Per Indoor-GPS zum Brandherd. Polizist Gerhard Pichler arbeitet an GPS, das Navigation in Gebäuden erleichtert.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 01. November 2016 (03:29)
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Diese Beacons sollen in Gebäuden montiert werden, damit das Indoor-GPS funktioniert, jetzt müssen sie noch auf Feuerfestigkeit geprüft werden. Auch diesem Thema widmen sich Bezirkspolizeikommandant Gerhard Pichler (l.) und IT-Experte Lukas Hold (r.), im Bild mit Studiengangsleiterin Barbara Geyer-Hayden.
 
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Ein bewaffneter Mann läuft durch ein Bekleidungsgeschäft im Traisenpark-Center. Jede Sekunde zählt. Die Einsatzkräfte müssen sich so schnell wie möglich dem Täter nähern, um Schlimmeres zu verhindern. Doch welcher ist der kürzeste Weg? Mittels Indoor-GPS, bei dem die Beamten den richtigen Weg aufs Smartphone oder die Smart-Watch bekommen, könnte man hier möglicherweise einen Amoklauf verhindern und Menschenleben retten.

Zum Glück handelt es sich hierbei nur ein fingiertes Szenario, das Gerhard Pichler, Bezirkspolizeikommandant für den Bezirk St. Pölten-Land, im Rahmen seines Fachhochschulstudiums „Wissensmanagement“ für eine wissenschaftliche Arbeit mit praktischen Übungen austesten will. Das Besondere: Bislang gibt es in Österreich noch kein derartiges System für Einsatzkräfte. Aus diesem Grund widmet sich Pichler mit seinem Studienkollegen, dem Badener Lukas Hold, dem Thema.

Der primäre Nutzen von Indoor-Navigation ist, dass Benutzer von größeren Gebäudekomplexen wie Einkaufszentren, Flughäfen oder Bahnhöfen damit schnell zur gesuchten Position finden. „Wegzeiten können verkürzt, Menschenströme für Marketingzwecke analysiert werden. Auch seheingeschränkten Menschen kann ein solches System im Alltag von Nutzen sein“, sagt Lukas Hold.

Der Sekundarnutzen von derartigen Systemen wird gerade erforscht. Eine der Fragen, die sich Pichler, der hier sein Fachwissen aus der Exekutive mitbringt, und IT-Fachmann Hold derzeit stellen: „Inwiefern sind solche Systeme für Einsatzkräfte sowie auch Energieversorger geeignet, um schnell zum Ziel zu gelangen oder durch verrauchte Räume zu navigieren?“ Ein weiteres Szenario wird daher in der Landesfeuerwehrschule Tulln ausprobiert. „Feuerwehrkräfte müssen in einem Gebäudekomplex zuerst zum Gashaupthahn, in weiterer Folge zum Brandherd und schließlich eine Person aus dem Gebäude bergen“, skizziert Hold. Hier könnte ein Indoor-GPS helfen. Einen großen Vorteil ortet Pichler für die Polizei, „vor allem dann, wenn man nicht funken kann oder aus strategischen Gründen nicht möchte“, erklärt er.

Von den Forschungsergebnissen wollen die beiden Empfehlungen und Maßnahmen für Einsatzkräfte und Gesetzgeber ableiten.