Erstellt am 10. Juni 2014, 09:05

von Jutta Hahslinger

„Rebell“ Stieger muss drei Monate einsitzen. Plan des Kremsers Franz Stieger, im Stalkingprozess einen langjährigen Grundstücksstreit aufzuarbeiten, ging nicht auf.

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„Über zehn Jahre wurde ich vom Gericht benachteiligt. In Rohrendorf wurde ich um ein Grundstück betrogen, und das habe ich öffentlich gemacht. Die von mir plakatierten Anschuldigungen stimmen zu 100 Prozent. Es ist doch mein Recht als Bürger, wenn ich betrogen werde, um Aufklärung zu bitten. Das ist nie erfolgt“, erklärt Franz Stieger.

„Er ist nervös, fühlt sich verfolgt“

Der Kremser (54) fühlt sich von dem früheren Bürgermeister von Rohrendorf, Rudolf Danner, und dem amtierenden Kremser Gerichtspräsidenten Norbert Klaus ungerecht behandelt. Um sich im Grundstücksstreit Gehör zu verschaffen, überflutete er Krems und Rohrendorf mit Schmäh-Schriften gegen den Kommunalpolitiker und den Gerichtspräsidenten.

„Sie sind eine Schande für Ihre Familie, die Gemeinde und ganz Österreich!“, tat er mehrmals per Megafon in Rohrendorf kund. Wo sich der Ex-Politiker auch aufhielt, der Kremser war nicht fern, dokumentierte und fotografierte. Er zerrte am Nervenkostüm von Danner: „Er ist nervös, fühlt sich verfolgt und hat schon gesundheitliche Probleme“, berichtete dessen Gattin im Zeugenstand.

Gerichtspräsidenten mit Wasser bespritzt

Dem Gerichtspräsidenten und dessen Ehefrau erging es nicht besser. Neben monatelangem Plakatterror lauerte Stieger dem Gerichtschef auch mehrmals auf und bespritzte ihn von Kopf bis Fuß mit Wasser. Schlussendlich landete Franz Stieger wegen beharrlicher Verfolgung auf der Anklagebank.

„Sie haben mich verfolgt. Ich wurde Opfer eines Betruges, getarnt als Rechtsgeschäft. Ich wollte nur auf Missstände hinweisen“, wollte Stieger von Stalkingvorwürfen nichts wissen. Sein offensichtliches Vorhaben, in dem Prozess den langjährigen Grundstücksstreit aufzuarbeiten, ging aber nicht auf.

Nachdem Richterin Anna Wiesflecker von Psychiater Werner Brosch die Zurechnungsfähigkeit von Stieger attestiert bekommen hatte, verurteilte sie den Kremser wegen beharrlicher Verfolgung von Danner und Klaus zu neun Monaten, davon drei Monate hinter Gittern (nicht rechtskräftig). Stieger meldete sofort Rechtsmittel an.