Sei kein Opfer!. Immer wieder kommt es vor, dass Kinder von Fremden angesprochen werden, die sie weglocken wollen. Dann sollten sie sich zu helfen wissen – und sich wehren können.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 01. Juni 2015 (05:00)
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NOEN, Krav Magna Baden

Ein Taferlklassler wird zu Mittag vor der Volksschule von einem fremden Mann angesprochen. Das kommt ihm seltsam vor. Er reagiert rasch – und richtig: Er läuft davon und erzählt das Geschehene einer Bekannten.

Solche Situationen können für Kinder mitunter gefährlich werden. Einer, der sich laufend mit dem Thema beschäftigt, ist Wolfgang Lahomsek, Polizeieinsatztrainer an der Sicherheitsakademie Traiskirchen.

"Eltern müssen mit Kindern über Szenarien sprechen"

Er betreibt in Baden die Selbstverteidigungsschule „Krav Maga Baden“, in der er mit seinem Instruktoren-Team – darunter die Psychologin Julia Neumann – Selbstverteidigungskurse für Kinder anbietet.

Prävention, sagt Lahomsek, beginnt im Elternhaus. „Eltern sollten mit ihrem Kind mögliche gefährliche Szenarien besprechen. Hinterhältige Vorwände, wie dass ein Elternteil verletzt ist, oder Tiere oder Schokolade als Lockmittel, sollten thematisiert werden.“

Wenn Kinder von Fremden angesprochen werden, ist die erste und wichtigste Verhaltensmaßnahme körperliche Distanz zu wahren. „Damit im Ernstfall eine Flucht möglich ist“, erläutert Lahomsek.

Um Hilfe schreien ist der zweite Schritt. Dann schnell davonlaufen und einen belebten Ort wie ein Geschäft oder Gasthaus aufsuchen. Regeln, die auf ersten Blick vielleicht selbstverständlich anmuten, doch Kindern immer wieder in Erinnerung gerufen werden sollten. Ohne sie zu verängstigen.

Das ist Lahomsek, selbst Vater einer 14-jährigen Tochter, wichtig. „Die Entführung von Natascha Kampusch im Volksschulalter hat meine Tochter berührt, sie hatte Angst, von Fremden angesprochen zu werden“, erinnert er sich.

Selbstbewusstsein trainieren fängt schon im Kleinkindalter an. „In einer Erziehung, in der das Kind in seinen Gefühlen und Wahrnehmungen respektiert wird, hat es mehr Möglichkeiten, diesen Gefühlen zu vertrauen und sie mitzuteilen. Damit fällt es dem Kind leichter, ,Nein‘ zu sagen“, erklärt dazu Psychologin Neumann. „Kinder sollten unterstützt werden, zu sagen, wenn ihnen bestimmte Handlungen Erwachsener unangenehm sind, etwa Küsschen geben“, so Neumann.

Körperliche Grenzen  respektieren

Eltern müssen einem Kind vermitteln, dass sie dessen körperliche Grenzen respektieren. Neumann: „Wichtig ist es, Kinder über ,gute‘ und ,schlechte‘ Geheimnisse aufzuklären und sie zu ermutigen, solche im Falle zu erzählen – auch wenn angedroht wird: ,Erzähl das nicht weiter!‘“.

Körperlich sind Kinder Erwachsenen unterlegen, doch „ein Kind kann im Ernstfall Schwachstellen wie Gesicht oder Genitalbereich attackieren und ablenkende Schmerzen erzielen, die Spielraum für einen Fluchtversuch geben“, sagt Lahomsek. Wichtig ist es, ein unangenehmes Opfer zu sein. Treten, schlagen, Gegenstände werfen, schreien. Je lauter, desto besser, denn ein Täter will kein Aufsehen erregen.

Starke, laute Kinder sind also gefragt. Ein Selbstschutz, der mitunter Leben retten kann.


Die Technik

Krav Maga ist israelischen Ursprungs und bedeutet „Kontaktkampf“. Es ist ein System zur Selbstverteidigung, das primär aus Schlag- und Tritttechniken besteht. Die einfachen Techniken sind schnell zu lernen und vor allem unter Stress noch abrufbar.

Kontakt: km-baden.at