Red-Bull-Erpresser in Salzburg vor Gericht. Am Landesgericht Salzburg hat am Mittwochvormittag unter dem Vorsitz von Richter Philipp Nill der Prozess gegen den mutmaßlichen Erpresser des Red-Bull-Konzerns begonnen.

Erstellt am 28. August 2013 (10:56)
NOEN, HERBERT P. OCZERET (APA)
APA11901438-2 - 14032013 - WIEN - …STERREICH: ZU APA 0682 CI - THEMENBILD - Illustration zum Thema "Red Bull-Dose": Eine Red Bull-Dose wird am Donnerstag, 14. März 2013, in Wien von Händen zusammengepresst. APA-FOTO: HERBERT P. OCZERET
In der Anklage wird dem 47-jährigen Niederösterreicher vorgeworfen, Anfang dieses Jahres vom Salzburger Marketingunternehmen 3,6 Millionen Euro gefordert zu haben. Er soll damit gedroht haben, Getränke-Dosen mit Fäkalkeimen und Hepatitis-Viren zu kontaminieren, beziehungsweise das Getränk mit einer ätzenden Säure zu versetzen.

Das Gesicht hinter einem Aktenordner versteckt, betrat der Beschuldigte um 10.00 Uhr den Verhandlungssaal. Es kam erst zum Vorschein, nachdem die Fotografen und Kameraleute den Raum verlassen hatten. Anschließend begann Staatsanwalt Christian Wiesmann mit dem Vortrag der Anklage. Er warf dem Niederösterreicher schwere Erpressung vor. Als Motiv nannte der Kläger eine subjektiv als prekär empfundene finanzielle Situation, die der Beschuldigte gegen Ende des Vorjahres als "erdrückend" empfunden habe. Die Geschäfte des Kaufmannes seien zuletzt schlecht gelaufen. Als er dann in der Zeitung gelesen habe, welche potenten Firmen es in Österreich gebe und dass Red-Bull-Eigentümer Dietrich Mateschitz über ein Milliarden-Vermögen verfüge, sei die Idee der Erpressung entstanden.

Gefordert wurden 3,6 Mio. Euro

Um eine internationale Organisation vorzutäuschen, verfasste der 47-Jährige das erste Schreiben in englischer Sprache und mit "GrupoNymus" als Absender. Er gab vor, in mehreren Staaten tätig zu sein. Man werde an den Öffnungen der Red-Bull-Dosen Keime anbringen, die aus der Hepatitis-Station einer Klinik stammen. Gefordert wurden 3,6 Mio. Euro und die Einrichtung eines eigenen E-Mail-Accounts für die gemeinsame Kommunikation. Außerdem sollte als Zeichen für die Bereitschaft zum Zahlen auf der Firmen-Homepage ein "GN" für "GrupoNymus" zu sehen sein. Red Bull war nicht das einzige Unternehmen, bei dem sich der dreifache Familienvater Geld holen wollte: Auch dem niederösterreichischen Süßwaren- und Tiernahrungserzeuger Mars Austria drohte er im März mit der Vergiftung von Produkten und forderte 350.000 Euro.

Der Beschuldigte habe für die betroffenen Unternehmen ein "Horrorszenario" entworfen, ein "beachtliches Drohszenario", und er sei bei seinen Taten gewerbsmäßig vorgegangen, weil er nahezu täglich, teils sogar mehrmals an einem Tag in Schreiben, Mails und SMS gedroht habe, so der Staatsanwalt. Und auch die Tatsache, dass es letztlich nur beim Versuch blieb, sei kaum als mildernd zu werten, weil dies nicht ihm selbst zuzuschreiben sei: Der Niederösterreich war bei der vermeintlichen Geldübergabe heuer im April verhaftet worden.

Im Vorverfahren hatte sich der 47-Jährige (Verteidiger: Christoph Hirsch) geständig gezeigt.

Im Falle einer Verurteilung droht dem Niederösterreicher eine Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren.

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Angeklagter: 250.000 Euro hätten gereicht

Nach dem Anklagevortrag durch Staatsanwalt Christian Weismann zeigte sich der Beschuldigte ("Ich trinke selber sehr gerne Red Bull") erneut geständig. Die Geschäfte seien zuletzt nicht gut gelaufen, begründete er. Außerdem räumte er ein massives Alkoholproblem ein. Er habe täglich drei bis fünf Flaschen Wein und mitunter fünf bis zehn Bier getrunken.

