Freiwillige Rückkehrer leisten "Zivildienst 2.0". Zwei junge Männer erzählen, warum sie gerade jetzt helfen.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 23. April 2020 (16:40)
Fabian und Stefan aus dem Bezirk Korneuburg: Beide haben ihren Zivildienst absolviert und sind dann als ehrenamtliche Retter beim Roten Kreuz geblieben. Jetzt legen sie beim Zivildienst eine freiwillige zweite Runde ein.
RK NÖ/H. Riemer

Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen… Darunter fällt wohl auch der aktuelle Zivildienst. Derzeit sind viele junge Männer auch freiwillig zurückgekehrt, um im Rahmen eines außerordentlichen Zivildienstes zu helfen und zu unterstützen. Fabian und Stefan aus dem Bezirk Korneuburg erzählen, was sie zu diesem Schritt bewogen hat.

Warum hast Du Dich freiwillig gemeldet?

Fabian: Aufgrund meiner vergangenen Tätigkeit als Zivildiener und der bereits vorhandenen Ausbildung wollte ich die Möglichkeit nutzen, sinnvoll zu helfen.

Stefan: Ich war bereits vor Antritt des außerordentlichen Zivildienstes mehrmals in der Woche ehrenamtlich beim Roten Kreuz tätig.

Wie lässt sich die Tätigkeit mit Deinem Beruf/Studium vereinbaren?

Fabian: Ich war zu diesem Zeitpunkt nach meiner Maurerlehre beim AMS gemeldet und somit sofort einsetzbar.

Stefan: Aktuell befinde ich mich bei meinem Studium im Praktikumssemester, das ich aufgrund der Krise frühzeitig beenden musste. Daher hat sich der außerordentliche Zivildienst als sinnvoller Zeitfüller angeboten.

Wieso gerade das Rote Kreuz?

Fabian: Ich habe bereits meinen Zivildienst beim Roten Kreuz in Korneuburg abgeleistet und gewusst, dass ich dort keine große Einschulung benötige und so am schnellsten bereit für den Einsatz bin. Da ich mich dort sehr wohl fühle, bin ich froh, dass die Einteilung geklappt hat.

Stefan: Das Rote Kreuz ist mir schon seit der Kindheit bekannt. Ich habe immer schon die Rettungsautos bewundert, die an mir vorbeiflitzten. Umso mehr freue ich mich, heute für Menschen in Notsituationen da sein zu dürfen und ihnen die Hilfe geben zu können, die sie brauchen.

Wie lange liegt Dein Zivildienst zurück?

Fabian: Ich habe meinen Zivildienst im September 2019 abgeschlossen.

Stefan: Meinen ersten Zivildienst habe ich von Juli 2016 bis April 2017 geleistet, allerdings beim Wiener Roten Kreuz.

Warst du seither auch als Freiwilliger für das Rote Kreuz tätig?

Fabian: Ja, seit 1 Oktober 2019 bin ich bereits freiwillig beim Roten Kreuz Korneuburg.

Stefan: Ja, ich habe bereits mehr als 2.300 Stunden bei der Rotkreuz-Bezirksstelle Korneuburg ehrenamtlich im Rettungsdienst geleistet. Und ich freue mich, auch nach meinem außerordentlichen Zivildienst wieder ehrenamtlich tätig zu sein.

In welchen Bereichen wirst Du eingesetzt?

Fabian: Ich bin im normalen Rettungsdienst, und zusätzlich habe ich mich freiwillig für eine Einschulung zum Abnahme-Mitarbeiter gemeldet.

Stefan: In meinem außerordentlichen Zivildienst habe ich die Aufgabe, das bestehende Team im Rettungs- und Krankentransportdienst zu unterstützen. Somit trage ich zur Entlastung des erhöhten Bedarfes an Rettungsmitteln bei.

Was hat sich im Vergleich zu Deinem ursprünglichen Zivildienst verändert?

Fabian: Wir müssen jetzt noch genauer auf die Hygiene- und Schutzvorkehrungen für Patienten und Personal achten – inklusive der zusätzlichen Maskenpflicht .... Aber auch der Umgang zwischen den Rettungskollegen ist nicht mehr so unbedacht möglich – man muss darauf achten, dass man auch hier den Abstand genau einhält, um die Ansteckungsgefahr und somit auch eine Quarantäne für das Gesundheitspersonal so gering wie möglich zu halten.

Stefan: Ich kann, um ehrlich zu sein, nicht für die Masse sprechen, aber seit dieser Ausnahmesituation sind die Menschen, die unsere Hilfe brauchen, äußerst wertschätzend mir gegenüber.

Gibt es etwas Spezielles zu erzählen?

Stefan: Ich habe kürzlich einen Nachtdienst gehabt: Gegen 18 Uhr war ich auf dem Weg zu einem Patienten, als ich plötzlich mitbekommen habe, dass auf den Straßen vor den Häusern oder aus dem Fenster Leute jubelten, klatschten und mir zuwinkten. Ich habe anfangs gar nicht verstanden, was los ist, bis ich mitbekommen habe, dass immer gegen 18 Uhr die Bürgerinnen und Bürger Menschen wie uns im Rettungsdienst Danke sagen. Ich habe dies davor nur am Rande in den Medien wahrgenommen.

Ich habe mich jedenfalls sehr darüber gefreut, und dies hat mir viel Motivation in der derzeitigen herausfordernden Situation gegeben.

Was würdest Du in dieser Situation anderen Menschen raten?

Fabian: Meine Empfehlung: sich wirklich an die Abstandsregeln, die Ausgangsbeschränkungen und Hygienemaßnahmen zu halten, um sich selbst und auch andere zu schützen.

Stefan: Ich rate allen Menschen, in dieser schwierigen Zeit zu Hause zu bleiben und die Verordnungen der Regierung zu beachten. Ich kann natürlich nachvollziehen, dass es alle vor eine schwierige Herausforderung stellt, aber diese Maßnahmen sind wichtig, damit wir in den Gesundheitsberufen der Arbeit mit hoher Qualität nachgehen können. Außerdem rate ich allen Menschen, sich ordentlich mit zuverlässigen Quellen zu informieren, denn ich glaube, dann ist es auch leichter verständlich, weshalb solche Maßnahmen derzeit notwendig sind.

Fabian Kranz ist 20 Jahre alt und von Beruf Maurer, Stefan Ivessa ist 23 Jahre alt und studiert an der FH St. Pölten Medientechnik, beide absolvieren derzeit ihren außerordentlichen Zivildienst an der Bezirksstelle Korneuburg.