, dass der Bürgermeister hinter all seinen Problemen stecke, so Kastner. Er sei zum Tatzeitpunkt nicht in der Lage gewesen, das Unrecht zu erkennen und damit zurechnungsunfähig gewesen.

Der Wahn sei eine chronische Erkrankung, erklärte die Gutachterin. Bei dem Betroffenen sei durch die Behandlung zwar eine Besserung eingetreten, wenn er sie abbrechen würde, "ist die Erkrankung aber wieder da". Solange er sich behandeln lässt, könne man hingegen davon ausgehen, "dass der Wahn nicht mehr handlungsbestimmend ist".

Beim Prozessbeginn am 29. Jänner hatte der Mann selbst eingeräumt, dass er sich wohl nur eingebildet habe, dass der Bürgermeister schlecht über ihn rede oder ihn bei Firmen und Ämtern anschwärze. "Der hat im Prinzip überhaupt nichts gemacht, und ich habe ihn attackiert für nichts und wieder nichts."

Wäre der 41-Jährige zurechnungsfähig gewesen, hätte er das Vergehen der schweren Drohung und das Verbrechen der schweren Körperverletzung begangen, urteilte das Schöffengericht. Aufgrund seiner Schuldunfähigkeit wurde er in eine Anstalt eingewiesen - vorerst aber nur bedingt. Voraussetzung für die bedingte Nachsicht ist, dass er einen Platz in einer Wohneinrichtung annimmt, sich regelmäßig fachärztlich untersuchen lässt, die Medikamente nimmt und dem Gericht über die Erfüllung der Weisungen zu berichtet.