Pulkau trauert um Julia. SKELETT GEFUNDEN / Fünf Jahre nach ihrem Verschwinden sind in einem Haus in Dietmannsdorf im Bezirk Hollabrunn die sterblichen Überreste von Julia Kührer gefunden worden. Der Hausbesitzer wurde am Sonntag wieder enthaftet.

Erstellt am 03. Juli 2011 (20:58)
VON EVA HINTERER, GILA WOHLMANN, SANDRA FRANK, CHRISTOPH REITERER

Seit dem 1. Juli kurz nach 18 Uhr ist es traurige Gewissheit: Julia Kührer, die fast auf den Tag genau vor fünf Jahren am 27. Juni 2006 spurlos verschwunden ist, ist tot.
Noch am 19. Mai 2010 hatte Ernst Geiger vom Bundeskriminalamt (BK) vor Journalisten gesagt: „Wir wissen bis jetzt nicht, wonach wir suchen.“ Interessant ist diese Aussage deshalb, weil zehn Tage zuvor drei Jugendliche festgenommen worden waren, die Julia Kührer angeblich am Tag ihres Verschwindens noch getroffen hatten. Doch die Indizien gegen das Trio reichten laut Korneuburger Haftrichter letztlich nicht aus. Damit zerschlug sich die seit 2006 größte Hoffnung der Exekutive, Näheres über Julia Kührers Verschwinden zu erfahren.

1. Juli 2011: Ernst Geiger gibt eine Pressekonferenz im Europahaus Pulkau. Einen Tag zuvor waren die sterblichen Überreste Julia Kührers im wenige Kilometer entfernten Dietmannsdorf gefunden worden. Dabei gibt es ein unerfreuliches Wiedersehen mit zwei der drei damals Verhafteten. „Sie haben sich noch nicht einmal bei uns entschuldigt!“, werfen sie Geiger an den Kopf. Die Pressekonferenz wird daraufhin abgebrochen.

Verdächtiger „war so eine Gelegenheitsperson“
Den Täter hat die Polizei auch jetzt noch nicht. Lediglich einen Verdächtigen gab es: Den Hausbesitzer, der sofort in Wien festgenommen wurde. Am Sonntag, 3. Juli, wird er auf richterliche Anordnung wieder enthaftet.
Vor fünf Jahren hatte er eine Videothek in Pulkau betrieben. Von dort aus hatte der Mann Blick zum Haus der Familie Kührer. Wenige Tage, nachdem Julia Kührer verschwunden war, schloss er seine Videothek und war nur noch selten in seinem Haus im benachbarten Dietmannsdorf gesehen. Trotzdem war er nie im Kreise der Verdächtigen. „Er war eine Gelegenheitsperson“, so Geiger.

Helmut Greiner, Sprecher des BK, untermauert die Aussagen Geigers: „Der Mann wurde kurz nach dem Verschwinden Kührers von der Polizei einvernommen, weil ja seine Videothek direkt auf Julias Schulweg lag. Das war aber eine reine Zeugeneinvernahme. Viele andere, die hier ansässig waren, wurden genauso befragt.“
Im Zeitraum zwischen Jänner 2010 und Frühjahr 2011 meldete sich der Mann selbst vier Mal beim Bundeskriminalamt, so Greiner. Es habe damals auch konkrete Anschuldigungen gegen Dritte gegeben. Er sei daher von den Cold-Case-Ermittlern als reiner Zeuge befragt worden, „galt aber nicht als verdächtig“. Besagte „Soko Cold Case“ war zu Beginn des Jahres 2010 ins Leben gerufen worden. Sie setzt sich aus einem Kernteam von vier Ermittlern des Bundeskriminalamtes zusammen, das je nach Bedarf von Tatortexperten, Kriminalanalytikern oder Polizeipsychologen verstärkt wird.

Verbrechen ist „nicht in jüngster Zeit“ passiert
Wie lange Kührer bereits tot ist, kann Franz Geiger bei der Pressekonferenz übrigens nicht sagen. Aufgrund der Skelettfragmente sei aber zu schließen, dass es sich „nicht um ein Verbrechen aus jüngster Zeit“ handle.
Noch am Sonntag, 3. Juli, wird das Haus in Dietmannsdorf, in dem Julias sterbliche Überreste gefunden wurden, intensiv durchsucht. Die Polizei hofft herauszufinden, wie Julia gestorben ist. Sonst könnte es schwer werden, einen Mord zu beweisen.