Elterntaxis als Gefahr für Kinder

Wenn sich am Morgen in den Minuten vor Schulbeginn Elternautos vor den Schulgebäuden stauen, kann es zu gefährlichen Situationen für Kinder kommen.

Redaktion NÖN.at Erstellt am 16. September 2021 | 20:26
Elterntaxi Elterntaxis Schule Schulweg Symbolbild
Symbolbild
Foto: Shutterstock.com, Monkey Business Images

Die Herausforderungen auf dem Schulweg sind vielfältig – auch Elterntaxis können eine Gefahr für Kinder darstellen. Nämlich dann, wenn sie bei Zufahrten, Haltestellen oder unerlaubt in zweiter Reihe halten, um ihre Kinder aussteigen zu lassen.

Das kann zu Ärgernissen und Staus, aber vor allem zu unübersichtlichen Verkehrssituationen für Kinder führen. "Zwar versprechen sich Eltern durch den direkten Weg zur Schule mit dem Auto größtmögliche Sicherheit für ihr Kind, doch auch das Gegenteil für andere Kinder kann der Fall sein", sagt ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger.

"Eltern sollten gemeinsam mit ihrem Kind überlegen, wie der optimale Weg zur Schule absolviert werden kann, um die gewünschte Sicherheit und zukünftige Eigenständigkeit des Kindes zu fördern."

Elterntaxis machen vor allem Sinn, wenn man z. B. Wege bündeln kann, Mitfahrergelegenheit bietet, die Schule zu weit weg ist oder öffentliche Verkehrsmittel kaum nutzbar, weil zu unregelmäßige Fahrintervalle oder keine Anbindung gegeben ist.

"Gibt es keine passende Alternative zum Auto, ist es wichtig, die Situation beim Hinbringen und Abholen des Kindes sicher und ruhig zu gestalten. Unbedingt zu beachten ist, dass das Kind gehwegseitig aussteigen kann, optimalerweise auf der Seite der Schule", rät die Expertin des Mobilitätsclubs.

Grundsätzlich ist kurzes Halten zum Ein- und Aussteigen bei Haltestellen bzw. am Fahrbahnrand erlaubt, auch das Halten vor Haus- und Grundstückseinfahrten – solange man bei Bedarf sofort wegfahren kann. Verboten ist es jedoch, eine Zufahrt zu einer anderen Fahrbahn oder Kreuzung oder womöglich einen Schutzweg zu blockieren.

Sofern vorhanden, sollten "Kiss & Ride“-Halteplätze genutzt werden, die dem Kind noch einen eigenen "Freundetreffweg" im Schulumfeld ermöglichen. Eltern können sich auch gemeinsam mit der Schulleitung für die Einrichtung sicherer Hol- und Bringzonen, die zeitlich auf den Bedarf abgestimmt sind, einsetzen.

Kinder im Auto entsprechend Gewicht und Größe sichern

Laut Verkehrsunfallstatistik kommen die meisten Kinder als Mitfahrer im Pkw zu Schaden, weil sie gar nicht oder falsch gesichert werden. Ein geeignetes Kinderrückhaltesystem bewahrt das Kind schon bei leichten Unfällen vor Verletzungen. Wichtig ist, dass Kinder entsprechend Gewicht und Größe gesichert sind: Laut Gesetz brauchen Kinder bis 14 Jahre bzw. bis 1,35 Meter eine entsprechende Rückhaltevorrichtung, die nur auf Fahrzeugsitzen, die mit einem passenden Sicherheitsgurt ausgestattet sind, verwendet werden darf. Größere Kinder können einen üblichen Sicherheitsgurt benützen. Achtung: Das Führerschein-Vormerksystem sieht vor, dass bei Verstößen gegen die Kindersicherungsbestimmungen neben einer Verwaltungsstrafe (Strafrahmen bis zu 5.000 Euro) auch eine Vormerkung im Führerscheinregister vorgenommen wird.

Alternativen zum Auto sollten genutzt werden

Nicht unbedingt die beste Wahl ist das Elterntaxi hingegen, wenn gute Infrastruktureinrichtungen wie Zebrastreifen, Ampeln oder nahe gelegene Haltestellen zur Verfügung stehen oder man sogar gemeinsam gehen oder Rad fahren kann. "Ist der Weg zur Schule zu Fuß mach- und zumutbar für das Kind, sollte diese Möglichkeit genutzt werden. Gut trainiert erlangen die Kinder so wichtige Verkehrskompetenz, Selbstständigkeit und Selbstvertrauen", sagt die ÖAMTC-Expertin.

"Je früher Verkehrssituationen geübt und bewältigt werden, desto sicherer bewegen sich Kinder im Straßenverkehr. Eine ausgiebige Trainings- und Begleitphase der Eltern ist unbedingt nötig." Ob das Kind "reif" für die alleinige Bewältigung des Schulwegs ist, können Eltern anhand verschiedener Anzeichen festmachen, z. B. wenn sich das Kind selbst sicher fühlt, nicht überfordert ist, sich auf dem Weg gut konzentrieren und orientieren kann und auch gerne selbst unterwegs sein möchte. Jegliche Ablenkung auf dem Schulweg sollte tabu sein, elektronische Geräte gehören in die Schultasche.

Ein Unterstützungsangebot punkto Verkehrssicherheit für Schüler gibt es für alle Volksschulen österreichweit mit den Kinder-Verkehrssicherheitsprogrammen des Mobilitätsclubs – nähere Infos unter www.oeamtc.at/verkehrserziehung.