Gleitender Übergang in Pension: Das Interesse an Altersteilzeit steigt

Erstellt am 06. August 2022 | 05:16
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Pension Symbolbild
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Foto: Ruslan Huzau, Shutterstock.com
Die geförderte Altersteilzeit ist für ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und deren Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber weiterhin ein interessantes Modell.
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Durch die besonderen Umstände einer allgemeinen Verunsicherung (Ukraine-Krieg, Weltwirtschaft, Teuerung, Inflation) werden derzeit wieder verstärkt Anfragen zur Thematik Altersteilzeit und Altersteilzeitgeld herangetragen. Dabei geht es meist um den frühestmöglichen Eintritt in die Altersteilzeit, die maximale Bezugsdauer des Altersteilzeitgeldes und die Auswirkungen auf die zukünftige Pension.

1) Grundsätzliches:

Mit der Altersteilzeit besteht für ältere Arbeitskräfte eine Möglichkeit, mit dem Arbeitgeber eine Reduzierung der Arbeitszeit zu vereinbaren und, bei Erfüllung der Voraussetzungen, aus der Arbeitslosenversicherung einen teilweisen Lohnausgleich samt Übernahme von Sozialversicherungsbeiträgen (Dienstgeber- und Dienstnehmerbeiträge) zu erhalten.

Damit wird ein gleitender Übergang in die Pension geschaffen, wobei sich die Reduzierung der Arbeitszeit für die Arbeitskräfte weder auf den Pensionsanspruch, noch auf die Ansprüche aus der Krankenversicherung oder eine Abfertigung negativ auswirkt.

2) Voraussetzungen:

Es gibt eine Vereinbarung zwischen Dienstnehmer und Dienstgeber über die Altersteilzeitarbeit.

Der Arbeitnehmer muss in den letzten 25 Jahren (bzw. verlängert um Kinderbetreuungszeiten) vor Beginn einer Altersteilzeit mindestens 780 Wochen (entspricht 15 Jahre) arbeitslosenversichert beschäftigt sein.

Erreichung eines Mindestalters mit fünf Jahren vor dem Anfallsalter für eine Regelalterspension (Männer 60 Jahre, Frauen derzeit 55 Jahre).

Reduktion der Arbeitszeit, welche im letzten Jahr vor Antritt der Altersteilzeit im Betrieb durchschnittlich ausgeübt wurde.

Dabei ist die gesetzlich oder kollektivvertraglich maximale gesetzliche Arbeitszeit auf 40 bis 60 Prozent zu reduzieren.

Mindestens dreimonatige Betriebszugehörigkeit und keine Teilzeitbeschäftigung unter 60 Prozent der gesetzlichen oder kollektivvertraglichen Normarbeitszeit im letzten Jahr vor Beginn der Altersteilzeit.

Kein Bezug einer Eigenpension, eines Sonderruhegeldes oder eines Ruhegenusses.

3) Inhalte der Vereinbarung zwischen Dienstnehmer und Dienstgeber sind:

Reduzierung der im letzten Jahr im Betrieb durchschnittlich ausgeübten Arbeitszeit auf 40 bis 60 Prozent der Normalarbeitszeit (gesetzlich oder Kollektivvertrag).

Die weitere Entrichtung der Sozialversicherungsbeiträge auf dem Niveau vor der Ausübung der Altersteilzeit.

Arbeitsentgelt für die Teilzeitarbeit und Berücksichtigung eines Lohnausgleiches von mindestens 50 Prozent als Differenzbetrag zwischen dem durchschnittlichen Arbeitsentgelt der letzten zwölf Monate und dem wegen der Altersteilzeit verringerten Altersentgeltes.

Berechnung eines allfälligen Abfertigungsanspruches auf der Grundlage der Arbeitszeit vor Herabsetzung.

4) Altersteilzeitgeld – Bezugsdauer und Höhe:

Das Altersteilzeitgeld kann maximal für eine Dauer von fünf Jahren gewährt werden.

Beim Blockzeitmodell gebührt es längstens bis zum frühesten Zeitpunkt der Erfüllung der Voraussetzungen für eine vorzeitige Alterspension.

Dabei ist aber im Falle der Erfüllung der Anspruchsvoraussetzungen für die Korridorpension ein Weiterbezug des Altersteilzeitgeldes für längstens ein Jahr über diesen Stichtag hinaus möglich.

Dem Dienstgeber werden durch den Lohnausgleich entsprechende Aufwendungen für das Bruttoentgelt bis zur Höchstbeitragsgrundlage (inklusive Dienstgeberbeiträge und Dienstnehmerbeiträge zur Sozialversicherung) wie folgt ersetzt: Im Ausmaß von 90 Prozent beim Modell der kontinuierlichen Arbeitszeitreduktion und im Ausmaß von 50 Prozent beim Blockzeitmodell.

5) Zuständigkeit:

Für das Altersteilzeitgeld ist jene Geschäftsstelle des AMS zuständig, in dessen örtlicher Region der Sitz des Betriebes liegt.

Anträge und Erläuterungen dazu erhalten Interessierte ebenfalls beim AMS oder sind auch im Internet unter www.ams.at herunterzuladen.

Für die Feststellung des frühesten Pensionsstichtages ist der Pensionsversicherungsträger zuständig.

Traktor-Fan Johannes Jungwirth
NÖN-Ombudsmann Johannes Jungwirth steht bei Fragen mit Rat und Hilfe zur Seite. Anfragen und Anliegen per Email an ombudsmann@noen.at - bitte immer Sozialversicherungsnummer, Adresse und Telefonnummer bekannt geben.
Foto: Walter Fahrnberger