Verein hilft Kindern aus der Krise. Wenn ein Elternteil stirbt oder Eltern sich trennen, bricht für Kinder eine Welt zusammen. Bei Rainbows wird ihnen geholfen.

Von Eva Hinterer. Erstellt am 13. Oktober 2020 (09:02)
In Gruppenstunden mit maximal sechs Teilnehmern werden Problemebei Rainbows gemeinsam bearbeitet.
Rainbows

Wenn Kinder einen Elternteil verlieren oder die Eltern sich trennen, gerät ihr Leben aus den Fugen. Das Vertrauen in die Eltern, in die Welt ist erschüttert. Der Verein Rainbows bietet seit 1991 für solche Trennungs- oder Trauerkinder Hilfe an.

In Niederösterreich betreut der Verein jährlich rund 220 Kinder nach Trennung oder Scheidung der Eltern in Gruppen, rund 80 Kinder werden einzeln betreut.

„Vom Gruppenkonzept sind wir überzeugt“

„Das Gruppenkonzept ist das, wovon wir überzeugt sind“, sagt Marion Wallner von Rainbows NÖ.

Marion Wallner von Rainbows NÖ.
Rainbows

In der Gruppe erleben Kinder, dass sie nicht alleine sind, dass auch andere Kinder getrennte Eltern haben und sich in einer ähnlichen Situation befinden. Aber: „Es gibt Kinder, die aus verschiedenen Gründen nicht in die Gruppe passen, manchmal ist es sogar so, dass das eigene Leid zu groß ist, daher betreuen wir seit fünf Jahren auch einzeln, das wird extrem gut angenommen – besonders jetzt in der Coronakrise.“

Trennung und Trauer haben zwar psychologisch die gleichen Abläufe, dennoch werden Geschwisterkinder unterschiedlich betreut: Kinder getrennter Eltern werden auch getrennt betreut, „weil Geschwister oft unterschiedliche Ansichten zur Trennung habe und sich ohne Beisein des Geschwisters freier äußern können.“ Ist ein Elternteil verstorben, werden Geschwister gemeinsam betreut.

Die rund 30 Mitarbeiter bei Rainbows NÖ müssen keine Therapeuten oder Psychologen sein (manche sind es schon), aber sie müssen einen eigenen Rainbows-Kurs absolvieren. Und sie müssen eine Ausbildung im pädagogischen oder psychosozialen Bereich sowie Berufserfahrung mit Kindern haben. „Das muss sein, denn wir brauchen Mitarbeiter, die Erfahrung mit Kindern haben“, sagt Wallner. „Rainbows ist als vorbeugendes Angebot konzipiert: vorbeugend bevor therapeutische Hilfe notwendig ist, dennoch wirken die Gruppenstunden oft ,heilsam‘. Die Kinder lernen bei Rainbows, dass ihre Gefühle wie Trauer, Aggression und Angst normale Reaktionen auf eine belastende Situation sind und sein dürfen.“

Gefühle, Vertrauen, Familienleben werden bearbeitet

Die Gruppen bei Rainbows haben vier bis sechs Teilnehmer und finden zwölf Mal innerhalb von vier bis fünf Monaten statt. Zusätzlich gibt es drei begleitende Elterngespräche. „Kinder lernen hier, dass auch Konflikte sein dürfen und nicht tabuisiert werden sollten. Wir besprechen auch Wege für einer konstruktiven Konfliktbewältigung und den Wert der Versöhnung.“

In den Sitzungen werden Gefühle, Vertrauen, Familienleben bearbeitet, auch eine „Wutstunde“ gibt es, in besprochen wird, wie Wut kanalisiert werden kann. Kinder basteln sich zum Beispiel eine Wutschachtel, in der Zettel mit Tipps sind, wie die Wut besänftigt werden kann, etwa „Ich höre Musik“ oder „Ich laufe eine Runde ums Haus“.

„Wir unterstützen die Kinder, auch neue Familienformen annehmen zu können, stärken sie und helfen ihnen, ihre Wünsche zu artikulieren.“ Zum Beispiel den Wunsch, dass der Papa nicht immer seine neue Freundin zu Treffen mitnehmen soll, weil sie ihn gerne für sich alleine hätten.

Ein neues Angebot ist die Trauerarbeit mit Eltern, wenn der Partner verstorben ist. „Viele Eltern wollten das, und es hilft auch den Kindern“, weiß Wallner.