NÖ Klimaschutz-Aktivisten: „Strafen nehmen wir in Kauf“

Erstellt am 08. Dezember 2022 | 05:55
Lesezeit: 3 Min
Letzte Generation
„Ich liebe dieses Bild, sonst hätte ich das nicht gemacht“, sagt der Waldviertler Florian Wagner. Er erreichte österreichweit Aufmerksamkeit, weil er schwarze Farbe auf das Gemälde „Tod und Leben“ von Gustav Klimt schüttete.
Foto: Letzte Generation
Klimaschützer verärgern viele mit ihrem Protest. Warum sie Kunstwerke beschütten und sich an Straßen festkleben, schildern die Niederösterreicher Florian Wagner und Nadja Prankl.
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In einer Wärmeflasche unter seinem Pullover schmuggelte Florian Wagner schwarze Farbe ins Leopold Museum in Wien. Als er sich unbeobachtet fühlte, schüttete er die Flüssigkeit auf das durch Glas geschützte Klimt-Gemälde „Tod und Leben“ und rief: „Wir müssen endlich handeln!“

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Florian Wagner: „Sprachlich wurde schon alles eskaliert.“
Foto: Letzte Generation

Der gebürtige Waldviertler zog damit wie viele andere Aktivisten der Gruppen „Letzte Generation“ und „Extinction Rebellion“ viel Aufmerksamkeit auf sich und erntete enorme Kritik. Jugend-Staatssekretärin Claudia Plakolm (ÖVP) bezeichnete Aktivisten als „Chaoten“ und „respektlos“. Politisch ist zudem eine Debatte entbrannt, ob derartige Aktionen härter bestraft werden sollten.

Wagner stört all dieser Ärger nicht. Er will aufregen, um Menschen zu erreichen. Sein Ziel ist es, „die größte Krise der Menschheit“ aufzuzeigen und die Politik zum Handeln zu bringen. Sie müsse den Ernst der Lage deutlicher kommunizieren.

Das wünscht sich auch die 21-jährige Nadja Prankl. Die St. Pöltnerin klebte sich im Oktober in Wien auf der Straße fest. Dazu schmierte sie Superkleber auf ihre Handflächen und drückte sie gegen den Beton, bis sie von der Polizei „vorsichtig“ wieder gelöst wurde.

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Nadja Prankl (links) klebte sich in Wien auf der Straße fest, um Tempo 100 auf der Autobahn zu fordern.
Foto: Letzte Generation

Beide Aktivisten beschreiben, dass ihnen dieser Protest als letztes Mittel erscheint. Wagner habe sich „radikalisiert“, wie er es selbst nennt, nachdem die Ergebnisse des von Umwelt-Ministerin Leonore Gewessler (Grüne) ins Leben gerufenen Klimarates „vom Tisch gewischt wurden“. „Niemand macht solche Aktionen aus Spaß“, meint Prankl, die „Erneuerbare Energien“ am FH Technikum studiert.. Sie verweist auf Daten wie den IPCC-Bericht, die zeigen, dass gehandelt werden muss, um in Zukunft sicher leben zu können.

Beiden Aktivisten drohen Strafen

Rechtlich bewegen sich die Aktivisten auf dünnem Eis. Prankl hat bereits eine Anzeige für die Klebe-Aktion erhalten. Sie hofft, dass sie die ursprüngliche Strafe von 300 Euro stark reduzieren kann. Wenn nicht, wird sie aus der Spendenkasse bezahlt. Wagner wartet noch, welche Konsequenzen das Beschütten des Gemäldes haben wird. Obwohl das Bild selbst unversehrt blieb, entstand ein „erheblicher Schaden“ am Glas und an der Wand, heißt es vom Leopold Museum.

Gleichzeitig betont man dort, dass das Werk zerstört hätte werden können. Wagner ist auf eine Verurteilung wegen Sachbeschädigung eingestellt. „Wir brechen Gesetze, weil wir den Rechtsstaat retten wollen“, meint Prankl, die betont, dass nur friedvoller Protest für sie infrage kommt. Sie denkt, dass sich niemand mehr an Gesetze halten werde, wenn sich wegen des Klimawandels „Menschen um Wasser und Essen streiten“.

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Nadja Prankl: „Ich konnte nicht länger zusehen.“
Foto: Letzte Generation

Die Angst vor diesem Szenario begleitet beide Aktivisten. „Ich weiß nicht, ob ich einmal Kinder haben will“, sagt Prankl. Zu groß sei die Angst, dass sie in einer nicht lebenswerten Welt aufwachsen müssen, in der Dürren, Hitzetote und Wasserknappheit zum Alltag gehören.

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