Sanader an Kroatien ausgeliefert. Der unter Korruptionsverdacht stehende kroatische Ex-Premier Sanader ist am Montagabend von Österreich an sein Heimatland ausgeliefert worden. Er wurde mit einem Auto in das Remetinec Gefängnis in Zagreb gebracht. Die vergangenen sieben Monate hatte er in der Justizanstalt in Salzburg verbracht, nachdem er auf der Tauernautobahn aufgrund eines internationalen Haftbefehls festgenommen worden war.

Erstellt am 19. Juli 2011 (14:04)

Der unter Korruptionsverdacht stehende kroatische Ex-Premier Sanader ist am Montagabend von Österreich an sein Heimatland ausgeliefert worden. Er wurde mit einem Auto in das Remetinec Gefängnis in Zagreb gebracht. Die vergangenen sieben Monate hatte er in der Justizanstalt in Salzburg verbracht, nachdem er auf der Tauernautobahn aufgrund eines internationalen Haftbefehls festgenommen worden war.

Die kroatische Justiz wirft ihm Amtsmissbrauch in mehreren Fällen vor, er soll durch dubiose Transaktionen über ihm nahe stehende Firmen das kroatische Staatsbudget um sechs Millionen Euro geschädigt haben. Der Ex-Regierungschef hatte die Vorwürfe zurückgewiesen. Es handle sich um eine politische Kampagne seiner früheren engsten Mitarbeiter, die jetzt zu Gegnern geworden seien, hatte er argumentiert.

In seiner Heimat soll Sanader am Donnerstag um 13.00 Uhr vor dem Richter aussagen, berichtete die kroatische Tageszeitung "Vecernji list". Sanaders Anwälte haben den Ex-Premier Dienstag früh aufgesucht. Ab Mittwoch könnte Sanader auch seine Familie besuchen. Derzeit laufen insgesamt sechs Untersuchungen der kroatischen Justiz gegen Sanader.

Laut einem Bericht der Zeitung "Vecernji list" soll der unter Korruptionsverdacht stehende Politikerunter anderem von dem ungarischen Mineralölkonzern MOL, der im Gegenzug der größte Aktionär des kroatischen Konzerns INA wurde, zehn Millionen Euro Schmiergeld kassiert haben. MOL wies die Vorwürfe umgehend zurück und drohte rechtliche Schritte an.

Auch in Österreich läuft ein Ermittlungsverfahren gegen Sanader wegen Geldwäscheverdachts über ein Bankkonto in Tirol. Sanader wird auch vorgeworfen, Provisionen bei Geschäften der Kärntner Hypo Alpe Adria Bank in Kroatien kassiert zu haben. Er bestreitet alle Vorwürfe vehement und will seine Unschuld vor kroatischen Gerichten beweisen.