Erstellt am 04. Juli 2011, 00:00

Parteichef wegen Nazi-Sager angeklagt. PROZESS / Chef der „Nationalen Volkspartei“ wegen Verstößen gegen das Verbotsgesetz angeklagt. Vor Gericht bestritt er die Anklagepunkte.

Anwalt Michael Dohr im Gespräch mit dem Angeklagten NVP-Parteichef Christian Hayer. Mehrmals musste er seinen Mandanten am ersten Prozesstag beruhigen.SCHRANZ  |  NOEN
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VON MATHIAS SCHRANZ

„Was zu viel ist, ist zu viel.“ Zu Ausländern hat NVP-Chef Christian Hayer (54) am Wiener Neustädter Landesgericht eine klare Meinung. Laut ehemaligen Mitgliedern der Partei soll seine Gesinnung aber weitaus extremer sein. Denn bei „Arbeitstreffen“ in Lokalen in Wiener Neustadt und Neunkirchen sollen Parteikollegen schon mal mit „Heil Hitler“ und „Sieg Heil“ gegrüßt worden sein.

Auch die Wiedereröffnung von Konzentrationslagern zur Lösung des Ausländerproblems soll laut Zeugen zur Sprache gekommen sein, außerdem soll er Parteikollegen zu illegalen Plakat-Klebeaktionen angestiftet haben.

Dazu kommen zwei Grillpartys auf Hayers Grundstück im Piestingtal in den Jahren 07 und 08 – jeweils zu Hitlers Geburtstag. Auch die Führer-Bilder in seinem Arbeitszimmer, oder der SS-Ring, den er bei einer Polizeivernehmung getragen hatte, sprechen nicht für ihn.

Er selbst gab an den beiden Prozesstagen an, seine Kollegen stets mit „Hallo“ oder „Servas“, aber nie mit „Heil Hitler“ oder Ähnlichem begrüßt zu haben. Auch von der Anstiftung zur Sachbeschädigung distanzierte er sich, die Grillpartys seien nicht wegen Hitlers Geburtstag gefeiert worden. „Da sind zufällig Leute vorbeigekommen.“ Rückendeckung erhielt er unter anderem von seiner Frau und dem ehemaligen Bundesjugendführer der NVP, der derzeit selbst wegen Verstößen gegen das Verbotsgesetz im Gefängnis sitzt.

Urteil gab es nach zwei Prozesstagen keines, die Verhandlung wurde vertagt.