2.462 Einsätze pro Tag im NÖ Rettungsdienst. Das Rote Kreuz NÖ hat seine Bilanz des Jahres 2019 präsentiert: Die Anzahl der Rettungseinsätze steigt, ebenso die Akzeptanz des freiwilligen Sozialen Jahres. Mit 227.514 Personen hat das Rote Kreuz NÖ so viele Unterstützer wie noch nie.

Von Eva Hinterer. Erstellt am 11. Februar 2020 (13:45)
Präsentation der Leistungsbilanz des Roten Kreuzes NÖ: Präsident Josef Schmoll (2.v.li.), Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (3. und 4.v.li.).
RK NÖ / L. Hürner

"Das Rote Kreuz ist Spitzenreiter beim erstmalig durchgeführten Vertrauensindex unter 20 abgefragten NGO’s und liegt damit im Vertrauen bei den Landsleuten noch vor Institutionen wie der Krebshilfe, dem SOS Kinderdorf oder Ärzte ohne Grenzen", sagt Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner. Das zeige, "dass hier Menschen am Werk sind, die das Motto ‚Aus Liebe zum Menschen‘ in ihrem Herzen und in ihrem Alltag leben“.

Laut aktueller Umfrage des des APA/OGM-Vertrauensindex sagen 86 Prozent der Befragten, dass sie dem Roten Kreuz vertrauen.

„Hinter all den beachtlichen Zahlen des Roten Kreuzes stehen Menschen, die sich unermüdlich für andere einsetzen", dankt Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern des Roten Kreuzes.

„Das Jahr 2019 war für uns in vielerlei Hinsicht ein Jahr der Veränderung: wir haben seit Mitte des Jahres mit Thomas Wallisch und Andrea Winter ein neues, starkes Geschäftsführungsteam und seit November ist Berndt Schreiner zum Chefarzt und Ärztlichen Leiter Rettungsdienst bestellt“, erklärt Präsident Josef Schmoll, Rotes Kreuz NÖ. 

Zuwachs im Freiwilligen Sozialjahr, Herausforderung Zivildienst 

Insgesamt verbucht das Rote Kreuz Niederösterreich steigende Zahlen bei den Freiwilligen: 18.093 Ehrenamtliche waren es im Jahr 2018, 2019 stieg diese Zahl auf 18.549. Dazu kommen 11.476 Team Österreich Mitglieder, die im Katastrophenfall alarmiert werden können.

Beim Freiwilligen Sozialjahr ist NÖ bundesweit Spitzenreiter: im Jahr 2019 nutzen österreichweit 412 Menschen die Möglichkeit des Sozialjahres – 280 davon allein in Niederösterreich.

„Einen wesentlichen Faktor bildet für uns aber nach wie vor auch der Zivildienst“, meint Schmoll. „Hier haben wir gerade bei den April-Terminen starke Einbrüche zu verbuchen." Fakt sei aber, dass rund 70 Prozent der Zivildiener beim Roten Kreuz verbleiben, nachdem sie ihren Dienst abgeleistet haben. Das, sagt Schmoll, dürfe man nicht unterschätzen.

Rettungsdienst: Einsatzzahlen weiterhin stark steigend

Bereits im Jahr 2018 verzeichnete das Rote Kreuz Niederösterreich einen massiven Anstieg bei den Einsatzfahrten – diese Tendenz setzte sich 2019 weiter fort: 2.462 Mal rückten die NÖ-Mitarbeiter täglich aus, 2018 waren noch durchschnittlich 2.375 Einsätze pro Tag, im Jahr 2017 rund 2.250.

Die Etablierung des Bezirkseinsatzleiters konnte im Jahr 2019 weitgehend abgeschlossen werden. Bis dato konnten 444 Mitarbeiter zu Bezirkseinsatzleitern ausgebildet werden. Die Bezirkseinsatzleiter kommen bei größeren oder komplexeren Ereignissen zum Einsatz, um diesen zu koordinieren. 

Neue Sondereinheit für Infektionskrankheiten

Ganz neu ist die Sondereinheit für Sonderinfektionstransporte (SIUE NÖ), die erst vor wenigen Wochen präsentiert wurde: Sie trägt der weltweiten Entwicklung zur Seuchenprävention Rechnung und sorgt für den sicheren Transport hochinfektiöser Patienten. Das Rote Kreuz stellt dabei Stützpunkte in Bruck, Korneuburg und Horn und der Arbeiter Samariterbund in Sankt Georgen/St. Pölten.

Steigender Bedarf an Gesundheits- und Sozialen Diensten

Der Bereich der Gesundheits- und Sozialen Dienste im Roten Kreuz NÖ wächst: 284.729 Einsatzstunden wurden hier 2019 geleistet. Zurückzuführen sind diese Steigerungen im Wesentlichen auf drei Bereiche: die Seniorenbetreuung inklusiver Hauskrankenpflege, den Einsatz in der Armutsbekämpfung und dem Ausbau der Lese- und Lernprogramme des Roten Kreuzes NÖ.

In der Seniorenbetreuung setzten die Gesundheits- und Sozialen Dienste mit Jahresbeginn durch die Etablierung des GPS-Rufhilfe-Geräts und die Rotkreuz-Dose einen wichtigen Akzent. Passiert ein Notfall, reicht der Druck auf den Alarmknopf und die Hilfesuchenden werden direkt mit dem Service Center des Roten Kreuzes verbunden. Kommt kein Sprechkontakt zustande, rückt umgehend eine Rettungsmannschaft aus.

Mit der Rotkreuz-Dose, in der wichtige Medikamente im Kühlschrank aufbewahrt werden, sind wichtige Daten jederzeit verfügbar und können im Bedarfsfall von den Rotkreuz-Sanitäter gleich ins Krankenhaus mitgenommen werden.

Tafeln gegen die Armut

Auch in der Armutsbekämpfung war das Rote Kreuz NÖ 2019 aktiv: Mit der Gründung von drei zusätzlichen Team Österreich Tafeln – den Lebensmittelausgabestellen, die auf Initiative von Rotem Kreuz und Ö3 entstanden sind – ist die Zahl in Niederösterreich mittlerweile auf 35 Ausgabestellen gestiegen. Ergänzend sorgen die Henry Läden – die Seconde Hand Boutique des Roten Kreuzes – für günstige Einkaufsmöglichkeiten.

Kurse: Helfen will gelernt sein

7.321 Kinder und Jugendliche haben 2019 an den Helfi-Olympiaden in NÖ teilgenommen. Diese Initiative des Jugendrotkreuzes startete mit Erste-Hilfe-Schwerpunkten an den Schulen, an denen 24.915 junge Menschen in Erste-Hilfe-Maßnahmen durch das HELFI Programm des Jugendrotkreuzes geschult wurden. „Wenn man in der Schule dieses Grundverständnis schafft und bereits lernt, hinzugreifen statt wegzusehen, ist das die wichtigste Grundlage für später", sagt Schmoll.  

Das Angebot zur Breitenausbildung reichte auch 2019 von Erste-Hilfe-Kursen für Fahrschüler bis zu Fachkursen, beispielsweise bei Kindernotfällen.  2019 führten die Lehrbeauftragten des Roten Kreuzes insgesamt 3.162 Kurse für Erste Hilfe durch, die von 33.220 Niederösterreichern absolviert wurden.