Kein Platz für Kriminelle . Drogen, Diebstahl oder Raub: Von Gila Wohlmann, Andreas Fussi und Philipp Hacker-Walton Wenn sich Straftaten an öffentlichen Plätzen häufen, kann die Behörde einschreiten.

Von Philipp Hacker-Walton, Andreas Fussi und Gila Wohlmann. Erstellt am 14. November 2017 (03:45)
Christian Dusek
Die Schutzzone am Bad Vöslauer Badplatz besteht seit 2012, weil auf dem stark frequentierten Schulweg gedealt wurde.

Drogenhandel, Raub und Körperverletzung. Fahrraddiebstähle ebenso. Immer öfter musste die Polizei zum Bahnhof Mödling ausrücken. Gerade hier sind viele Kinder unterwegs.

Willy Kraus
Mödling: Seit dem 6. November sind der Bahnhof und die nähere Umgebung inklusive City Center Mödling Schutzzone.

Im Rahmen eines Sicherheitsforums auf Initiative des Bezirkspolizeikommandos Mödling wurde die Einrichtung einer Schutzzone in und um den Bahnhofsbereich sowie beim City-Center angeordnet. „Dadurch soll verhindert werden, dass Minderjährige möglichen gefährlichen Angriffen, in welcher Form auch immer, ausgesetzt sind“, erklärt Mödlings Vize-Bezirkspolizeikommandant Oliver Wilhelm. Problematische Personen können somit jetzt von der Polizei des Platzes verwiesen werden. 30 Tage müssen sie dem Bereich fernbleiben.

„Eine Schutzzone hebt zwar das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger, man löst aber nicht die Probleme der betroffenen Personengruppen.“Julia Zauchinger, Sozialarbeiterin bei Nordrand

Behördlich angeordnete Schutzzonen gibt es in Traiskirchen schon viele Jahre – am Bahnhof, bei der Neuen Mittelschule sowie bei der Volksschule inklusive Kindergarten. „Traiskirchen ist auf dem Gebiet quasi Vorreiter gewesen“, sagt Kurt Wagner, Kommandant der Polizeiinspektion Traiskirchen. „Die Grundidee ist sehr gut, die Einrichtung hat sich bewährt.“

Die vierte Schutzzone im Bezirk Baden befindet sich in Bad Vöslau am Badplatz. Eingerichtet 2012, wird sie halbjährlich verlängert. Laut Vöslaus Polizeipostenkommandant Hubert Gruber wurde die Schutzzone verhängt, „weil vermehrt Suchtmittelmissbrauch festgestellt wurde und der Schulweg dort vorbeiführt“. Nachdem „die Herrschaften nicht unbedingt Vorbilder sind“, wie er untermauert, wird der Bereich nun geschützt. „Es hat zur Verbesserung der Situation geführt.“

Schranz
Der Stadtpark Wiener Neustadt und der Bahnhof sind seit sechs Monaten Schutzzone; sechs weitere Monate werden folgen.

Sechs Monate Schutzzonen Stadtpark und Bahnhof Wiener Neustadt sind vorbei, sechs weitere Monate folgen. 362 Betretungsverbote hat die Polizei bisher (Stand: 6. 11. 2017) gegen verdächtige Personen ausgesprochen. Auffällig ist: „Die Amtshandlungen werden nicht weniger“, so Polizeikommandant Manfred Fries. Denn im Vergleich zu anderen Schutzzonen wie etwa in St. Pölten sind die Betretungsverbote seit Mai konstant. Zwar sei es im Stadtpark ruhiger geworden, allerdings verlagere sich die Szene in

Kern
Der Bahnhof in St. Pölten ist bereits seit 2006 Schutzzone. Und wird das auch noch bis 11. September 2018 bleiben.

Richtung Bahnhof, durch die kalte Jahreszeit werde das verstärkt. In den Zonenplan wurden neu der Maria-Theresien-Ring und Straßen beim künftig in Wiener Neustadt situierten Bundesamt für Asyl- und Fremdenwesen (BFA) aufgenommen.

Subjektives Sicherheitsgefühl der Bürger steigt

„Keine sichtbare Verlagerung problematischer Personengruppen durch die Schutzzone im Bahnhofsbereich an andere öffentliche Räume“, hat St. Pöltens Vize-Stadtpolizeikommandant Thomas Heinreichsberger festgestellt. Ob sich Suchtgiftkonsumenten stattdessen in Wohnungen zurückziehen, sei kaum überprüfbar. Prinzipiell hat man in der Landeshauptstadt gute Erfahrungen gemacht. Hier sind die Streetworker von „Nordrand“, einem Angebot des Vereins „Jugend und Lebenswelt“ für junge Leute zwischen zwölf und 23 Jahren regelmäßig mit einem mobilen Bus vor Ort. „Dieser bietet den Jugendlichen einen geschützten Raum und Rückzugsort. Hier finden sie jemanden, der ihnen zuhört, sich ihrer Probleme, ohne zu werten, annimmt“, sagt Nordrand-Sozialarbeiterin Julia Zauchinger.

Sie wirft aber ein, dass eine Schutzzone zwar das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger hebe, auch die verstärkte Präsenz der Exekutive. Dass man aber dadurch nicht alle Vorfälle verhindern könne. Und schon gar nicht die Probleme der betroffenen Personengruppen löse.