Insassen attackiert: Prozess um zweifachen Mordversuch. Weil sie in der Justizanstalt Schwarzau Mitinsassinnen attackiert haben soll, ist eine 41-Jährige am Dienstag in Wiener Neustadt unter anderem wegen zweifachen Mordversuchs vor einem Schwurgericht gestanden.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 17. September 2019 (10:48)
NÖN
Die Angeklagte mit ihrem Anwalt Franz Seidl.

Die Angeklagte soll ihrer Zellengenossin einen Stich gegen den Hals versetzt und eine andere Frau gewürgt haben. Die Steirerin bekannte sich teilweise schuldig. Ihr droht auch eine Einweisung.

Der Frau aus Leoben wurden mehrere Delikte angelastet: Neben dem zweifachen versuchten Mord auch Körperverletzung, gefährliche Drohung, Widerstand gegen die Staatsgewalt, schwere Körperverletzung einer Beamtin, tätlicher Angriff auf einen Beamten und Nötigung. Die Frau, die sich in der Justizanstalt Schwarzau (Bezirk Neunkirchen) befindet, soll am 25. November 2018 ihre Zellengenossin verletzt haben.

Der Streit habe sich immer wieder um das Fernsehen gedreht, weil die andere "immer wieder das gleiche angeschaut hat", berichtete die Angeklagte. Daraufhin habe sie den Stecker gezogen und eine Fernbedienung auf den Kopf bekommen. "Wir haben gestritten und gerauft", schilderte die Steirerin.

 Mit Besteckmesser attackiert

 Zu Auseinandersetzungen kam es auch, weil die Angeklagte das Licht nicht abdrehte, als ihre Zellengenossin schlafen wollte. Am 5. Dezember 2018 soll die 41-Jährige laut Staatsanwaltschaft mit einem Besteckmesser auf ihre Mitinsassin in der Zweierzelle mit den Worten "i schlitz di auf" losgestürmt sein und ihr einen heftigen Stich versetzt haben, der nur aufgrund der Abwehrbewegungen des Opfers bloß Hämatome und Abschürfungen zur Folge hatte.

Gegen die einschreitenden Justizwachebeamten soll sie sich "massiv zur Wehr gesetzt" haben, sagte die Staatsanwältin. Zudem soll sie bei weiteren Vorfällen in den Folgemonaten bei der Medikamentenausgabe aus Wut einer Justizwachebeamtin einen Becher Wasser ins Gesicht geschüttet und ihre Zellengenossin von hinten an den Haaren gepackt haben. Die Mitinsassin habe ihr "Tabak, Backpapier, Zucker und Butter" gestohlen, deswegen wollte sie mit ihr reden, meinte die 41-Jährige dazu.

Außerdem soll die Beschuldigte am 18. März 2019 im Freizeitraum eine Inhaftierte von hinten mit beiden Unterarmen am Hals umklammert und beide Unterarme kraftvoll um deren Kehle zusammengedrückt haben, so dass die Frau keine Luft bekam. Dabei soll die Steirerin gemeint haben: "Jetzt hob i di und jetzt bring i di um." Die 41-Jährige sagte dazu: "Ich bin von mehreren Frauen auf das Übelste beschimpft worden", sie habe es nicht mehr ausgehalten.

"Hat mich einfach nicht in Ruhe gelassen"

Deshalb habe sie die Mitinsassin in den Schwitzkasten genommen. "Ich wollte erreichen, dass die Schimpferei endlich aufhört. Die haben mich einfach nicht in Ruhe gelassen", so die Angeklagte. Das Opfer konnte laut Staatsanwaltschaft nur durch das sofortige beherzte Eingreifen einer weiteren Insassin befreit werden. Auch diese Frau soll die Angeklagte daraufhin angegriffen und verletzt haben.

Die Beschuldigte aus der Steiermark gab auf Frage der vorsitzenden Richterin Birgit Borns an, seit 20 Jahren ein Drogenproblem zu haben. An das Geld für die Suchtmittel - u.a. Heroin und Kokain - sei sie durch Diebstähle gekommen. Die 41-Jährige ist laut einem Gutachten zurechnungsfähig, aber "massiv für andere gefährlich", sagte die Staatsanwältin. Die Vertreterin der Anklagebehörde beantragte zusätzlich zu einer Strafe die Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher.

Die Steirerin bekannte sich teilweise schuldig, bestritt aber u.a. den Vorwurf des zweifachen versuchten Mordes. Ihr Rechtsanwalt betonte, dass besonderes Augenmerk auf das Verhältnis und die Wortwahl unter den Insassinnen der Justizanstalt Schwarzau zu legen sei.