Karin Kuhn: Ein Leben für die Rettungshunde. Seit 25 Jahren sucht Karin Kuhn als Hundeführerin vermisste Menschen. Rund 800 Einsätze hat sie bisher absolviert.

Von Eva Hinterer. Erstellt am 26. Mai 2021 (05:24)
Karin Kuhn mir ihren Rettungshunden Gillie (li.) und June.
Philipp Monihart

Aufgeregt springt Gillie an Frauchen Karin Kuhns Schulter, immer wieder. Gerade ist die Hündin aus ihrer Transportbox befreit worden, und sie weiß, dass es jetzt losgeht.

Mitten in der Wiener Innenstadt üben die Rettungshunde NÖ das „Mantrailing“. Dabei verfolgen sie, durch eine lange Leine mit dem Hundeführer verbunden, die Duftspur einer Person. Die 54-jährige Karin Kuhn, fit wie ein Turnschuh, sprintet Gillie hinterher. „Nein, andere Hobbys habe ich keine“, lacht sie, das Training, fünfmal die Woche, ersetzt jedes Fitnesscenter.

Gillie wetzt also durch Straßenzüge, über Treppen, bis sie die Person, an deren Mütze sie Minuten zuvor für Sekundenbruchteile geschnüffelt hat, aufgespürt hat.

An sich kann jeder Hund zum Rettungshund ausgebildet werden, entscheidend sei der Charakter, sagt Karin Kuhn. Die Tiere müssen neugierig sein und Spaß am Suchen haben.

Die ersten „Mantrailer“ in Österreich

Zwei Jahre dauert die Ausbildung zum „Flächenhund“: Diese Tiere suchen freilaufend große Gebiete nach Personen ab. Aufwändiger ist die Ausbildung zum „Mantrailer“: In drei Jahren lernen die Tiere, eine bestimmte Person aufzuspüren, indem sie deren individueller Duftspur folgen. „Mit dem Mantrailing haben wir in Österreich begonnen, es ist die Königsdisziplin“, sagt Kuhn. Ob draußen im Wald oder in der Stadt, die Tiere müssen unter tausenden Gerüchen einen bestimmten herausfiltern – auch bei Regen und Wind. Und sie dürfen sich dabei nicht ablenken lassen. Weder vom Reh im Wald noch von anderen Hunden oder von vorbeizischenden Radlern.

Karin Kuhn hat ihre Laufbahn als Hundeführerin im Mai 1996 bei der Österreichischen Rettungshundebrigade begonnen. Schon nach kurzer Zeit leitete sie eine Staffel. Im Jahr 2000 gründete sie die Rettungshundestaffel des Samariterbundes St. Pölten, 2002 wurde sie Landesverantwortliche für NÖ, zwei Jahre später wurde der Verein Rettungshunde NÖ gegründet.

„Wenn ich früher zu Einsätzen gekommen bin, haben sich andere Rettungsorganisationen oft gefragt, was ich da mit meinen Hunden will, überhaupt als Frau.“ Den nötigen Respekt haben sich Kuhn und ihre Tiere längst erarbeitet. Man bringe schließlich auch die nötige Power mit: „Wenn eine demente Person vermisst wird oder ein Kind, dann sind wir in kürzester Zeit mit 25 Hunden vor Ort. Darum finden wir es schade, wenn wir bei manchen Personensuchen nicht alarmiert werden.“

Erst Anfang März wurde im Raum Herzogenburg ein älterer Herr vor Einbruch der Nacht unterkühlt, aber unverletzt gefunden. 40 bis 50 Einsätze gibt es pro Jahr. „Dabei gibt jeder sein Letztes“, sagt Karin Kuhn. Auch, wenn ein Einsatz über drei Tage geht, was schon vorgekommen ist.