Zu dieser Zeit habe er gelesen, dass ein Kind vom Windelalter bis zum abgeschlossenen Studium 150.000 bis 200.000 Euro koste, "ich habe extreme Angst gehabt und Panik bekommen", so der Vater dreier Kinder (zwei Kleinkinder und eine erwachsene Tochter). Zudem habe seine Frau gedroht, mit den Kindern zurück in ihre Heimat zu gehen, wenn es finanzielle Probleme gebe. "Warum haben Sie sich nicht eine ordentliche Arbeit gesucht", wollte ein Schöffe wissen. "Mein Alkoholkonsum hat mich daran gehindert."

"Wollte ernst genommen werden"

Als Erpressungsopfer habe er Red Bull gewählt, weil es "denen nicht wehtut". Und den Betrag von 3,6 Millionen Euro begründete der 47-Jährige damit, dass er ernst genommen werden wollte. Gereicht hätten ihm eigentlich 250.000 Euro. Das erste Schreiben habe er im November oder Dezember des Vorjahres auf Englisch aufgesetzt, weil es international wirken sollte. In der letzten Jänner-Woche schickte er es schließlich ab. Da der Konzern aber zunächst nicht reagierte, habe er "immer schärfere und stärkere Drohungen" ausgesprochen und mehrfach neue Fristen gesetzt. Er sei in der Lage, mehrere hundert Dosen zu kontaminieren, ließ er wissen.

Irgendwann habe er dann den Glauben verloren, beim Energydrink-Abfüller noch zu Geld zu kommen. Deshalb wählte er ein neues Opfer: Am 13. März schickte er gemeinsam mit einem Drohschreiben eine Packung Katzenfutter an den Süßwaren- und Tiernahrungserzeuger Mars Austria, die er mit einem ungiftigen WC-Reiniger verunreinigt hatte. Red Bull erhielt hingegen von ihm keine kontaminierten Produkte. Als er aber einmal konkrete Filialen nannte, ließ der Konzern 4.000 Dosen überprüfen, die aber ausnahmslos in Ordnung waren.

600.000 Euro abgelehnt

Zum Zeitpunkt der Mars-Erpressung reagierte dann plötzlich Red Bull, und daraufhin ließ der Kaufmann von Mars wieder ab. Um die Internationalität von "GrupoNymus" zu untermauern, flog der Niederösterreicher sogar nach Berlin, um von dort aus anzurufen. Schließlich boten die Vermittler des Konzerns 600.000 Euro, die er in betrunkenem Zustand aber ablehnte. Vor der Übergabe habe er Angst gehabt. Als es dann am 10. April doch dazu kam, dirigierte er den vermeintlichen Boten immer wieder um. Bei einem Telefonat habe der Bote gesagt, "wir sind schon da", da habe er wieder einen anderen Ort genannt. Letztlich sollte der Überbringer das Geld in einen Müllcontainer in der Demelgasse in Wien werfen, und als es der Erpresser dort abholen wollte, klickten die Handschellen.

"Sie sind durchaus professionell vorgegangen", konstatierte der Staatsanwalt dem Beschuldigten. "Das habe ich aus dem Fernsehen", so der Angeklagte.

Auch Verteidiger Christoph Hirsch verwies auf das sich seit 15 Jahren hinziehende Alkoholproblem. Sein Mandant habe sich Sorgen gemacht, wie er die geplante Hochzeit seiner Tochter und Geschenke für Weihnachten finanzieren könne. Dabei sei der Schuldenberg mit rund 10.000 Euro nicht so groß gewesen. "Er hat schwärzer gemalt, als es eigentlich ausgeschaut hat", so Hirsch, der von einer "zusammenfantasierten, subjektiven Verzweiflung" sprach.

Bisher nie mit dem Gesetz in Konflikt

Der Beschuldigte sei bisher nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Und von einer "besonders kriminellen Energie" - wie in der Anklageschrift behauptet - könne im vorliegenden Fall nichts gesprochen werden, weil ja keine Produkte kontaminiert wurden, nannte der Anwalt mögliche Milderungsgründe. Bei der Mars-Erpressung sei der Angeklagte vom Versuch zurückgetreten, so Hirsch, der auch darauf hinwies, dass sich der Niederösterreicher schriftlich bei Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz entschuldigt habe.