Nach der Flucht im Ernte-Einsatz. AMS Wien und Integrationsfonds schickten Asylberechtigte aufs Feld – auch in Niederösterreich.

Von Eva Hinterer. Erstellt am 13. Oktober 2020 (09:16)
Am Biohof Adamah in Glinzendorf haben Flüchtlinge im Sommer im Rahmen des Integrationsfonds-Projektes Feldarbeit erledigt.
ÖIF

Das Projekt kam gerade zur richtigen Zeit: Als wegen der Coronakrise überall Erntehelfer fehlten, initiierte das AMS Wien mit dem Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) ein Schulungsprogramm für arbeitssuchende Asyl- und subsidiär Schutzberechtigte. Flüchtlingen, die sich für eine Anstellung als Ernte- und Saisonhelfer interessieren, wurde ein einwöchiges Qualifizierungsprogramm geboten: Ein Theorietag beim ÖIF, an dem Wissen über Erntehelfer vermittelt wurde, und anschließend vier Tage Praxis in einem landwirtschaftlichen Betrieb. Neben einigen Wiener Winzern war der Biohof Adamah im Bezirk Gänserndorf der einzige Betrieb aus NÖ, der daran teilgenommen hat.

Rund 160 Teilnehmer gab es insgesamt über den Sommer, am Biohof Adamah waren in acht Durchgängen jeweils zwischen acht und 14 Flüchtlinge im Einsatz.

"Bin mit dem Gesamtpaket sehr zufrieden" Stefan Zoubek, Adamah-Betriebsleiter

„Wir hatten Leute aus Syrien, Afghanistan, dem Irak und Palästina, Männer und Frauen aller Altersschichten“, sagt Adamah-Betriebsleiter Stefan Zoubek. Und ja, er sei am Anfang skeptisch gewesen. „Wir müssen ja einen Ablauf im Betrieb haben. Also haben wir einen Einführungstag gemacht, und ich muss sagen, ich bin mit dem Gesamtpaket sehr zufrieden.“

Jene Teilnehmer, die zu Beginn am interessiertesten waren, hätten sich bei der Arbeit am leichtesten getan, berichtet Zoubek. Eingesetzt wurden die Flüchtlinge für Unkrautarbeiten, die Ernte von Kürbis und Feldgemüse und auch für die Aufbereitung - also das Waschen und Verpacken der Feldfrüchte.

Adamah-Geschäftsführer Gerhard Zoubek und sein Sohn Stefan, der Betriebsleiter ist.
Hinterer

Für heuer ist mit der Feldarbeit Schluss, aber beim ÖIF möchte man das Projekt im kommenden Jahr unbedingt forsetzen. „Diese Arbeit ist ja auch ein stückweit Kulturvermittlung“, sagt Kim Izdebski vom Integrationsfonds.

Bei Adamah ist man dafür bereit. „Die Flüchtlinge wussten auch unsere Lebensmittel sehr zu schätzen“, sagt Gerhard Zoubek. Apropos Wertschätzung: „Wir brauchen einen fairen Preis für unsere landwirtschaftlichen Produkte und Preiswahrheit“, appelliert Gerhard Zoubek an Handel und Politik.