Update am 26. Juli 2017, 21:57

von Walter Fahrnberger

Dorfmeister: „Albtraum vom Anfang bis zum Ende“. Ihr Ex-Lebensgefährte Andreas P. sitzt wegen Betrugsverdacht in U-Haft. Im Interview mit NÖN-Chefredakteur-Stellvertreter Walter Fahrnberger nimmt die Ski-Doppelolympiasiegerin Michaela Dorfmeister (44) von ihrem Urlaub in Kroatien aus zur Causa Stellung.

Michaela Dorfmeister  |  Franz Baldauf

NÖN: Sie sind aktuell in Kroatien auf Urlaub. Haben Sie sich von den letzten turbulenten Wochen erholen können?
Dorfmeister: Ich fürchte, da werden ein paar Tage Kroatien nicht reichen. Aber es ist zumindest ein Neuanfang nach all dem Wahnsinn. Nicht, dass ich als Sportlerin nicht auch Tiefen durchlebt hätte. Nur da hast du es in der Hand, wieder selbst rauszufinden. Dieser Extremsituation jetzt war und bin ich völlig hilflos ausgeliefert und das ist sehr belastend.

Wann haben Sie  erfahren, dass ihr Ex-Lebensgefährte  in U-Haft sitzt? Hatten Sie vorher noch Kontakt mit ihm?
Ja, er hat mich angerufen. Am Tag, bevor Lea und ich nach Kroatien geflogen sind. Wer Kinder hat und sich nur annähernd in diese Situation hineinversetzt, kann sich vorstellen, wie sich dieser emotionale Zwiespalt anfühlt: Er hat uns alle mit seiner Spielsucht und all den Folgen in eine entsetzliche Lage gebracht und mich jahrelang hinters Licht geführt. Trotzdem: Er bleibt Leas Vater und ich muss ihr erklären, was Sache ist, so dass sie auch damit klarkommen kann.

Michaela Dorfmeister mit ihrem Ex-Lebensgefährten Andreas P.  |  Franz Baldauf

Ihrem Ex-Freund wird vorgeworfen, Firmenvorstände, Unternehmer und auch ehemalige Profisportler um bis zu vier Millionen Euro betrogen zu haben.  Hätten Sie ihm das zugetraut?
Wenn ich ihm das zugetraut hätte, wäre ich nie mit ihm zusammengekommen. Das ist ja eben das Unfassbare: Er hat über Jahre ein so perfektes Lügengebilde aufgebaut und Doppelleben geführt, dass es für mich noch immer unbegreiflich ist, wie das überhaupt möglich war. Was er erzählt hat, das war für mich in sich stimmig: Wenn einer beruflich Industrieanlagen wartet und sagt, er kann die Arbeiten nur in der Nacht durchführen, weil dann die Maschinen stillstehen – da denkt man nicht automatisch, dass er ja auch im Casino sein könnte. Das tückische an der Spielsucht ist, das weiß ich auch erst jetzt, dass sie einem Menschen nicht anzusehen ist. Es hat lange gedauert, bis ich gemerkt habe: Irgendwas ist da seltsam, er ist so gereizt, steht ständig unter Strom. Wenn ich nachgefragt habe, kamen auch wieder nur Antworten, die nachvollziehbar waren: zu viel Stress im Job und so weiter.

Wussten Sie, dass er auch mit Ex-Profi-Sportlern Geschäfte macht?
Nein, ich hatte von alldem bis zum Schluss keine Ahnung davon, bis ich Ende 2016 das Mail eines Geschädigten bekommen habe. Das war ein Schock! Da war von einer halben Million die Rede. Und nach und nach hat sich dann das ganze Ausmaß gezeigt und ich war eine Zeitlang wie in einer Schockstarre.

Haben Sie mitbekommen, dass ihr Ex-Freund Andreas P. so viel in den Casinos unterwegs war?  Wussten Sie von den Gewinnen im Lotto?
Dass er in Casinos gespielt hat, hat er mir erst gestanden, als sein ganzes Lügengebilde Ende vergangenen Jahres in sich zusammengekracht ist. Von den beiden Lottogewinnen wusste ich natürlich, nicht aber, was er mit dem Geld, das er gewonnen hat, tatsächlich gemacht hat.

Verstehen Sie, dass sich viele nicht vorstellen können, dass Sie nichts davon mitbekommen  haben?
Verstehe ich alles! Und würde, wenn ich es nicht selbst besser wüsste, auch sagen: Da muss man doch als Frau schon früher irgendwas bemerken. Eben nicht, unvorstellbar, wie es möglich gewesen ist, dass sein Doppelleben so lang funktioniert hat. Ich bin ja nicht die einzige, die er getäuscht und im Unklaren gelassen hat.

Michaela Dorfmeister  |  Franz Baldauf

Haben auch Sie finanziellen Schaden erlitten?
Nein, das nicht direkt. Der emotionale Schaden wiegt ohnehin schwerer.

Sie hatten eine so tolle sportliche Karriere. Wenn Sie auf die letzten Woche zurückblicken: Kommt Ihnen das nicht alles wie ein Albtraum vor?
Doch, das ist der richtige Ausdruck: ein Albtraum von Anfang bis zum Ende. Da ist viel Unverständnis, Wut, Enttäuschung – ein einziger emotionaler Schleudergang, weil man erst begreifen muss, dass man sich so in jemandem getäuscht hat und auch, dass sich dieser jemand aber irgendwie auch nicht helfen konnte in dieser Spielsucht. Aber es ist seine Verantwortung, nicht meine. In jedem Albtraum kommt irgendwann der Moment, in dem man aufwacht, aufsteht, wieder klarer sieht und weitergeht.

Das gesamte Interview mit Michaela Dorfmeister, ob sie überlegt, das gemeinsame Haus in Purgstall zu verlassen und warum die Causa auch den NÖ Landesskiverband nicht unberührt lässt, lest ihr in der kommenden Ausgabe der NÖN Landeszeitung.