„Ihr Kind hatte einen Unfall“: Achtung Telefonbetrug!. Mit miesen Tricks, dass z. B. ein Angehöriger dringend eine Polizeikaution zu begleichen hätte, sind Betrüger immer wieder erfolgreich. Exekutive warnt vor unüberlegten Geldüberweisungen.

Von Gila Wohlmann und NÖN Sonderjournal-Redaktion. Erstellt am 18. Oktober 2019 (03:23)
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„Kommissariat Liesing“, meldete sich ein unbekannter Anrufer bei einem 92-Jährigen aus dem Bezirk Mödling im April dieses Jahres.

Der Polizist teilte dem Mann mit, dass seine Schwiegertochter einen Autounfall gehabt habe. Es sei Sachschaden in der Höhe von 80.000 Euro entstanden, wobei aber die letzte Autoversicherung nicht einbezahlt worden sei. Deswegen müsse von ihm eine Kaution von mindestens 40.000 Euro in bar aufgebracht werden, sonst müsse die Schwiegertochter über Ostern inhaftiert werden.

Während der Herr – schockiert über das Geschehene – nach Bargeld im Haus suchte, gingen gleich mehrere Anrufe des unbekannten Täters mit Drängen um mehr Geld ein und dem Hinweis, dass es „schnell gehen müsse“. Das Geld würde sogar persönlich abgeholt.

„Das sind Betrüger. Am besten ist es, das Telefonat gleich abzubrechen und mit dem angeblich Verunfallten Rücksprache zu halten.“Andreas Bandion, Kriminalpräventionsbeamter

Der Herr kam der Forderung nach. Ein Botenfahrzeug mit einer „TAXI“-Aufschrift kam zur Wohnadresse des Seniors, eine Frau stieg aus. Diese übernahm das Geld im Plastiksackerl, stieg wieder ins Fahrzeug und fuhr davon. „Natürlich ist so ein Unfall nie passiert. Die Polizei verlangt keine Kautionszahlungen per Telefon“, warnt Andreas Bandion, Leiter der Kriminalprävention im Landeskriminalamt Niederösterreich. Der Schaden für den Pensionisten beläuft sich auf rund 20.000 Euro.

„Das Geld ist fast immer unwiederbringlich verloren“, weiß der Kriminalist. In den letzten ein bis zwei Jahren ist es, insbesondere im Randbereich um Wien, vermehrt zu dieser Betrugsform gekommen, warnt die Landespolizeidirektion Niederösterreich vor gleichgelagerten Anrufen. „Das sind Betrüger. Am besten ist es, das Telefonat gleich abzubrechen und Rücksprache mit dem angeblich Verunfallten zu halten, ob alles in Ordnung ist. Dann ist schnell klar, dass so ein Ereignis nie stattgefunden hat“, sagt Bandion.

"Polizei bittet nicht um Geldbeträge am Telefon"

Er empfiehlt, dass man ältere Angehörige über diesen Telefontrick vorab informiert. „Wenn man hört, dass ein Angehöriger einen schweren Unfall hat, ist man natürlich schockiert. Dennoch sollte man vorher verifizieren, ob dies überhaupt passiert ist, bevor man unüberlegt Geld übergibt“, betont er.

Denn: „Die Polizei wird niemals um Geldbeträge am Telefon bitten. Die Exekutive kommt auch nicht nach Hause, um Geld oder Wertgegenstände von Angehörigen zu holen, schon gar nicht durch Mittelsmänner.“

Daher sollte man nie Informationen über persönliche und finanzielle Verhältnisse an Unbekannte weitergeben, auch wenn diese behaupten, von offiziellen Stellen zu sein.

Am besten ist es, solche Vorfälle umgehend der nächsten Polizeidienststelle unter der Telefonnummer 059/133 zu melden.

 Nähere Informationen  gibt es unter:
 https://www.bundeskriminalamt.at