Trockenheit: Weinreben genießen die Sonne dank tiefer Wurzeln

Erstellt am 15. August 2022 | 06:01
Lesezeit: 4 Min
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Weinbau Symbolbild
Foto: Mostviertel Tourismus/schwarz-koenig.at
Tiefe Wurzeln helfen den Weinreben, die derzeit herrschende Trockenheit in Ostösterreich recht gut zu überstehen.
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Im Gegensatz zu anderen Kulturen profitiert der Wein von der aktuellen Witterung sogar, nur vereinzelt gibt es Schäden. Auffällig ist allerdings das Erntedatum, denn die ersten Betriebe haben die Lese bereits gestartet. Mitte August, das ist wesentlich früher als es etwa vor 20 Jahren der Fall war - damals wurden die Trauben Mitte, Ende September geerntet.

Die Wissenschaft erwartet für die kommenden Jahre und Jahrzehnte aufgrund der menschengemachten Klimakrise immer extremere Hitzewellen und noch länger anhaltende Dürreperioden. Auch die burgenländische Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Eisenkopf (SPÖ) warnte unlängst im Zusammenhang mit der Grundwasserproblematik im Seewinkel, dass der Weinbau unter sinkendem Grundwasserspiegel leiden könnte. Zwar sind Weinstöcke Tiefwurzler, sie geraten aber unter Druck, wenn der Grundwasserspiegel sinkt.

Aktuell gebe es damit noch keine zu großen Probleme, so Verena Klöckl, Koordinatorin der Weinbauberatung in der burgenländischen Landwirtschaftskammer. Sie erklärte im Gespräch mit der APA: "Die Rebwurzel geht sehr tief hinunter, daher hat die Trockenheit noch keinen großen negativen Einfluss auf die Qualität." Lediglich bei jungen Rebstöcken, mit einem Alter von bis zu drei Jahren, könne es vorkommen, dass man einzelne mit braunen Blättern vorfindet.

Für die Gesundheit der Blätter ist zu viel Regen schädlich, denn zu viel Feuchtigkeit führt zu Pilzinfektionen. "Nur ein gesundes Blatt kann den Rebstock mit Nährstoffen versorgen und Photosynthese erbringen, die für die Traubenreife nötig ist. Und nur physiologisch reife Trauben können eine entsprechend hochwertige Weinqualität erzeugen", stellte Klöckl fest.

Worst-Case-Szenario für die Reben seien Wetterbedingungen mit Niederschlägen alle paar Tage, bei denen die Blätter ständig nass sind und nicht abtrocknen können. "Der Wein ist eine Kultur, die sehr lange ohne Regen auskommt", so die Koordinatorin mit Verweis auf die großen weinproduzierenden Länder Spanien, Italien oder Frankreich.

"Die heurige Witterung ist nicht negativ. Es gibt kaum kranke, befallene Blätter", rechnet Klöckl mit einer guten Weinqualität im Burgenland. Bewässert wird der Wein laut ihren Angaben nur vereinzelt: "Man versucht, schon in der Rebschule hinzuerziehen, dass sie Wurzeln ausbilden und nicht auf Bewässerung angewiesen sind."

Die zu erwartende Erntemenge 2022 lasse sich noch schwer abschätzen, im Vorjahr waren es im Burgenland 582.000 Hektoliter und mit einer ähnlichen Menge rechnet Klöckl auch dieses Jahr. Vom Zeitpunkt her erfolgt die Weinlese aber früher als noch etwa vor 20 Jahren, denn die ersten Betriebe im Bezirk Neusiedl am See haben damit schon begonnen. 2021 jedoch lag der Erntebeginn noch früher als 2022.

In Niederösterreich wird im Vergleich zu vergangenen Jahren aus aktueller Sicht ebenfalls eine durchschnittliche Ernte erwartet, so Johann Graßl, Referatsleiter Weinbau in der Landwirtschaftskammer Niederösterreich. Im Vorjahr lief die Ernte im größten Weinanbau-Bundesland mit 1,63 Mio. Hektolitern besonders gut.

Die Voraussetzungen für eine gute Qualität des Jahrgangs sind laut Graßl da - aber Regen in den letzten zwei Wochen vor oder während der Lese könnte das noch verändern. Bei jungen Weinstöcken könne man heuer nicht mit sehr viel Ertrag rechnen, auch wenn es noch regnen sollte, meinte er. Auch in Niederösterreich werden übrigens kaum Flächen bewässert.

In Niederösterreich wird derzeit ein Lesebeginn großteils "um die zweite Septemberwoche" erwartet, sagte Grasl. Damit wird später gestartet als beispielsweise 2018, 2011 oder 2003, als die Weintrauben bereits ab August geerntet wurden.