Urteil bei Pizzeria-Bluttat: 20 Jahre Haft . Am Landesgericht Wiener Neustadt ist am Dienstag die Geschworenenverhandlung um eine Bluttat in einer Pizzeria in Pitten (Bezirk Neunkirchen) in Szene gegangen.

Von APA / NÖN.at Update am 13. Oktober 2020 (13:05)
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Wegen Mordes angeklagt ist ein 31-Jähriger, der im Jänner seinen um zwei Jahre älteren Geschäftspartner mit 13 Messerstichen getötet haben soll. Vorausgegangen war ein schwelender Streit ums Geschäft, in den auch Beziehungsprobleme hineingespielt haben dürften. Der türkische Staatsbürger bekannte sich schuldig.

Schauplatz der Bluttat war die Pizzeria Pitten
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Die Bluttat stellte das jähe Ende einer langen Männerfreundschaft dar. 2009 war der Angeklagte gemeinsam mit seiner Frau nach Österreich gekommen. Bald darauf lernte er das spätere Opfer kennen. Die beiden Türken verstanden sich gut, auch die Ehefrauen und Kinder trafen einander oft. "Es war ein beinahe bruderschaftliches Verhältnis", betonte die Staatsanwältin in ihrem Eröffnungsvortrag.

Später hatten die beiden eine gemeinsame Geschäftsidee und eröffneten im Februar 2018 die Pizzeria in Pitten. Ab Ende 2019 waren sich der Angeklagte und sein 33-jähriger Partner immer wieder uneinig. Der Auslöser für diese Ungereimtheiten konnte im Ermittlungsverfahren "nicht ausreichend geklärt werden", räumte die Vertreterin der Anklagebehörde ein. Beide Männer sollen jedenfalls mit dem Gedanken gespielt haben, einen Schlussstrich unter die unternehmerische Beziehung zum jeweils anderen zu ziehen.

Angeklagter "so nervös", dass er auf Befragung verzichte

Auch privat lief es für den Beschuldigten nicht so richtig rund. Trotz eines Seitensprungs hatte der 31-Jährige Angst vor einem Scheitern seiner Ehe. Entstandenen Zorn projizierte er immer wieder auf seinen Geschäftspartner, von dem er sich hintergangen fühlte.

Am Vormittag des 20. Jänner soll der türkische Staatsbürger auf der Fahrt von seinem Wohnort nach Pitten beschlossen haben, seinen Landsmann umzubringen. Er erstellte mit dem Handy eine Audiodatei, in der er die Bluttat ankündigte. In der Pizzeria angekommen, ging der 31-Jährige kurzerhand in die Küche, packte ein Messer mit einer Klingenlänge von 20 Zentimeter, dann soll er in einem Lagerraum mehrmals auf seinen Kontrahenten eingestochen haben.

Nach der Tötung machte der Beschuldigte ein Foto der Leiche und veröffentlichte es in seinem WhatsApp-Status. "Die Bilddatei hat sich in der Folge in den sozialen Medien wie ein Lauffeuer verbreitet", blickte die Staatsanwältin zurück. Auch die Ehefrau des Opfers erfuhr auf diesem Weg vom Tod ihres Mannes. Kurz nach der Attacke verließ der türkische Staatsbürger das Lokal und wartete vor dem Objekt auf Rettung und Polizei. Bei der Festnahme leistete der 31-Jährige keinen Widerstand.

"Das was passiert ist, ist unverzeihlich, unerklärlich. Man kann das nicht in Worten darstellen", sagte Verteidiger Nikolaus Rast. In zahlreichen Gesprächen mit dem Beschuldigten sei er der Frage nach dem Warum nachgegangen, dabei aber "immer wieder angestanden" und letztlich gescheitert. "Das Opfer war nicht nur sein bester Freund und sein Geschäftspartner, er war wie ein Bruder für ihn."

Sein Mandant bereue die Tat zutiefst, sei aber "so nervös", dass er auf seine Befragung verzichte, kündigte Rast an. Mehr als einige kurze Worte des Bedauerns brachte der 31-Jährige anschließend tatsächlich nicht vor.

Messerattacke wie aus dem Nichts

Ein Zeuge sagte aus, dass die Attacke praktisch aus dem Nichts gekommen sei. "Ich hab nur diese Bewegung gesehen", sagte der Mitarbeiter des Lokals bezogen auf einen der Messerstiche. "Es gab keinen Ärger davor, nichts dergleichen was darauf hingedeutet hätte, dass so etwas passiert." Als er das Messer sah, "war es dann eh um mich geschehen", sprach der 34-Jährige von einer Art Schockzustand. Wenig später habe er dann Rettung und Polizei verständigt.

Nach Angaben des gerichtsmedizinischen Sachverständigen Wolfgang Denk setzte der Angeklagte rund 20 Stichbewegungen. Dabei erlitt das Opfer 13 tiefergehende Wunden am Oberkörper. "Sieben ihrer allgemeinen Art nach lebensbedrohlich", führte der Gutachter aus. Es sei zu einem massiven Blutverlust nach außen gekommen. Der Todeseintritt wäre daher auch bei sofortiger ärztlicher Behandlung nicht verhinderbar gewesen.

In ihren Schlussvorträgen zeigten die Staatsanwältin und der Verteidiger vor Gericht ansonsten eher ungewohnte Einigkeit. Die Hauptfrage nach Mord müsse ohne Zweifel bejaht werden, lautete der Tenor. Geteilte Meinungen gab es dann aber doch hinsichtlich des Strafausmaßes. Während die Vertreterin der Anklagebehörde lebenslange Haft für den 31-Jährigen forderte, plädierte Verteidiger Nikolaus Rast für eine zeitlich begrenzte Freiheitsstrafe. Ein Urteil wird am Dienstag erwartet.

Urteil: 20 Jahre Haft für den Beschuldigten

Der 31-Jähriger wurde zu 20 Jahren Haft verurteilt. Die acht Geschworenen bejahten die Hauptfrage nach Mord einstimmig, der Schuldspruch ist nicht rechtskräftig. Der Angeklagte hatte die Tat zu Prozessbeginn zugegeben, sonst aber keine Angaben gemacht.

Mildernd wurden bei der Strafbemessung der ordentliche Lebenswandel des 31-Jährigen und dessen Beitrag zur Wahrheitsfindung gewertet. Als erschwerend wirkten sich nach Angaben des vorsitzenden Richters die Tatbegehung auf heimtückische Art und Weise sowie mit einer Waffe aus. Weiters ins Treffen geführt wurde die Tatsache, dass der Beschuldigte ein Bild des Toten via WhatsApp verbreitet hatte.