Aktuelles zu den Pensionen: Was bringt das Jahr 2022?

Zum Jahreswechsel treten wichtige Bestimmungen außer Kraft bzw. neue Rechtsnormen in Kraft. NÖN-Ombudsmann Johannes Jungwirth klärt auf:

Erstellt am 04. Dezember 2021 | 05:42
Lesezeit: 2 Min
Traktor-Fan Johannes Jungwirth
Johannes Jungwirth ist mit Leib und Seele NÖN-Ombudsmann: „Jede Sorge ist ernst zu nehmen!“
Foto: Walter Fahrnberger

Einleitend ist festzuhalten, dass diese Änderungen unter anderen das Auslaufen der Abschlagsfreiheit von Frühpensionen, die Einführung eines Frühstarterbonus, die aliquote erste Pensionsanpassung und die Pensionsanpassung 2022 betreffen. Nachstehend werden diese Themen näher beleuchtet.

1) Wegfall der Abschlagsfreiheit

Mit Ende des Jahres 2021 laufen nun die seit 1. 1. 2020 geltenden Bestimmungen über abschlagsfreie Frühpensionen aus.

Abschlagsfrei sind Frühpensionen mit einem Stichtag ab 1. 1. 2020, wenn neben der Erfüllung der sonstigen Voraussetzungen am Stichtag zumindest 540 Beitragsmonate einer Erwerbstätigkeit gegeben sind, wobei auch maximal 60 Monate der Kindererziehung dazu zählen. Diese Abschlagsfreiheit gilt für die Langzeitversichertenpension (= Hacklerpension), Schwerarbeitspension, Invaliditäts- bzw. Berufsunfähigkeitspension und auch für das Sonderruhegeld.

Für Pensionsstichtage ab 1. 1. 2022 gelten also wieder jene Abschlagsregeln, welche schon bis 31. 12. 2019 zur Anwendung gelangt sind. Allerdings ist für Versicherte, die bis spätestens 31. 12. 2021 die Anspruchsvoraussetzungen für eine abschlagsfreie Frühpension erfüllen, die Abschlagsfreiheit – unabhängig vom Pensionsstichtag – weiterhin anzuwenden (Schutzbestimmung).

Bestehende abschlagsfreie Frühpensionen sind von der Rechtsänderung unberührt und gebühren natürlich auch weiterhin ohne Abschlag.

2) Frühstarterbonus

Dieser Bonus setzt voraus, dass zumindest 300 Beitragsmonate (= 25 Jahre) einer Erwerbstätigkeit vorliegen und davon zumindest zwölf Erwerbsmonate vor Vollendung des 20. Lebensjah-res .

Pro Beitragsmonat vor dem 20. Lebensjahr gebührt dann ein Bonus von einem Euro, aber höchstens für 60 Monate (= 60 Euro). Maximal führt dies dann zu einer Erhöhung der Pension von monatlich 60 Euro und somit jährlich von 840 Euro.

Die Bonusbetragswerte unterliegen der jährlichen Aufwertung mit der Aufwertungszahl (erstmals zum 1. 1. 2023).

Ein Frühstarterbonus gebührt also zu Pensionen aus dem Versicherungsfall des Alters (Frühpensionen und Alterspensionen) sowie zu Pensionen krankheitshalber.

Für abschlagsfreie Frühpensionen mit einem Stichtag ab 1. 1. 2022 gebührt allerdings kein Frühstarterbonus.

3) Aliquote Pensionsanpassung

Für Stichtage ab 1. 1. 2021 gilt für die Pensionsanpassung 2022 die aliquote Pensionserhöhung in Abhängigkeit vom Stichtag wie folgt:

Stichtag – Anpassung:

Jänner – 100 Prozent

Februar – 90 Prozent

März – 80 Prozent

April – 70 Prozent

Mai – 60 Prozent

Juni – 50 Prozent

Juli – 40 Prozent

August – 30 Prozent

September – 20 Prozent

Oktober – 10 Prozent

November – 0 Prozent

Dezember – 0 Prozent

Liegt der Stichtag also im November oder Dezember, so erfolgt die erste Pensionsanpassung mit dem 1. Jänner des dem Stichtag folgenden Kalenderjahres (zum Beispiel Stichtag 1. 12. 2021 ergibt erste Pensionserhöhung 1. 1. 2023).

4) Pensionsanpassung 2022

Die Bestimmungen für die Pensionsanpassung 2022 wurden wie folgt vom Gesetzgeber festgelegt und beschlossen:

Für Pensionen brutto bis 1.000 Euro beträgt die Pensionserhöhung 3 Prozent .

Für Pensionen brutto von 1.000 bis 1.300 Euro gilt für die Erhöhung eine Einschleifregelung von 3 auf 1,8 Prozent .

Für alle Pensionen brutto ab 1.300 Euro gilt die Anpassung, mit der Inflationsentwicklung des Referenzjahres (August 2020 bis Juli 2021), im Ausmaß von 1,8 Prozent .

Über die veränderlichen Werte, wie zum Beispiel Ausgleichszulagenrichtsätze, Grenzbeträge usw. wird in der nächsten Ausgabe im Detail gesondert berichtet.

Ich bedanke mich im Namen aller Ratsuchenden sowie auch persönlich bei den Verantwortlichen und MitarbeiterInnen der Sozialversicherungsträger – insbesondere bei der Pensionsversicherungsanstalt (PVA) Landesstelle NÖ – und bei allen Amtsträgern sehr herzlich für die verständnisvolle und lösungsorientierte Unterstützung im Jahr 2021. Auf eine gedeihliche Zusammenarbeit im kommenden Jahr 2022!