Erstellt am 17. Januar 2017, 02:54

von Eva Hinterer und Gila Wohlmann

„Pflege“ ist das große Thema. Präsident Josef Schmoll über Pflegebedarf, Nachwuchsarbeit und Wohnzimmer beim Roten Kreuz.

Josef Schmoll: „Ich kann zur Spendenbereitschaft wirklich nur Danke sagen.“  |  Wohlmann

Im September 2016 löste der Neunkirchner Josef Schmoll den langjährigen Rot-Kreuz-Präsidenten Willi Sauer im Amt ab. Die NÖN fragte nach seinen Plänen für die nächsten Jahre.

„Ein flächendeckendes System für ein gesundes, selbstbestimmtes Leben schaffen“, sagt Schmoll. Das soll Ziel des Roten Kreuzes sein? Ja, so Schmoll, denn der Bedarf an Pflege sowie der Bedarf an Unterstützung der Angehörigen steigt. „Wir haben vor 30 Jahren begonnen, in der Pflege tätig zu werden.“ Das Rote Kreuz, das weltweit in 190 Länderorganisationen tätig ist, werde eigentlich nur in Österreich primär als Rettungsdienst wahrgenommen, sagt Schmoll. Dabei sei man viel mehr.

 „Das Rote Kreuz hat mit den Gesundheits- und Sozialen Diensten schon vor 30 Jahren begonnen, in der Pflege aktiv zu werden.“

Josef Schmoll 

Im Rahmen der „Gesundheits- und Sozialen Dienste“ gibt es zahlreiche Angebote für Senioren oder auch „Lernhäuser“ für Kinder – all das soll weiter ausgebaut werden.

Das Sozialprojekt „Team Österreich Tafel“, wo bedürftige Menschen wöchentlich mit Lebensmitteln versorgt werden, ist dem neuen Präsidenten ein großes Anliegen. „130 Ausgabestellen gibt es in Österreich und es ist ja nicht so, dass da jede Woche zwei, drei Leute vorbeikommen, es sind eher 50 bis 60, und das pro Ausgabestelle.“

Wie bei allen Freiwilligen-Organisationen ist auch beim Roten Kreuz die Nachwuchsarbeit ein wichtiges Thema. Rund 16.000 Ehrenamtliche tun beim Roten Kreuz NÖ Dienst, etwa 4.000 Jugendliche sind im „Nachwuchskader“. Die Kids versucht man zeitgemäß, via Facebook oder die Rotkreuz-NÖ-App, anzusprechen. Ganz neu ist „Henri-TV“, ein Live-Infotalk auf Facebook, der jeweils am letzten Dienstag des Monats zwischen 19 und 20 Uhr ausgestrahlt wird (#henri). Während des Livestreams können über Facebook auch Fragen gestellt werden.

"Rote Kreuz ist ein guter Partner"

Dass es genug Freiwillige gibt, führt Schmoll auch darauf zurück, dass man nicht an eine fixe Dienststelle gebunden sei. Und dass die Dienste in einem fixen Dienstrad ablaufen, was man sich gut einteilen könne. Außerdem sei auch die Gemeinschaft wichtig: „Ich sage immer: Wenn wir das Wohnzimmer nicht in die Dienststelle bekommen, dann werden wir keine Freiwilligen haben.“

Auf die Notarzt-Diskussion lässt Schmoll sich erst gar nicht ein: Das Land hatte ja im Vorjahr angekündigt, die 33 Notarzt-Dienststellen zahlenmäßig zu verkleinern, letztlich blieb alles beim Alten. Der Ärger über die künstliche Aufregung blieb. „Wir sind hier nur Dienstleister, das Notarztsystem ist Sache des Landes. Und da hat sich herausgestellt, dass das Rote Kreuz ein guter Partner ist“, sagt Schmoll diplomatisch.

Wie sieht es mit der Dotierung des Roten Kreuzes aus? Was die Spendenfreude anlangt, „müssen wir wirklich Danke sagen“. Katastrophenhilfe, Suchhunde, Lernhäuser, Team-Österreich-Tafel – all das wird aus Spenden finanziert. Drücken tut der Schuh bei den Rettungs- und Krankentransporten: Einige Dienststellen kommen trotz Zuschüssen aus dem Spendentopf nicht aus den roten Zahlen, wie Schmoll einräumt. „Hier müssen wir eine Ausfinanzierung finden, das geht aber nur mit den Gemeinden und den Sozialversicherungsträgern.“