Messer gegen Chef gerichtet. Mordversuch und schwere Nötigung hat die Staatsanwalt Korneuburg einem 29-Jährigen vorgeworfen, der am 2. Februar im Streit um seine ausständige Entlohnung als Koch in einem Kebabladen der Stadt auf seinen Chef eingestochen haben soll.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 29. Mai 2018 (11:19)
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Der aus der Türkei stammende Angeklagte bekannte sich im Prozess am Dienstag eingangs nicht schuldig, räumte dann aber ein, er habe mit dem Messer drohen wollen.

Laut der Staatsanwältin hatte der Beschuldigte das Lokal damals durch die Hintertür betreten, sich ein großes Küchenmesser gegriffen und versucht, auf den Geschäftsführer einzustechen - begleitet von den Worten, er werde ihn umbringen. Dass es bei lediglich zwei kleinen Schnittwunden an der Hand blieb, war dem weiteren Mitarbeiter zu danken. Diesem gelang es nämlich, den 29-Jährigen zurück- und festzuhalten, worauf er ebenfalls bedroht wurde. Der Beschuldigte habe in seinen Einvernahmen bisher lediglich zugegeben, seinem Ärger lautstark Luft gemacht zu haben.

Der Verteidiger sprach von einer "Aussprache", die zum Streit führte. In dieser "sehr aufgewühlten Situation" habe sein Mandant selbst die Polizei rufen wollen, also keinen Tötungsvorsatz gehabt. Der Anwalt führte Zeugenaussagen ins Treffen, wonach der 29-Jährige zwar ein Messer in der Hand hatte, aber nicht damit herumgefuchtelt hätte.

Rund fünf Monate hatte der Mann, der in seiner Heimat zwei Jahre lang Maschinenbau studiert hatte, bei seinem Freund gearbeitet und auch gewohnt. Anfangs sei alles okay gewesen, aber er erhielt dann lediglich ein Taschengeld und kontaktierte deshalb auch die Arbeiterkammer. 8.000 Euro habe ihm der Geschäftsführer geschuldet, erzählte der Angeklagte.

Bereits zwei Monate zuvor habe er - vergeblich - seinen Lohn eingefordert, schließlich zog er aus, weil er den Mann "nicht mehr sehen wollte", und kündigte. Tags darauf - er hatte drei bis fünf Bier intus - kam es zu der Auseinandersetzung. "Wenn ich gewollt hätte, hätte ich beide umbringen können", zitierte der Richter die Aussage des 29-Jährigen gegenüber der Polizei.

Der via Türkisch-Dolmetscherin befragte Lokalbesitzer berichtete im Zeugenstand nur von einer "Schreierei", während der betrunkene 29-Jährige das große Gemüsemesser in der Hand gehalten habe. Er habe keine Angst vor dem Angeklagten, meinte er. Vor der Polizei hatte er noch angegeben, um sein Leben gefürchtet zu haben, als sein aggressiv wirkender Mitarbeiter "wild um sich stach", und er wäre am Oberkörper erwischt worden, wenn er nicht zurückgewichen wäre, hielt der Richter dem Zeugen vor. An diese Angaben - immerhin Grundlage für die Anklage - könne er sich nicht erinnern, war die Antwort. Es habe jedenfalls keine Stichbewegung in seine Richtung gegeben.-