Pensionistin fuhr Arbeiter ans Bein. Verärgert wegen einer Sperre touchierte Frau (69) Arbeiter, der Gefahrenstelle absicherte.

Von Jutta Hahslinger. Erstellt am 06. März 2018 (01:14)
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„Plötzlich sprang mir ein Mann vors Auto, wachelte wild mit den Händen herum und zeigte mir den Vogel. Er hinderte mich am Weiterfahren. Jetzt behauptet er, dass ich ihm drei Mal ans Schienbein gefahren bin. Das ist ein Blödsinn. Er hatte keine Kelle und auch keine Warnweste an“, schildert eine Pensionistin (69) aus dem Bezirk Tulln vor Gericht.

„Bei der Polizei haben Sie noch eingeräumt, den Arbeiter mit der Stoßstange am Bein berührt zu haben, und Zeugen bestätigen, dass die Arbeiter Warnwesten bei der errichteten Straßensperre getragen haben. Wollen Sie Ihre Version nicht überdenken?“, fragt der Richter.

Die mahnenden Worte prallen an der 69-Jährigen ab und sie meint: „Er musste mich doch einmal vorbeilassen.“

"Ich bin schon älter, aber nicht blöd"

„Sie wissen aber schon, dass man keine Menschen anfährt und Sie eine Straßensperre wegen Baumschneidearbeiten ignoriert haben“, hinterfragt der Richter und bekommt eine harsche Antwort der sichtlich pikierten Rentnerin: „Ich bin schon älter, aber nicht blöd.“ Beharrlich bleibt sie dabei: „Er ist ohne Weste und Kelle herumgesprungen. Er sagt sicher was anderes.“

„Das sage nicht nur ich, auch die anderen Autofahrer haben die Westen gesehen. Als sie bei meinem Kollegen vorbeigefahren ist, versuchte ich, sie zu stoppen und deutete auf den Baum nach oben, dass ein Ast fällt. Es war eine gefährliche Situation. Sie ignorierte mich, wollte weiter und fuhr mich leicht an. Und das dreimal. Dann bin ich zur Seite gegangen, damit nicht mehr passiert als aufgeschundene Schienbeine. Mag schon sein, dass ich ihr da den Vogel gezeigt habe“, schildert der Arbeiter (36) den Vorfall in Kritzendorf.

Die Beschuldigte zeigt wenig Einsicht, schüttelt bei der Opferschilderung nur verneinend den Kopf. Schlussendlich kommt die bislang unbescholtene Rentnerin mit einer Diversion – Geldbuße von 400 Euro und einer Schmerzensgeldzahlung von 300 Euro an das Opfer – noch einmal glimpflich davon.