Rebasso: Keine Anklage in Sicht. Vor einem Jahr ist in einem Waldstück bei Königstetten (Bezirk Tulln) die Leiche des entführten und gewaltsam ums Leben gebrachten Wiener Wirtschaftsanwalts Erich Rebasso entdeckt worden. Bewegung ist in den Fall bis dato keine gekommen.

Erstellt am 09. August 2013 (12:00)
NOEN, Erwin Wodicka (Erwin Wodicka)
Obwohl nur einen Tag später mit Pavel V. (36) und Alexander M. (32) die beiden mutmaßlichen Täter in U-Haft genommen werden konnten, treten die Ermittlungen auf der Stelle. Eine Anklageerhebung ist nicht in Sicht.

Ermittlungstätigkeiten in Österreich längst abgeschlossen

Grund: Die Verdächtigen wurden in Russland festgenommen. Sie befinden sich seither in einem Gefängnis in Moskau, und die russische Justiz scheint - zumindest könnten Außenstehende diesen Eindruck gewinnen - nicht unbedingt an einer raschen Erledigung des Strafverfahrens interessiert.

Dabei sind die Ermittlungstätigkeiten seitens der österreichischen Behörden längst abgeschlossen. Eine Anklageerhebung der an sich zuständigen Staatsanwaltschaft Wien ist allerdings insofern nicht möglich.

Staatsanwaltschaft schaltete Moskauer Kollegen ein

Da die Anklagebehörde keine rechtliche Handhabe besitzt, physisch nach den Beschuldigten zu greifen, wie Dagmar Albegger, Ressortmediensprecherin im Justizministerium, erläutert: "Eine Auslieferung der beiden Verdächtigen aus Russland kann Österreich nicht erwirken, weil Russland eigene Staatsangehörige nicht ausliefert."

Die Staatsanwaltschaft Wien hat daher den Kollegen in Moskau die gesamten Erhebungsergebnisse einschließlich des Obduktionsgutachtens zukommen lassen. Zudem wurde ein umfangreiches Rechtshilfeersuchen nach Moskau gesandt, an das sich die Bitte anschloss, laufend über den Stand der dortigen Ermittlungen informiert zu werden.

Keine Freude über Verhalten Russlands

"Solange nicht klar ist, ob Russland die Strafverfolgung übernimmt, brechen wir unser Inlandsverfahren nicht ab", betont Thomas Vecsey, der Sprecher der Wiener Staatsanwaltschaft. Russland soll sich dahin gehend aber noch nicht deklariert haben, und das österreichische Rechtshilfeersuchen wurde bisher "in großen Teilen" - so das Justizministerium - nicht beantwortet.

Bei der Staatsanwaltschaft Wien ist man darüber naturgemäß nicht erfreut. Im Justizministerium wird betont, Österreich habe Russland jegliche Unterstützung bei seinen Ermittlungen gewährt und "damit allen Rechtshilfeersuchen entsprochen, die Russland an Österreich gestellt hat", wie Mediensprecherin Albegger bekräftigt.

Erich Rebasso war am 27. Juli 2012 nach dem Verlassen seiner Kanzlei am Stubenring in der Wiener Innenstadt verschwunden. Er dürfte auf dem Weg zu seinem Mercedes 300 GD in einer Tiefgarage am Georg-Coch-Platz bereits von Pavel V. und Alexander M. erwartet worden sein, die mit ihren originalen Reisepässen nach Wien gekommen waren.

Moskauer Justiz konzentrierte sich ursprünglich auf Erpressung

Die beiden Ex-Polizisten sollen den im Ost-Geschäft tätigen Anwalt überwältigt haben, weil sie bzw. ihre Hintermänner den 48-Jährigen mit einem Anlagebetrug in Russland in Verbindung brachten, bei dem Kleinanleger erhebliche Summen verloren hatten. Einen Verdacht, den die Familie Rebassos als unbegründet zurückgewiesen hat.

Dem gerichtsmedizinischen Gutachten zufolge starb Rebasso an einem gebrochenen Schilddrüsenknorpel. Er dürfte - möglicherweise bereits im Zug seiner Entführung - in den Schwitzkasten genommen worden und dabei ums Leben gekommen sein. Ein vorsätzliches Töten ließ sich gerichtsmedizinisch ebenso wenig festmachen wie der genaue Todeszeitpunkt.

Die Moskauer Justiz hatte gegen die beiden Verdächtigen ursprünglich nur Ermittlungen in Richtung Erpressung aufgenommen. Obwohl Rebasso zu diesem Zeitpunkt nicht mehr am Leben war, hatten seine Angehörige ein Mail erhalten, in dem für seine Freilassung 435.000 Euro gefordert wurden.